L145 Rosenberg, Arthur
 02.10.1897 - 15.02.1918

Arthur
Rosenberg
geb. 2. Okt. 1897,
gefall. bei Ypern 15. Febr. 1918.

 

aus: Gisela Möllenhoff / Rita Schlautmann-Overmeyer, Jüdische Familien in Münster 1918 – 1945. Teil I Biographisches Lexikon, Münster  ²2001

S. 361-362
ROSENBERG
Arthur

20.10.1897 MS - gefallen 15.2.1918 Ypern/Flandern
Kaufmann, Unteroffizier. Besuchte seit 1909 das Realgymnasium. Wohnte Südstr. 14 (1897) und Jägerstr. 26 (1918). Im Jahre 1916 wurde er eingezogen und starb als 20jähriger Unteroffizier der Reserve infolge einer Explosion im letzten Kriegsjahr. Er hatte als Mitglied der 6. Kompanie des Infanterie-Regiments 114 die Schlacht um Flandern (Juni bis Dezember 1917) mitgemacht und fiel in der Stellung bei West-Roosebeke. Sein Andenken wird auf einem Gedenkstein für die jüd. Gefallenen des 1. WK in der Synagoge MS sowie durch eine Inschrift auf dem Grabstein seiner Mutter auf dem jüd. Friedhof bewahrt.

S.360-362
ROSENBERG
Bernhard    
14.2.1869 Coesfeld - 16.11.1942 Ghetto Theresienstadt
E: Levy Rosenberg, Pferdehändler, (1.7.1830 Bork/Kr. Lüdinghausen - 25.8.1902 MS) u. Fanny geb. Hertz (13.11.1833 Coesfeld - 4.2.1904 MS)
G: Salomon (1.6.1861 Coesfeld - 13.1.1917 MS); Leopold; Lea ∞ Arons (5.4.1875 Coesfeld - KZ Auschwitz)
Pferdehändler. Zog mit seinen Eltern am 4.7.1892 nach MS, Südstr. 58. Bernhard R. unterstützte 1894 durch seine Mitgliedschaft den "Verein zur Abwehr des Antisemitismus". 1903 stiftete er anläßlich der Geburt seiner Tochter Lotte der "Marks-Haindorf-Stiftung" 20 M, die zum Kauf von "Biblischen Anschauungsbildern zum Alten Testament" (Schnorr von Carolsfeld) verwandt wurden. Er war zunächst Teilhaber der "Pferdehandlung L. Rosenberg & Sohn", die 1907 als Fa. "Bernhard Rosenberg" ins Handelsregister eingetragen wurde. Nach dem Tod seines Bruders Salomon 1917 war Bernhard R. Alleininhaber. Die Wohnung war in der Südstr. 44, während sich Kontor und Stallungen Tom-Rink-Str. 22 und Jägerstr. 27 befanden (1912). 1921 lebte er mit seiner zweiten Ehefrau im Eigentum Jägerstr. 26. Nach Verkauf dieses Hauses am 4.4.1934 zog er zur Hermannstr. 50. Bis zum 2.2.1940 wohnte er Hammer Str. 41a und mußte dann ins "Judenhaus" Breul 15 ziehen. Am 6.1.1942 wurde er mit seiner Frau in das letzte münsterische "Judenhaus" Am Kanonengraben 4 eingewiesen. Im März 1937 beantragte Bernhard R. einen Reisepaß, der nur gegen eine Sicherheitsleistung (Hypothek auf Grundstücken) für etwaige Reichsfluchtsteuern erstellt wurde. Seine Grundstücke Tom-Rink-Str. 22 und Jägerstr. 27/29 (vom Vater geerbt) verkaufte er am 28.7.1938. Daraufhin wurde am 26.9.1938 gegen das Ehepaar eine "Sicherungsanordnung" verhängt, mit der Begründung: "Die Genannten sind Juden und werden durch den Verkauf von Grundvermögen erhebliches Bargeld ansammeln". Ihnen wurde ein monatlicher Freibetrag von 700 RM zum Lebensunterhalt gewährt, der sich im Laufe der Zeit immer mehr verringerte. Nachdem Bernhard R. im September 1938 den NS-Stellen noch versichert hatte, nicht auswandern zu wollen, "da ich 70 Jahre alt bin", suchte er nach der Pogromnacht 1938 nach Auswanderungsmöglichkeiten. Nach Zahlung der "Judenvermögensabgabe" und Abgabe von Gold- und Silbersachen am 28.3.1939 bei der Pfandleihanstalt Dortmund im Rahmen der "Edelmetallabgabe", hoffte er im November 1939 auf eine Übersiedlung zu dem Bruder seiner Frau in die USA, "sobald wir an der Reihe sind". Durch Vermittlung des "Hilfsvereins der Deutschen Juden" wurde 1941 noch eine Auswanderung nach Kuba versucht und Gegenstände für die bevorstehende Emigration angeschafft. In einem Telegramm vom 19.4.1941 an Verwandte in den USA wurde mitgeteilt, daß die Erteilung eines Visums ohne Nachweis fester Schiffsplätze und Abfahrtsdaten unmöglich sei. Am 24.10.1941 hatte sich der "Hilfsverein der Deutschen Juden" bereit erklärt, die Passagekosten zu übernehmen bzw. hatten Verwandte die Kosten übernommen. Nachdem die Nationalsozialisten im Oktober 1941 ein generelles Auswanderungsverbot erlassen hatten, wurde er mit seiner Ehefrau am 31.7.1942 von MS nach Theresienstadt deportiert (Transport-Nr. XI/1-848). Neun Tage vorher, am 22.7.1942, hatte er für 15.000 RM einen "Heimeinkaufsvertrag" unterzeichnen müssen, der ihm vorgaukelte, sich in ein Altersheim eingekauft zu haben. Drei Tage nach seiner Verschleppung (3.8.1942) wurde ihm die Genehmigung erteilt, aus seinem Besitz noch einen Spiegel und einen Tisch verkaufen zu dürfen. Im Ghetto in Theresienstadt lebte er noch zweieinhalb Monate. Zusammen mit den Hinterlassenschaften der deportierten Bewohner der Marks-Haindorf-Stiftung wurde im September 1942 auch seine letzte Habe dem städt. Altersheim Klarastift zur Verfügung gestellt. Sein Restguthaben (einschließlich einer hohen Lebensversicherung) verfiel im Januar 1943 dem Deutschen Reich.

