L47 Steinweg, Johanna
 29.07.1880 - 10.01.1939

Jakob Steinweg
geb. 20. April 1871 gest. 13. Mai 1929
Frau
Paul Steinweg
29. 7. 1880
10.1.1939

 

aus: Gisela Möllenhoff / Rita Schlautmann-Overmeyer, Jüdische Familien in Münster 1918 – 1945. Teil I Biographisches Lexikon, Münster  ²2001

S. 445
STEINWEG
Hulda (gen. Johanna) geb. Neuhaus

29.7.1880 MS - 10.1.1939 MS
E: Hermann Neuhaus, Händler, (2.5.1829 Scheidingen/Werl - 19.7.1902 MS) u. Sara geb. Levi (20.8.1848 Herbern/Lüdighausen - 2.10.1922 MS)
G: Henriette ∞ Feuerherdt (*19.7.1868 Herbern, lebte 1899 in Ziesar/Magdeburg); Elise ∞ Neuhaus verw. Ringes (3.12.1870 Herbern - Ghetto Warschau); Bernhard (3.2.1873 Herbern - 22.8.1940 MS); Mathilde (* 19.7. 1875 Herbern); Max (16.3.1878 MS - 25.12.1934 Bochum); Rika-Frieda ∞ Thalmann (19.7.1883 MS - Ghetto Litzmannstadt/Lodz); Ella (2.6.1886 MS - Ghetto/KZ Riga)
Sechstes der acht Kinder des Händlers Hermann Neuhaus, der um 1878 von Herbern/Lüdinghausen nach MS zugezogen war. Zwischen 1905 und 1914 war sie in Berlin und Magdeburg ansässig. Im Jahre 1919 gehörte sie dem "Israelitischen Frauenverein" in MS an. Sie erlag im Alter von 58 Jahren einem Herzanfall und wurde auf dem jüd. Friedhof in MS begraben.

S. 445-446
STEINWEG
Paul  
30.7.1894 MS - USA
E: Salomon Steinweg (13.1.1863 Wickede - 13.5.1932 MS) u. Lina geb. Nathan (15.3.1865 Bornheim - 29.4. 1934 MS)
G: Siegfried (31.12.1889 MS - 27.11.1954 Israel); Samuel (5.7.1892 MS - gefallen 22.8.1914 Ethe/Belgien); Else ∞ Seelig (31.1.1897 MS - 26.10.1965 Israel); Meta ∞ Seelig (2.4.1899 MS - Ghetto/KZ Riga); Erna (14.9. 1901 MS - 14.10.1944 MS); Anna ∞ Kahn (* 5.6.1903 MS, lebte 1991 in Israel); Leo (11.6.1906 MS - Ende Februar 1945 KZ Flossenbürg)
Maler und Anstreicher, Händler. Wurde Sternstr. 53 geboren und wuchs im elterlichen Eigentum An den Bleichen 5 auf. Er war 1916 als Musketier im Krieg und erhielt für seinen Fronteinsatz am 30.5.1935 das "Ehrenkreuz für Frontkämpfer" verliehen. Seit der Familiengründung im Jahre 1916 und der Geburt der Tochter Margot 1919 wohnte er Averkampstr. 9 und betrieb von 1924 bis 1931 einen Zweigbetrieb der Rohproduktenhandlung seines Vaters am Dahlweg 2. Nach dessen Tod 1932 wohnte er im elterlichen Eigentum, auch als das Haus nach dem Tode der Mutter im Jahre 1934 verkauft worden war. Im Juli 1937 erfolgte sein Umzug zur Geiststr. 98 in das Haus von Hugo Hertz, von dort in das Elternhaus seiner Frau, Jüdefelderstr. 14. Dort verstarb seine Ehefrau plötzlich. Während die Emigration seiner Tochter Margot nach England vorbereitet wurde, erhielt er die kurzbefristete Ausreisegenehmigung nach Shanghai/China. Er verließ Deutschland Hals über Kopf am 15.6.1939, ohne sich von allen Verwandten verabschieden zu können. Aus Shanghai erhielt seine Schwester Meta Seelig am 15.8.1939 die Nachricht, daß er eine Stellung als Patentzeichner gefunden habe. Er wohnte nach dem Krieg in San Francisco, war wiederverheiratet und in seinem alten Beruf als Anstreicher tätig.

∞ 15.9.1916 MS
EHEFRAU
Hulda (gen. Johanna) geb. Neuhaus
29.7.1880 MS - 10.1.1939 MS
... [siehe Textzitat oben] ...

KIND
Margot
25.11.1919 MS - 19.8.1942 KZ Auschwitz
Hausgehilfin. Wohnte Jüdefelderstr. 14. War anfangs bei sportlichen Aktivitäten des Sportclubs "Der Schild" in der RjF-Ortsgruppe MS aktiv. Als gute Leichtathletin belegte sie bei den Bezirks-Athletikmeisterschaften, Bezirk Westfalen, am 27.5. 1934 einen ersten Platz im 75 m-Lauf und im Dreikampf. Sie schloß sich ca. 1936 dem zionistisch ausgerichteten "Makkabi"-Sportverein an, dessen Treffen regelmäßig am Freitagabend (Shabbat) in Familien stattfanden. Vorträge über Geschichte und Landeskunde Palästinas wurden dargeboten und Hebräisch gelernt. Vor ihrer Auswanderung war sie im Haushalt von Siegfried Gumprich beschäftigt. Drei Tage vor Ausbruch des Krieges konnte sie als Haushaltshilfe nach England entkommen, der einzigen Möglichkeit 1939 mit Aussicht auf Erfolg, dem Naziregime zu entrinnen. Von dort kehrte sie in die Niederlande zurück, obwohl sie in England offiziell als Emigrantin registriert war. Auf welchem Wege und warum sie von London in die Niederlande zurückging, bleibt eine offene Frage. Sie wohnte 1942 in Amsterdam, Zuider Amstellaan 235, wurde bei einer der Razzien verhaftet, in das Sammellager Westerbork verbracht und am 15.7.1942 von dort nach Auschwitz deportiert. Als "arbeitsfähige" 22jährige wurde sie an der Rampe in Auschwitz zur Zwangsarbeit ausgesondert. Bereits einen Monat später starb sie am 19.8.1942 im "Krankenbau". Der Standesbeamte in Auschwitz beurkundete ihren Tod am 30.8.1942 mit der Todesursache "Rippenfellentzündung".

 


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