L167 Miltenberg, Ernst
 

Hier ruht
unser liebes Söhnchen
Ernst Miltenberg

aus: Gisela Möllenhoff / Rita Schlautmann-Overmeyer, Jüdische Familien in Münster 1918 – 1945. Teil I Biographisches Lexikon, Münster  ²2001

S. 311
MILTENBERG
Ernst

13.4.1924 MS - 13.7.1924 MS
Sein Grab befindet sich auf dem jüd. Friedhof in MS.

S. 309-311
MILTENBERG
Ludwig    
15.12.1886 MS - KZ Riga-Strasdenhof
E: Aron Miltenberg (7.7.1848 Amelsbüren - 27.8.1941 MS) u. Henriette geb. Weinberg (31.12.1852 Osterholz-Scharmbeck - 3.12.1931 MS)
G: Selma (11.11.1877 MS - Ghetto/KZ Riga); Arnold (19.11.1878 MS - USA); Julius (6.6.1880 MS - gefallen 25.1.1917 Ogle/Rußland); Moritz (12.8.1882 MS - USA)
Viehhändler. Wohnte mit den Eltern Klosterstr. 37 und mit seiner Familie 1922 Südstr. 26 (bei Julius Rosenberg) und 1938 Südstr. 30. Für seine Teilnahme am 1. WK wurde er am 5.2.1935 mit dem "Ehrenkreuz für Frontkämpfer" auszeichnet. Betrieb eine Viehhandlung in der Zeit vom 1.7.1921 bis zum 30.9.1938, Südstr. 27 bzw. 30. In der Pogromnacht 1938 wurde seine Wohnung teilweise zerstört. Mit seiner Familie fand er anschließend Unterschlupf bei christl. Bekannten. Dort konnte er sich ca. 14 Tage verstecken und somit einer Inhaftierung entgehen. Nach Erlaß des NS-Mietgesetzes wurde er am 31.7. 1939 ins "Judenhaus" Frie-Vendt-Str. 18 eingewiesen. Die "Sicherungsanordnung" vom 2.1.1940 wurde wegen mangelnden Vermögens aufgehoben. Eine Auswanderung in die USA mit Hilfe seines Bruders Arnold zog er bereits seit 1939 in Erwägung, jedoch war dessen Bürgschaft für eine vierköpfige Familie zu niedrig. Im August 1940 bestand weiterhin die Absicht, über Rußland und Japan nach Nordamerika auszuwandern, einen "Antrag auf Ausfuhr des Umzugsgutes" hatte er eingereicht. Im Oktober 1940 war er mit seiner Familie beim amerikanischen Konsulat in Stuttgart, bekam aber keine Visa. Da ihm nur der Lohn seiner Arbeit zur Verfügung stand, hatte er Ende 1940 1.000 RM von der Witwe Hermine Simon aus Duisburg, deren Sohn Dr. med. dent. Rudolf Simon zuvor bei ihm gewohnt hatte, zur Bezahlung der Auswanderung geschenkt bekommen. Diese Summe benötigte er für Schriftverkehr, Telegramme und weitere Vorbereitungen. Aufgrund der Kriegssituation waren Spinnstoffe Mangelware, daher wurden einige Teile seiner für die Auswanderung verpackten Kleidungsstücke von der Devisenstelle nicht genehmigt und konnten entweder veräußert oder an die Kleiderkammer der jüd. Kultusvereinigung der Synagogengemeinde MS abgegeben werden. Die Ablieferung wurde ihm von der jüd. Gemeinde bescheinigt. Die Vorlage der neuesten Bankauszüge der Bürgen sowie der Gesundheitsbescheinigung verzögerte sich durch den schleppenden Postverkehr. Da diese Verwandten der deutschen Sprache nicht (mehr) mächtig waren, die Briefe jedoch zwecks Überprüfung des Inhaltes in deutsch abgefaßt sein mußten (Zensur), traten bis 1941 weitere Verzögerungen ein. Ludwig M. arbeitete mindestens von Dezember 1940 bis Oktober 1941 im Lager einer Holzhandlung. Am 13.12.1941 wurde er mit seiner Ehefrau und seinen beiden Töchtern von MS ins Ghetto Riga deportiert. Nach dessen Auflösung 1943 wurde er ins KZ Riga-Strasdenhof verbracht. Er war dort einer von zwei Lagerältesten. Bei Auflösung der "Kasernierung" aufgrund des heranrückenden russischen Heeres wurden Männer und Frauen, die älter als 30 Jahre waren, zunächst in einem ausgeräumten Saal der Kabelfabrik gesammelt, dann auf LKW verladen und vermutlich im Juli 1944 im Wald von Rumbula ermordet.

∞ 19.8.1909 MS
EHEFRAU
Henriette geb. Spier
5.3.1883 Kalkar - KZ Riga-Strasdenhof
E: Simon Spier, Viehhändler, Metzger, (17.10.1861 Kalkar - Ghetto Minsk) u. Rosa geb. Straus (26.10.1866 Millingen - 3.8.1942 Ghetto Theresienstadt)
G: Siegfried (14.5.1897 Kalkar - KZ Auschwitz); Erich (10.4.1899 Kalkar - 28.12.1938 KZ Dachau)
Sie zog nach ihrer Heirat 1920 nach MS, wo ihre Tante Karoline Weinberg schon lange ansässig war. Nach der Verwüstung der Wohnungseinrichtung in der Pogromnacht 1938 fand sie mit ihren Kindern einige Tage Unterschlupf bei christl. Bekannten, während ihr Ehemann sich dort länger verstecken konnte. Wurde am 13.12.1941 mit ihrem Ehemann und den beiden Töchtern von MS nach Riga deportiert und kam nach Auflösung des Ghettos 1943 in die "Kasernierung" Riga-Strasdenhof, wo sie mit ihrer Familie bei einer "Aktion" erschossen wurde.

