L42 Schulze, Max
 21.06.1870 - 14.02.1930

Max Schulze
geb. 21.6.1870
gest. 14.2.1930

 

aus: Gisela Möllenhoff / Rita Schlautmann-Overmeyer, Jüdische Familien in Münster 1918 – 1945. Teil I Biographisches Lexikon, Münster  ²2001

S. 399-400
SCHULZE
Max    

21.6.1870 Bielefeld - 14.2.1930 MS
E: Robert Schulze, Maschinenbauer in Bielefeld, u. Alwine geb. Sternfeld (1856 Bielefeld - 1902 Bielefeld)
G: Johanna (?) (* Oktober 1866); Emilie (21.6.1870 Bielefeld - 1873, Zwillingsschwester); Frieda (* 24.6.1873 Bielefeld)
Kaufmann. Wurde in Bielefeld, Breitestr. 8, dem Eigentum der Familie mütterlicherseits, geboren. Er war Inhaber der 1868 in Bielefeld gegründeten Fa. "Robert Schulze", die seit 1896 eine Filiale in Nähmaschinen und Fahrrädern, später auch Motorrädern in MS betrieb. Die Geschäftsadresse war von 1896 bis 1900 Alter Fischmarkt 1, dann Spiekerhof 7, Wolbecker Str. 9  und von 1929 bis 1938 Bremer Str. 42-56. Max Sch. besaß die General-Vertretung der Claes-Pfeil-Fahrräder (Mühlhausen/Thür.). Er erteilte den Käufern seiner Waren Gratisunterricht im Sticken und Stopfen sowie "auf einer geschlossenen Lehrbahn" im Fahrradfahren. Seine Firma wurde unter der Bezeichnung "Elvira-Fahrrad- und Metall-Industrie" bekannt. 1913 bemängelte die Handelskammer MS den Zusatz "Industrie" im Firmennamen. Das Amtsgericht MS sah darin keine Täuschung über Art und Umfang des Geschäftes, da er mit einem Meister und sechs Arbeitern sowohl Fahrradteile herstellte als auch fertig gekaufte Teile zu Rädern zusammensetzte. Max Sch. wohnte im Hauseigentum Mozartstr. 3. Im Jahre 1929 gehörte er dem Repräsentantenkollegium der jüd. Gemeinde an. Infolge Gehirnschlages verstarb er mit 59 Jahren. Im Nachruf des Personals wurden seine Gerechtigkeit und unermüdliche Arbeitskraft betont. Er fand auf dem jüd. Friedhof in MS seine letzte Ruhestätte.

EHEFRAU
Emmy geb. Schönenberg
20.9.1881 Hamm -13.10.1947 USA
E: Hermann Schönenberg u. Hermine geb. Münchhausen, Bonn (1935)
G: Anni ∞ Stern, Essen-Steele, emigrierte 1933 in die Niederlande; Meta ∞ Herz, Bonn, emigrierte 1939 in die USA; u. a. (?)
Sie wurde nach dem Tode des Ehemannes 1930 Eigentümerin der Häuser Mozartstr. 3 und Wilhelmstr. 14 sowie Inhaberin der Fa. "Elvira-Fahrrad- und Metallindustrie Robert Schulze", Bremer Str. 42-56. Bei der Einreise in die Niederlande zu einem Verwandtenbesuch im Dezember 1935 wurde sie wegen Besitzes von 5,5 hfl im Hauptzollamt Gronau wegen Devisenvergehens unter Strafe gestellt. Das Verfahren wurde wegen Geringfügigkeit und aufgrund ihres guten Leumunds eingestellt. Am 8.3. 1938 trat sie eine Besuchsreise in die USA an. Vor Ablauf der Dreimonatsfrist bat sie die Devisenstelle vorsorglich um die Genehmigung einer Verlängerung ihres Aufenthaltes, um nach ihrer Rückkehr nicht mit Schwierigkeiten rechnen zu müssen. Die am 16.4.1938 verordnete Vermögensaufstellung sowie ihre Verkaufsverluste und die noch ausstehenden Steuerrückstände, dazu die Drohung der Zwangsversteigerung, ließ sie die Unmöglichkeit erkennen, ihren Betrieb aufrecht zu erhalten. 1938 betrug der Verlust bereits 59.000 RM. Der Verkauf wurde am 18.8.1938 getätigt, wozu sie am 14.10. 1938 die behördliche Genehmigung erhielt. Die Löschung (?) erfolgte zum 9.2.1939. Die beiden Häuser Mozartstr. 3 und Wilhelmstr. 14 wurden am 13.10.1938 bzw. am 26.4.1939 verkauft. Sie hielt sich seit der Rückkehr aus den USA im Juni 1938 in Amsterdam und Utrecht bei ihrer Schwester Anni Stern auf und emigrierte im März 1939 in die USA. Die Reichsfluchtsteuer überstieg bei weitem den Verkaufserlös für die beiden Hausbesitzungen. Die nach dem Pogrom verordnete "Judenvermögensabgabe", die Auswandererabgaben für das Umzugsgut (sie mußte allein für die "Ausfuhr" ihres Persianermantels den Kaufpreis von 2.500 RM noch einmal als Abgabe leisten), die Kosten der Auswanderung und der Transferverlust von 96 % für das Restguthaben brachten sie an den Bettelstab. Sie verstarb 1947 in den USA.

KIND
Hertha
* 15.3.1907 MS, lebte 1958 in den USA
Sie war mit dem Kaufmann Hermann Wilhelm Wittmann (ev.) verheiratet. Ihre Tochter Helga wurde am 2.2.1928 in MS geboren. Hertha Sch. wohnte vermutlich in Berlin, emigrierte im Oktober 1938 in die Niederlande und vor März 1939 weiter in die USA. Sie lebte 1958 als Hertha Stone in Florida.

 


Zurück zum Lageplan