L108 Heimbach, Julie
 07.07.1848 - 07.06.1914

Hier ruht meine liebe Frau
unsere herzensgute Mutter
Julie Heimbach, geb. Löwenstein
geb. 7.7.1848
gest. 7.6.1914

Hier ruht die beste aller Mütter.
Es war unsere Mutter.
Ruhe sanft!

aus: Gisela Möllenhoff / Rita Schlautmann-Overmeyer, Jüdische Familien in Münster 1918 – 1945. Teil I Biographisches Lexikon, Münster  ²2001

S.176
HEIMBACH
Julie geb. Löwenstein

7.7.1848 Ibbenbüren - 7.6.1914 MS
E: Levi Löwenstein u. Henriette geb. Sander
Kam nach ihrer Eheschließung nach MS und wohnte Hollenbeckerstr. 10. Sie schenkte 13 Kindern das Leben. 1898 war sie Mitglied des "Israelitischen Frauenvereins" in MS. Ihr Grab befindet auf dem jüd. Friedhof in MS.

S.175-178
HEIMBACH
Isidor (Isaack)
6.8.1851 Laer/Steinfurt - 16.3.1927 MS
E: Moses Heimbach, Metzger in Laer, (* 26.6.1814 Laer/Steinfurt) u. Regina geb. Miltenberg (1.5.1824 Amelsbüren - 14.7.1916 MS)
G: David (* 20.5.1850 Laer); Herz (* 1.1.1853 Laer); Nathan-Heinemann (* 20.11.1854 Laer - 25.9.1942 Ghetto Theresienstadt); Sigmund-Samuel (23.8.1856 Laer - 20.8.1942 Ghetto Theresienstadt); Johanna (* 22.11.1857 Laer); Ida ∞ Platz (* 2.12.1858 Laer); Emma (* 11.2.1861 Laer); Leonhard (25.11.1862 Laer - 11.10. 1942 Ghetto Theresienstadt); Jacob-Julius (* 4.12. 1864 Laer); Benjamin-Bernard (* 22.8.1866 Laer); Salomon gen. Louis (27.2.1869 Laer - 21.9.1942 Ghetto Theresienstadt)
Metzger, später Viehhändler. Zweites von zwölf Kindern des Fleischers Moses Heimbach in Laer. Er zog mit 23 Jahren am 19.1.1875 nach MS und erwarb nach Zahlung von 28,50 M 1879 das Bürgerrecht. Anfangs wohnte er zur Miete in der Buddenstr. 13, konnte jedoch bereits um 1877 das Haus Hollenbeckerstr. 10 erwerben. Infolge prosperierenden Handels wurde er 1910 ins Handelsregister eingetragen. Seine Söhne Louis  und Max traten 1914 bzw. 1925 in das Geschäft ein. Isidor H. gehörte der ,Abendgesellschaft des Zoologischen Gartens" an und war seit 1893/94 Mitglied im "Verein zur Abwehr des Antisemitismus". Von 1887 bis mindestens 1917 engagierte er sich als Repräsentant für die Belange der Synagogengemeinde. 1901 lebte seine verwitwete Mutter in der Familie und starb hochbetagt im Alter von 92 Jahren an Altersschwäche. Isidor H. verstarb mit 76 Jahren und wurde auf dem jüd. Friedhof in MS neben seiner Ehefrau begraben. Seine Kinder lebten zu dem Zeitpunkt u.a. in Hamburg, Düsseldorf, Köln, Hannover und Leipzig.

EHEFRAU
Julie geb. Löwenstein
7.7.1848 Ibbenbüren - 7.6.1914 MS
... [siehe Textzitat oben] ...