EHEFRAU (1. Ehe)
Setta (Sitta) geb. Wolf
24.1.1874 Idstein/Untertaunus - 24.2.1910 Idstein
E: Bertha Wolf geb. Henlein (28.3.1852 - 21.10.1923)
Wohnte Südstr. 14 (1897), Zumbrockstr. 18 (1903) und Südstr. 44. Mit 36 Jahren verstarb sie und hinterließ zwei minderjährige Kinder. Sie wurde in der Familiengruft auf dem jüd. Friedhof in MS begraben. Neben ihr wurde 13 Jahre später ihre Mutter, die außerhalb Münsters verstorben war, beigesetzt. Auf ihrem Grabstein befindet sich eine Gedenkinschrift für ihren im 1. WK gefallenen Sohn Arthur.

EHEFRAU (2. Ehe)
Aurelie geb. Klestadt
27.10.1880 Elberfeld - ca. Mai 1944 KZ Auschwitz
E: Moritz Klestadt u. Rosa geb. Oster
G: Ernst (* 13.5.1883 Elberfeld, emigrierte in die USA); Helene ∞ Fleischer, emigrierte in die USA; Hedwig ∞ Reisert, emigrierte in die USA
Wohnte mit ihrem Ehemann Jägerstr. 26, Hermannstr. 50 (1938) und bis zu ihrer Deportation am 31.7. 1942 in den ,Judenhäusern" Breul 15 und Am Kanonengraben 4. Am 28.3.1939 lieferte sie bei der städt. Leihanstalt Dortmund 84,5 g Goldschmuck ab und erhielt dafür einen Gegenwert von 138 RM. Für die Zwangsabgabe von 3 kg Silber wurden ihr 60 RM ausbezahlt. Sie und ihr Ehemann erhielten finanzielle Unterstützung durch ein nichtjüd. Kaufmannsehepaar, das ihnen auch die für Juden nicht mehr erreichbaren Gegenstände, wie z.B. Kleidung besorgte. Aurelie R. gab dem Ehepaar als Gegenwert einen Teppich aus ihrem Besitz. Auch sie hatte am 22.7.1942 vor ihrer Deportation den "Heimeinkaufsvertrag" mitunterzeichnet. Vom Ghetto Theresienstadt wurde sie am 16.5.1944 (Transport-Nr. Ea-0007) ins KZ Auschwitz verbracht und dort ermordet. Das Ehepaar wurde 1950 für tot erklärt.

