Grußwort von Sharon Fehr

© Foto: Peter Leßmann

© Foto: Peter Leßmann

Sehr geehrte Ministerin Frau Ina Scharrenbach,

nach der herzlichen Begrüßung durch unsere Vors. des Vereins zur Förderung des Jüdischen Friedhofs in Münster darf auch ich Sie namens unserer Jüdischen Gemeinde in Münster sehr herzlich willkommen heißen. In diesen Gruß beziehe ich ebenso unsere Regierungspräsidentin und Schirmherrin des Fördervereins, Frau Dorothe Feller, sehr herzlich mit ein, ebenso Frau Gisela Möllenhoff (Historikerin) und Bürgermeisterin a.D. Frau Karina Reismann als Mitglieder unseres Vereins zur Förderung des jüdischen Friedhofs und ebenso darf ich die Presse herzlich willkommen heißen.

Wir freuen uns, dass Ihr Besuch, sehr geehrte Ministerin, heute hier auf unserem Jüdischen Friedhof möglich wurde, nachdem die Coronapandemie die Planung Ihres Besuches wiederholt durchkreuzt hatte.

Dass wir heute hier stehen und Sie herzlich begrüßen dürfen geht sowohl auf das Engagement unserer Regierungspräsidentin als auch und insbesondere auf die Initiative und Verdienste von Frau Prof. Dr. Wacker und Herrn Ludger Hiepel, Vorstandsmitglied unseres Vereins und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Seminar für Zeit- und Religionsgeschichte des älteren Testaments an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster zurück. Mitte November 2017 wurde im Shalom-Gemeindesaal unserer Jüdischen Gemeinde Münster der „Verein zur Förderung des Jüdischen Friedhofs an der Einsteinstr. Münster“ gegründet. Zweck des Vereins ist die kulturelle, wissenschaftliche, instandhaltende und denkmalpflegerische Förderung unseres altehrwürdigen jüdischen Friedhofs in Münster.

Während dieses Festaktes waren Frau Professorin Wacker und Herr Ludger Hiepel bereits in der Lage, uns die Internet-domain www.juedischer-friedhof-muenster.de vorzustellen u.a. mit dem Ziel, die Ergebnisse ihrer wissenschaftlichen Dokumentation auch der breiten Öffentlichkeit von Münster und weit darüber hinaus zugänglich zu machen.

Mit den Forschungsarbeiten begannen Frau Marie Theres Wacker und Herr Ludger Hiepel bereits im Jahr 2012, also inzwischen fast vor 10 Jahren, so dass wir im nächsten Jahr ein 10-jähriges Jubiläum feiern können. Bis zur Aufnahme der gegenwärtigen Forschungsarbeiten gab es keine vollständige Dokumentation des jüdischen Friedhofs in der Einsteinstraße in Münster. Durch Ihre Arbeit und die Arbeit des Fördervereins als Ganzes wurde diese Lücke geschlossen mit dem doch sehr beachtenswerten Ergebnis, dass der jüdische Friedhof in Münster virtuell und nunmehr auch auf Dauer zu einem Ort der Geschichte werden konnte.

Hier wird den Verstorbenen gedacht und ihr Leben erzählt. So bleibt unser Jüdische Friedhof auch weiterhin das was er ist: Ein Ort der Ruhe, ein Ort des Friedens unserer Verstorbenen, ihnen ist hier ein ewig bleibendes Ruherecht gesichert.

Zum anderen (und hier liegt der große Spagat zwischen unseren jüdischen Religionsgesetz und der Wichtigkeit der wissenschaftlichen Forschungsarbeiten der Gegenwart -was Sie gemeinsam, liebe Frau Wacker und Sie, lieber Herr Ludger Hiepel, in guter Kooperation mit unserer Gemeinde und viel Sensibilität bisher prima meistern) ist unser altehrwürdiger jüdischer Friedhof in Münster ein bedeutender Denkmal geschützter Ort, der durch die zeitintensive wie mühevollen Transkriptionen der hebräischen Grabstein-Inschriften, deren Reinigung,   durch die  Inventarisierung und Dokumentation nebst öffentlicher Präsentation zu einer aus Stein gewordenen Erinnerungsstätte geworden, und zwar für das jüdische Leben in Münster einerseits als auch für das öffentliche Bewusstsein und nachfolgende Generationen in Westfalen, andererseits.

Wir wissen auch nicht, wie lange die Grabsteine mit ihren wunderschönen Deutsch-Hebräischen Inschriften den Witterungseinflüsse standhalten werden und nicht doch in einigen Jahr (חס וחלילה) verfallen werden. Hierin, in der virtuellen Sicherung des jüdischen Friedhofs einerseits und der Verbindung der Jüdischen Gemeinde Münster als Inhaberin des jüdischen Friedhofs mit der Bezirksregierung und Stadt Münster, ihren Behörden, Institutionen und Gesellschaften, andererseits liegt der große unschätzbare Wert der bislang ehrenamtlich geleisteten Arbeit des Vereins zur Förderung des altehr-würdigen Jüdischen Friedhofs in Münster und all derer, die bisher hieran mitgewirkt haben und noch mitwirken werden.

Aus dem 2. Jahrhundert nach der Zeitrechnung ist uns eine schöne Metapher überliefert: Rabbi Shimon unterrichtet seine Talmidim תלמדים über den Wert des Lebens und was wichtig ist im Leben zu erwerben. Drei Kronen gibt es, fährt der Rabbi fort. Die Krone der Thora, die Krone der Kohanim (der Priesterwürde) und die Krone des Königtums. Die Krone eines guten Namens (Shem tov  שם טוב) aber übertrifft sie alle.

Sie, liebe Frau Marie Theres Wacker und Sie, lieber Herr Ludger Hiepel, haben sich in unserer Jüdischen Gemeinde bereits heute schon einen guten Namen / einen Shem tov erworben.  Ihnen gebührt unser großer Dank und unsere große Wertschätzung.

Danken möchte ich auch unserem Mitglied des Vereins, Frau Gisela Möllenhoff. Sie nahmen viele Jahrzehnte Kontakt mit Überlebenden in aller Welt auf, sammelte Dokumente und Informationen. Am Ende erschien ein dickes dreibändiges Werk, das auch in unserer Jüdischen Gemeinde als Standardwerk zur jüdischen Geschichte in Münster zählt und für die wissenschaftliche Forschungsarbeit des Vereins zur Förderung unseres jüdischen Friedhofs zur unverzichtbaren Quelle wurde. Für ihre jahrzehntelange Arbeit wurde Ihnen, liebe Frau Gisela Möllenhoff und Ihrer Kollegin und Historikerin, Rita Schlautmann , mit der sie sich gemeinsam auf historische Spurensuche begeben hatten, 1999 völlig zu Recht das Bundesverdienstkreuz verliehen. Ihre Verdienste wurden dann auch mit der höchst seltenen Auszeichnung der Paulus-Plakette der Stadt Münster gewürdigt.

Liebe Chawerim, ich danke Ihnen und Ihnen allen für all das, was Sie bisher auf dem Gebiet jüdischen Lebens der Vergangenheit und Gegenwart leisteten und noch leisten werden. Ihnen, verehrte Ministerin, danken wir für Ihr Kommen und wünschen Ihnen noch viele schöne bleibende Eindrücke hier bei uns in Münster.

Herzlich SHALOM / Alechem / מי כל הלב שלי שלום אלכם

 

Sharon Fehr
Geschäftsführender Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Münster