KINDER
Johanna
11.11.1875 MS - KZ Auschwitz
Geboren in MS, Buddenstr. 13, aufgewachsen Hollenbeckerstr. 10. Sie heiratete am 28.5.1898 in MS den Bildhauer Friedrich Carl Nöll (* 17.7.1874 Krefeld, ev.). Verzog mit ihrem Ehemann in dessen Wohnort Düsseldorf, wo der Sohn Ludwig am 12.8. 1898 geboren wurde. Nach der Scheidung kehrte sie nach MS zurück und heiratete am 5.4.1902 in zweiter Ehe den Metzger und Viehhändler Salomon Meyer (* 20.4.1869 Richrath/Solingen), mit dem sie am 17.4.1902 nach Richrath verzog. Zwei Kinder, Max (* 25.12.1902) und Henny (* 30.4.1904 ?), entstammten dieser Ehe. Der Ehemann, dessen Wohnsitz Diepholz war, verstarb am 9.2.1910 im Alter von 40 Jahren in MS, der Sohn Max, Kaufmannslehrling, mit 15 Jahren am 1.3.1918 im Clemenshospital. Beide wurden auf dem jüd. Friedhof in MS beigesetzt. Zu späterem Zeitpunkt verzog Johanna M. nach Hamburg. Von dort wurde sie am 19.7.1942 nach Theresienstadt deportiert und 1944 in Auschwitz ermordet. Am 6.2.1950 wurde sie vom Amtsgericht Hamburg für tot erklärt.

Mathilde ∞ PERLSTEIN, David
23.11.1876 MS - Ghetto/KZ Riga

Louis
* 18.12.1877 MS, emigrierte in die USA
Viehhändler. Wuchs im elterlichen Haus, Hollenbeckerstr. 10, auf und trat in die beruflichen Fußstapfen des Vaters. Gründete am 3.7.1903 mit Frieda geb. Platz aus Zons bei Neuss (* 9.12.1876), Tochter des Handelsmannes Jonas Platz und seiner Ehefrau Ester geb. Jonas, eine eigene Familie und wohnte Münzstr. 4 (1908), Steinfurter Str. 10 (1911) und Breul 29 (1915). Drei Söhne und eine Tochter wurden in MS geboren, Otto (14.4.1904 - Februar 1992 USA), Arthur (* 3.10.1905), Ludwig (* 6.1. 1908) und Else (* 22.10.1909). Die Familie verzog am 8.8.1918 nach Bremen und emigrierte am 2.10.1933 nach Belgien. Der älteste Sohn Otto gelangte inmitten der Wirren des 2. WK in die USA. Er gründete die Fa. "Decor Flocking Corp." (1956), die Beflockungshandgeräte verkaufte. Er machte die Technik der Beflockung mittels Gleichstrom bekannt. Er gilt als "Vater der Flausch-Herstellung" in den USA. Daher wurde er "Mr. Flock" genannt. Er hatte u.a. die Puppen der Muppets Show eingekleidet, die seine Flauschware weltberühmt machten. Er war bis zum 85. Lebensjahr in seinem Beruf tätig.

David
* 26.4.1879 MS
War vom 15.5.1890 bis zum 1.5.1891 in Nottuln, anschließend zur Ausbildung als "Commis" in Borbeck (1893) und Hildesheim (vor 1900). Seine militärische Ausbildung erhielt er im Alter von 21 Jahren. War 1904 Kaufmann in Mainz und Trauzeuge bei der Heirat seiner Schwester Sophie. Zwischen 1906/07 war er wieder in MS ansässig, verzog jedoch am 2.9.1907 nach Brakel/Kr. Höxter.

Sophie
14.11.1880 MS - 28.7.1942 Ghetto Minsk
Nach der Schulzeit war sie drei Monate (September - Dezember 1895) als Lehrmädchen in Osnabrück tätig und kehrte anschließend nach MS zurück. Heiratete am 28.5.1904 in MS den Viehhändler Hermann Ginsberg (* 21.3.1877 Varrel/Sulingen), Sohn von Meier Ginsberg und Rosette geb. Neublum (verstorben vor 1904 in Varrel). Sophie G. wurde von Bremen aus deportiert und kam am 28.7.1942 in Minsk um.