KINDER (1. Ehe)
Arthur
20.10.1897 MS - gefallen 15.2.1918 Ypern/Flandern
... [siehe Textzitat oben] ...

Lotte (Lotte Errell)
2.2.1903 MS - 26.6.1991 München
Fotografin, Auslandsjournalistin. Besuchte die kath. Höhere Töchterschule von 1909 bis zum Einjährigen 1919. Sie heiratete 1924 in erster Ehe den Werbefotografen Richard Levy, der seinen Künstlernamen ,Errell" nach seinen Initialen "R.L." ausgewählt hatte. Die Ehe wurde am 6.3.1933 geschieden; er emigrierte später nach Palästina. Lotte E. war nach Mitarbeit im Werbeatelier ihres Mannes und autodidaktischem Erlernen der Fotografie als Fotojournalistin tätig. 1928/29 begleitete sie eine mehrmonatige Filmexpedition nach Westafrika und begann 1930 ihre Publikationstätigkeit mit Berichten und Fotos über diese Reise. Ihre weitere Arbeit konzentrierte sich bis zu ihrer Emigration Mitte der 1930er Jahre auf die Produktion von Reisereportagen in Illustrierten. Ihr größtes Projekt (Fotos und Zeitschriftenartikel, Ausstellung der Fotos in Berlin) war eine Reise für den Ullstein-Verlag nach China 1932/33. Sie unternahm 1934 eine Reportagereise für "Associated Press" als Begleitung des schwedischen Kronprinzen Gustav Adolf in den Iran. Wegen Spionage-Verdachts wurde sie dort eine kurze Zeit inhaftiert. Ende 1934 erreichte sie im Irak die Nachricht von ihrem Ausschluß aus dem "Reichsverband Deutscher Schriftleiter" aufgrund ihrer jüd. Herkunft, wodurch eine weitere Arbeit in Deutschland unmöglich wurde. Sie verblieb daraufhin als Emigrantin im Irak und heiratete am 26.4.1935 in zweiter Ehe den Urologen Dr. med. Herbert Sostmann, der bereits vor 1933 als Chefarzt im "Meir Elias Hospital" in Bagdad tätig war. Sie unternahm noch mehrere Fotoreisen und war außerhalb Deutschlands journalistisch tätig: 1936 im Libanon und in Syrien, 1937 in Österreich, in Frankreich, in der Tschechoslowakei und in den Niederlanden mit Kurzbesuch bei ihren Eltern in MS. 1938 sollte sie im Auftrag des Magazins LIFE die Hochzeit des iranischen Kronprinzen Schah Reza Pahlewi mit der Prinzessin von Ägypten aufnehmen, das Projekt konnte aber wegen Visaschwierigkeiten nicht durchgeführt werden. 1939 wurde sie bei Kriegsausbruch eine kurze Zeit im Irak interniert. Ihr Versuch, 1941 in die USA zu emigrieren, scheiterte aufgrund des Kriegseintritts der USA im Dezember 1941. Wegen des Verdachts der Nazi-Spionage aufgrund ihrer Kontakte zu deutschen Diplomaten im Irak wurde sie 1941 verhaftet. Am 27.11.1941 wurde ihr die deutsche Staatsbürgerschaft entzogen. Als Angehörige eines feindlichen Staates wurde sie am 4.7.1942 im Irak interniert und an die britische Militärbehörde ausgeliefert. Daraufhin wurde sie über Palästina und Kenia nach Uganda verbracht (alles Regionen unter britischer Verwaltung). Im Februar 1943 fand ihre Überführung in ein Internierungslager bei Entebbe (Regierungssitz in Uganda) statt. Seit dem 7.2.1944 konnte sie als Sekretärin für die Regierung arbeiten und wurde im Mai aus dem Internierungslager entlassen. Sie kehrte im November 1944 nach Bagdad zurück. Kurz nach Ende des 2. WK hielt sie sich in Palästina auf. 1946 wurde ihr Gesuch um Immigration in die USA abgelehnt. Sie kehrte zwischen 1954 und 1957 mit ihrem Ehemann, der dann als niedergelassener Arzt in München tätig wurde, aus dem Irak nach Deutschland zurück und gab die Fotografie aus gesundheitlichen Gründen auf. Ihr Mann verstarb zehn Jahre vor ihr am 2.5.1981 in München. Ihr fotografischer Nachlaß gelangte in das Folkwang-Museum Essen, wo einige ihrer Werke 1994 in einer Ausstellung präsentiert wurden.


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