KINDER
Edith
24.2.1922 MS - KZ Riga-Strasdenhof
Sprechstundenhilfe, Krankenschwester. Sie wohnte zusammen mit ihren Eltern. Besuchte die Annette-Schule von 1932 bis 1936. War 1934 Mitglied im "Bund Deutsch-Jüdische Jugend" und engagierte sich außerdem im Sportverein des RjF, wo sie 1934 bei den westfälischen Bezirksmeisterschaften den ersten Platz im Dreikampf belegte. Sie war vom 1.6.1937 bis zur Emigration ihres Arbeitgebers im Oktober 1938 als Haustochter, Erzieherin und Sprechstundenhilfe bei dem Arzt Dr. Marcus in Solingen tätig. Sie sprach fließend Englisch, so daß sie ihrer Tante Renate Miltenberg zu deren Auswanderungsvorbereitung Englischunterricht erteilte. Außerdem hatte sie sich Spanischkenntnisse angeeignet und kannte sich mit Büroarbeiten aus. Da sich die Emigration der gesamten Familie aufgrund der unzureichenden Bürgschaft und der Quotenregelung bis April 1939 noch nicht verwirklichen ließ, plante sie zu diesem Zeitpunkt, als Haustochter nach England auszuwandern. Im Mai 1939 war das Umzugsgut bereits zollamtlich verpackt, doch hatte die Emigration bis August 1939 nicht erfolgen können. Am 22.8.1939 hatte sie der Devisenstelle erneut die Umzugsgutliste zur Bewilligung eingereicht und um schnellstmögliche Rückgabe gebeten. Dieses Mal scheiterte die Emigration offensichtlich am Ausbruch des 2. WK. Im Mai 1941, als die Flucht gemeinsam mit den Eltern noch immer nicht geglückt war, appellierte sie an einen entfernten amerikanischen Verwandten, wenigstens ihr durch ein "Affidavit" die Einwanderung in die USA zu ermöglichen, damit sie die Familie nachkommen lassen konnte. Am 20.5.1941 benachrichtigte das Zollamt I in MS sie, daß das drei Jahre zuvor bewilligte Umzugsgut auf Antrag freigegeben sei, "da eine Möglichkeit der Ausfuhr in nächster Zeit nicht besteht und das Gut gebraucht wird". Zu dem Zeitpunkt strebte Edith M. vergeblich eine Stelle als Krankenschwester im "Israelitischen Asyl" in Köln an. Sie erlernte die Herstellung von Ansteckblumen aus Filz, die sie in der Emigration vertreiben wollte. Im Juli 1941 nähte sie Lederhandschuhe. Sie wurde mit Eltern und Schwester am 13.12.1941 von MS nach Riga deportiert, wo sie als Krankenschwester im Ghetto-Krankenhaus tätig war. Nach der Auflösung des Ghettos im November 1943 wurde sie mit ihrer Familie ins KZ-Riga-Strasdenhof verschleppt. Als die sowjetischen Truppen vorrückten, wurden für eine "Aktion" sämtliche Männer und Frauen über 30 Jahre aufgerufen. Eine Augenzeugin schrieb: "Nun war es gleichgültig, ob jung oder alt, krank oder gesund. ...Herr Mildenberg mit seiner Frau und schönen Tochter Edith, die freiwillig bei ihnen blieb, ... für sie alle blieb nur dieser eine letzte Weg".

Ernst
13.4.1924 MS - 13.7.1924 MS
... [siehe Textzitat oben] ...

Hannelore (Lore)
4.7.1928 MS - KZ Riga-Strasdenhof
Sie war Schülerin der jüd. Volksschule und nach Aussage ihrer Schwester Edith "eine glänzende Schülerin" und "der Stolz der Familie". Im Februar 1941 verfaßte sie einen Aufsatz zum Thema ,Beten", den sie ihrer Tante à Renate Miltenberg zu lesen gab. Diese äußerte dazu: "So einen Aufsatz habe ich noch nicht gelesen von einem Kind von 12 Jahren. Die dicken Tränen liefen mir über die Backen". Zu Pfingsten 1941 wurde Hannelore M. zusammen mit Irmgard Heimbach, Ruth Behrendt und Margarete Goldberg von Rabbiner Dr. Julius Voos "konfirmiert". Sie wurde mit Eltern und Schwester am 13.12.1941 von MS ins Ghetto Riga deportiert. Nach der Auflösung des Ghettos im November 1943 wurde sie mit ihrer Familie vermutlich bei einer "Aktion" im KZ-Riga-Strasdenhof ermordet.

aus:  Korrigenda- und Ergänzungsliste zum Biographischen Lexikon, August 2001

S. 12
MILTENBERG
EHEFRAU
Henriette geb. Spier
5.3.1893 Kalkar - KZ Riga-Strasdenhof

 


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