L70 Baer, Berta
 25.07.1869 - 21.07.1934

Salomon Baer
geb. 31. Juli 1858
gest. 18. Juli 1922
Berta Baer
geb. Heine
geb. 25. Juni 1869
gest. 21. Juli 1934

 

aus: Gisela Möllenhoff / Rita Schlautmann-Overmeyer, Jüdische Familien in Münster 1918 – 1945. Teil I Biographisches Lexikon, Münster  ²2001

S. 59
BAER
Bertha geb. Heine

25.7.1869 Bielefeld (?) - 21.7.1934 Weeze/Geldern
E: Aron Heinemann Heine, Schildesche, u. Pauline geb. Merfeld (* 3.1.1830 Bielefeld)
G: Henriette ∞ Baer (29.11.1859 Bielefeld - 20.9.1942 Bielefeld)
Sie wohnte seit ihrer Übersiedlung von Laer nach MS um 1896 in der Hammer Str. 67d bzw. 94. Seit Beginn der NS-Diktatur und der Parteiaufmärsche, die sich in der Nähe der Wohnung formierten, hielt die Familie Baer nach Erinnerung ehemaliger Nachbarn Fenster und Türen verschlossen. Bertha B. weilte zu Besuch bei ihrer in Weeze verheirateten Tochter Paula, als der Tod sie am 22.7.1934 ereilte. Laut Todesanzeige waren zwei Kinder zu diesem Zeitpunkt bereits nach London und Südafrika emigriert. Sie wurde neben ihrem Ehemann auf dem jüd. Friedhof in MS bestattet.

S. 59-61
BAER
Salomon    
31.7.1858 Laer/Steinfurt - 18.7.1922 Bad Neuenahr
E: Baer Baer, Handelsmann, (* 16.9.1816 Laer/Steinfurt) u. Regine geb Rosenberg (* Ahlen ?)
G: Abraham (31.3.1854 Laer - 15.11.1942 Bielefeld); Caroline (* 8.6.1860 Laer); Hermann (25.2.1864 Laer - 14.8.1942 Ghetto Theresienstadt); Sara ∞ Heine (11.6.1867 Laer - 24.3.1940 Bielefeld); zwei frühverstorbene Geschwister
Pferdehändler. Von Laer um 1896 nach MS verzogen. Wohnte Hammer Str. 67d (1896 - 1905) und Hammer Str. 94, wo sich Wohnung und Stallungen befanden. Er war 1919 im Handelsregister in der Steuerklasse I eingetragen. 1922 verstarb er in Bad Neuenahr, wo er nach längerer tückischer Krankheit Genesung erhofft hatte. Seine beiden ältesten Söhne übernahmen die Pferdehandlung, doch machte sich sein Sohn Albert 1927 in Dortmund selbständig. Salomon B. fand sein Grab auf dem jüd. Friedhof in MS.

EHEFRAU
Bertha geb. Heine
25.7.1869 Bielefeld (?) - 21.7.1934 Weeze/Geldern
... [siehe Textzitat oben] ...

