L22 Simons, Aron
 16.08.1857 - 02.02.1933

Aron Simons
16.8.1857 - 2.2.1933

 

aus: Gisela Möllenhoff / Rita Schlautmann-Overmeyer, Jüdische Familien in Münster 1918 – 1945. Teil I Biographisches Lexikon, Münster  ²2001

S. 408-409
SIMONS
Aron    

16.8.1857 Olfen - 2.2.1933 MS
E: Abraham Simons (* 1814 Olfen) u. Emma geb. Dahlberg (1825 Niedermarsberg - 10.12.1900 Olfen)
G: Jette (5.5.1852 Olfen - 29.5.1855 Olfen); Levy (1.11. 1853 Olfen - 2.6.1914 Olfen); Julius (24.12.1855 Olfen - 18.5.1856 Olfen); Julie (* 8.7.1859 Olfen); Philipp (5.7. 1861 Olfen - 17.12.1870 Olfen); Mädchen (Totgeburt 28.11.1863 Olfen); Moises (* 24.9.1865 Olfen)
Rentner. Stammte aus einer Würzburger Familie, die seit 1807 in Olfen ansässig war. Er war das vierte von acht Kindern aus der zweiten Ehe seines Vaters. Vier Geschwister verstarben bereits im Kindesalter. Um 1928 verzog er von Olfen, Markt 2, nach MS, wo sein jüngerer Sohn als Rechtsanwalt tätig war und wohnte bis zu seinem Tod 1933 mit 75 Jahren in der Studtstr. 50. Er fand sein Grab auf dem jüd. Friedhof in MS.

∞ 1893 Neuenkirchen
EHEFRAU
Therese-Helene geb. Eltzbacher
19.1.1867 Neuenkirchen/Rietberg - 3.7.1943 Ghetto Theresienstadt
Nach dem Tod ihres Mannes 1933 wurde sie in die Familie ihres Sohnes Erich Simons, Salzstr. 35, aufgenommen. Sie lebte fortan mit dieser zusammen und mußte alle Wohnungswechsel mittragen. Um 1937 erfolgte der Umzug zur Bahnhofstr. 42. Nach der Teilzerstörung dieses Hauses durch Bomben gelangte sie am 2.2.1942 in das letzte münsterische "Judenhaus" Am Kanonengraben 4. Sie lebte dort mit dem Ehepaar Dr. Simons und den beiden Enkelkindern in einem behelfsmäßig abgetrennten Raum in der ersten Etage. Nach der Verschleppung der letzten in der Marks-Haindorf-Stiftung untergebrachten alten Leute, die am 31.7.1942 erfolgte, blieb sie mit der Familie des Sohnes allein in dem Gebäude zurück. Schließlich wurde sie von der Stadt MS am 11.12.1942 in das Haus Ludgeristr. 110 zwangseingewiesen. Nach völliger Isolation der Familie Simons, die heimlich von der Familie Schippmann und von Lisa Busse Lebensmittel zugesteckt bekam, wurde sie von dort am 13.5.1943 mit der Transport-Nr. XI/2-34 zusammen mit der Familie ihres Sohnes ins Ghetto Theresienstadt deportiert. Drei Tage vorher, am 10.5.1943, war sie durch einen "Heimeinkaufsvertrag" zur Auslieferung ihres Vermögens (über 13.000 RM) an das Deutsche Reich gezwungen worden. Sie verstarb in Theresienstadt bereits acht Wochen nach ihrer Ankunft.

KINDER
Albert, Priv.doz. Dr. med.
22.4.1894 Olfen - 5.12.1955 Israel
Nach dem Abitur begann er das Medizinstudium in Heidelberg und war dort in einer Studentenverbindung. Beim Kriegseinsatz im Lazarett verlor er nach einer Infektion, die durch eine Sektion verursacht war, den rechten Mittelfinger. Wegen eines Gehörschadens eröffnete er keine Privatpraxis, sondern befaßte sich auf seinem Spezialgebiet, der Krebsforschung, mit der Anwendung der Strahlentherapie. Über seine wissenschaftliche Tätigkeit in Düsseldorf gelangte er an die Berliner Charité. 1929 habilitierte er sich als Privatdozent an der Univ. Berlin. Nach seiner Entfernung aus dem Dienst aufgrund des "Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" 1933 wurde er in Berlin am jüd. Krankenhaus tätig und emigrierte schließlich 1938 nach Palästina, da eine Forschungstätigkeit in Deutschland nicht mehr möglich war. Mit 61 Jahren verstarb er in Tel Aviv an den Folgeschäden seiner Strahlenversuche. Er galt als "ärztliche Idealgestalt".

Erich, Dr. jur.
16.4.1896 Olfen - ca.12.10.1944 KZ Auschwitz

 


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