Julius
* 27.2.1882 MS
Kaufmann, Hollenbeckerstr. 10 und Meppener Str. 27. Verzog am 27.9.1909 nach Leipzig. Beantragte am 4.1.1939 den Zusatznamen "Israel". War vermutlich mit Hedwig geb. Reichenbach (* 19.5.1888 Ballenstedt/Harz) verheiratet.

Jettchen (Henriette)
21.3.1883 MS - 28.7.1942 Ghetto Minsk
Kam mit 15 Jahren in ein Pensionat nach Osnabrück (18.5.1898 - 1.10.1899), kehrte anschließend ins elterliche Haus zurück und heiratete am 20.8.1909 in MS den Viehhändler Hermann Ginsberg (* 8.7. 1885 Großendorf/Rahden), Sohn des Viehhändlers Louis Ginsberg und Jenni geb. Berghausen. Beide wurden von Bremen nach Minsk deportiert und am 28.7.1942 ermordet.

Bernhard
* 7.12.1884 MS, emigrierte 1939 nach Belgien
Viehhändler. Wohnte bis zum Wegzug nach Düsseldorf-Gerresheim am 3.4.1914 auf der Hollenbeckerstr. 10. Er war verheiratet mit Regine Meyer aus Krefeld (* 24.6.1891) und lebte mit ihr und den beiden dort geborenen Töchtern Margot (* 6.5.1915) und Lore (* 22.4.1921) in Düsseldorf, zunächst Rheinstr. 22, dann im Eigentum Sonnbornstr. 50, wo er einen Viehhandel betrieb. Im Oktober 1936 wurde er eine Woche inhaftiert. Man warf ihm vor, er habe "unzulässiger Weise Handel mit Vieh und Fleisch auf eigene Rechnung ausgeübt". Ihm wurden darüberhinaus "Wucherpreise" unterstellt. Nach seiner Entlassung wurde ihm die Handelserlaubnis entzogen und 1937 ein Paßantrag abgelehnt. 1938 verkaufte er sein Eigentum in Gerresheim und flüchtete mit einem auf sechs Monate befristeten Paß nach Brüssel. Seine Ehefrau lebte mit der Tochter Lore seit dem 30.9.1938 in ihrer Geburtsstadt Krefeld, wo auch Bernhard H. offiziell gemeldet war, und konnte Ende Mai 1939 nach Brüssel entkommen. 1940 wurde Bernhard H. ausgebürgert und sein Vermögen beschlagnahmt.

Paula    
13.11.1886 MS - 13.4.1913 Dortmund
Wuchs im elterlichen Haus, Hollenbeckerstr. 10, auf. Verlobte sich Weihnachten 1909 mit dem Kaufmann Paul Wolfstein (* 14.2.1882 Warburg), Sohn von Israel Wolfstein und Rosa geb. Münchhausen in Dortmund. Die Heirat fand am 3.3.1911 in MS statt. Ihr Umzug nach Dortmund erfolgte 1912. Sie verstarb im Kindbett und wurde mit ihrem Sohn auf dem jüd. Friedhof in MS begraben.

Max
2.12.1887 MS - KZ Auschwitz

Alfred
* 7.5.1889 MS
Viehhändler. Leistete bis zum 1.1.1911 eine einjährige Dienstzeit ab und kehrte danach nach MS zurück. Er verzog am 10.5.1916 nach Diepholz.

Else
6.2.1891 MS - 14.3.1892 MS
Ihr Grab befindet sich auf dem jüd. Friedhof in MS.

Wilhelm
1.4.1893 MS - 12.11.1914 vermißt
Kaufmännischer Angestellter (Commis). Wuchs Hollenbeckerstr. 10 auf. Von Januar 1909 bis 1.4. 1911 besuchte er die kaufmännische Handelsschule in MS. Seine berufliche Fortbildung setzte er 1912 in Köln fort, kehrte bei Ausbruch des 1. WK (6.8. 1914) nach MS zurück und wurde im September 1914 eingezogen. Diente als Kriegsfreiwilliger (?) im Infanterie-Regiment Nr. 226. Seit dem 12.11. 1914 gilt er als vermißt.

 


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