KINDER
Bernhard    
1.6.1896 MS - ca. 1968 Bolivien
Vertreter, Pferdehändler. Hatte seit dem 1.12.1929 eine Textilvertretung und meldete danach einen Pferdehandel im elterlichen Eigentum Hammer Str. 94, dann Augustastr. 45 an, der zum 31.12.1938 amtlich abgemeldet wurde. Als ehemaliger Soldat im 1. WK erhielt er am 3.11.1934 das "Ehrenkreuz für Frontkämpfer". 1938 war es aus nicht bekanntem Grund zu einem Rechtsstreit zwischen ihm und einem Autohändler in der Hammer Str. 94/96 gekommen, der mit einem Vergleich endete. Zur "Abwendung des Arrestes" hatte er eine Kaution von 30 RM hinterlegt. Die Emigration von Antwerpen/Belgien nach Viacha/Bolivien glückte im November 1938. Er war verheiratet mit Hilde Terhoch (* 15.11. 1911 Beckum), die von ihrem Geburtsort über Wiesbaden nach Bolivien geflohen war. Das Ehepaar hielt sich anfangs mit der Vermietung möblierter Zimmer über Wasser. Bernhard B. verstarb ca. 1968, seine Witwe lebte 1995 in Cochabamba/Bolivien.
Albert    
7.6.1897 MS - 27.8.1943 KZ Auschwitz
Wuchs Hammer Str. 94 auf und besuchte bis 1907 die jüd. Volksschule in MS, danach die Mittelschule bis zur Quarta. Er war im väterlichen Pferdehandel bis zur Einberufung zum Wehrdienst und nach dem 1. WK tätig. Im Mai 1926 gründete er die Fa. Gebr. Baer zusammen mit seinem Bruder Walter, die Anfang Juni 1927 eingestellt wurde. Danach verlegte er seinen Wohnsitz nach Dortmund und machte sich 1927 mit einer Pferdehandlung selbständig. Während der NS-Zeit erfolgte eine Denunziation der Konkurrenz wegen angeblichen Betruges. Da ein Haftbefehl erlassen worden war, flüchtete er am 5.3.1939 in die Niederlande, nachdem er sich mit der Bitte um Unterstützung an das jüd. Flüchtlingskomitee in Amsterdam gewandt hatte. Er wurde bereits am 11.3.1939 aus dem Deutschen Reich ausgebürgert und war damit staatenlos. Wurde von Westerbork am 24.8.1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.
Walter    
25.3.1901 MS - Argentinien
Pferdehändler. Nach Besuch der jüd. Volksschule in MS stieg er in die väterliche Pferdehandlung ein. Nach dem Tod seines Vaters 1922 betrieb er diese seit Mai 1926 gemeinsam mit seinem Bruder Albert, nach dessen Ausscheiden ein Jahr später selbständig mit einem Kommissionsgeschäft. Engagierte sich 1931 für die Gründung eines Angestellten-Ausschusses der C.V.-Ortsgruppe MS. Mitte der 1930er Jahre wohnte und arbeitete er Frie-Vendt-Str. 18, wo Jakob Mildenberg Haus und Stallungen besaß. Wie dessen Sohn Erich Mildenberg betrieb er seine Auswanderung nach Argentinien, die ihm am 31.8. 1938 glückte. Seine Ehefrau wohnte 1991 in Israel.
Else    
19.8.1899 MS - 23.8.1900 MS
Hildegard    
1.11.1902 MS - USA
Besuchte die kath. Mädchenmittelschule. Schloß am 10.7.1926 in MS die Ehe mit dem Kaufmann Hugo Weiß aus Lampertheim/Hessen (* 21.8.1898) und verzog vermutlich nach Köln, wo ihr Ehemann ansässig war. Sie konnte in die USA emigrieren und ist dort verstorben.
Käthe    
* 29.8.1904 MS, lebte in den Niederlanden
Schülerin der kath. Mädchenmittelschule. Sie konnte nach England emigrieren und lebte zuletzt als Käthe Hertz in den Niederlanden.
Paula
* 7.10.1905 MS
Besuchte die zweiklassige jüd. Volksschule in MS. Am 13.4.1929 schloß sie in MS die Ehe mit dem Kaufmann Heinrich Koopmann (* 14.11.1894 Weeze), den sie in Weeze/Geldern kennengelernt hatte. 1932 wurde eine Tochter geboren. Vermutlich konnte die Familie emigrieren.
Erna    
21.10.1907 MS - England
Besuchte die kath. Mädchenmittelschule von Ostern 1917 bis zur Mittleren Reife 1924. Engagierte sich 1931 für die Gründung eines Angestellten-Ausschusses der C.V.-Ortsgruppe MS. Am 3.6.1933 schloß sie die Ehe mit dem in Johannesburg geborenen Kaufmann Arthur Katz (* 21.3.1911). Da dieser in Nürnberg ansässig war, verzog sie vermutlich dorthin. Sie emigrierte nach England und ist dort verstorben.
Grete (eigentlich Luzie)
28.8.1910 MS - Südafrika
Sie war von Ostern 1919 bis Ostern 1921 auf der Vorschule des kath. Mädchen-Lyzeums und besuchte anschließend die kath. Mädchenmittelschule. Engagierte sich 1931 für die Gründung eines Angestellten-Ausschusses der C.V.-Ortsgruppe MS. Sie heiratete Carl (?) Seligmann und emigrierte mit ihm nach Südafrika, wo das Paar 1934 in Kapstadt lebte. Für Münsteraner Emigranten wie Heinz Uhlmann und Hermann Lohn war sie erste Anlaufstation im fremden Land.

aus: Korrigenda- und Ergänzungsliste zum Biographischen Lexikon, August 2001:
S. 3
Bernhard
Seine Ehefrau Hilde geb. Terhoch verstarb im April 1997.
Käthe
Kehrte nach 1945 für mehrere Jahre nach MS zurück und betrieb ein Geschäft in der Ludgeristr. Lebte zuletzt als Käthe Hertz in den Niederlanden.
Grete
28.8.1910 - ca. 1991 Südafrika


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