L44 May, Willy
 24.09.1879 - 10.01.1940

Willy May
geb. 24.9.1879
gest. 10.1.1940

 

aus: Gisela Möllenhoff / Rita Schlautmann-Overmeyer, Jüdische Familien in Münster 1918 – 1945. Teil I Biographisches Lexikon, Münster  ²2001

S. 291-293
MAY
Willi

24.9.1878 Warburg - 10.1.1940 Hannover
E: Israel May (6.5.1840 Herlinghausen - 1920 Warburg)
G: Clara ∞ Stahlberg, überlebte in den Niederlanden; Siegfried, emigrierte n. England; Josef (verstorben 1936 Niederlande); Mary ∞ Berg (2.9.1883 - 14.10.1944 KZ Auschwitz); Martha ∞ Kayser, emigrierte in die USA

Kaufmann, Getreidehändler. Kam aus einer streng traditionellen jüd. Familie und war Mitglied der jüd. Loge "Bne Briss". Er war Inhaber der Getreidefirma "S. May" in Warburg, die sein Großvater 1820 gegründet hatte. Er zog mit Frau und Sohn von Warburg am 9.10.1926 nach MS, nachdem seine Firma 1925 infolge der Inflation zugrunde gegangen war. Übernahm in MS die Filiale des Düsseldorfer Getreidegeschäftes Grüneberg, dessen Mitinhaber sein Bruder Josef war. Nach Schließung des Geschäftes war er vom 1.4.1929 bis zum 31.3.1938 als selbständiger Getreideagent in der Goebenstr. 36 bzw. Langenstr. 42 tätig. Wohnte Goebenstr. 35, dann 36 (1926, 1929) und 1938 Hafenstr. 29. Seit dem 30.6. 1938 lebte er zur Untermiete bei dem Ehepaar Carl und Henny Waldeck, Langenstr. 42, wo er versorgt wurde. Bis ca. 1936 war er Mitglied eines nichtjüd. Kegelvereins sowie eines Skatclubs. Seine Schwiegermutter unterstützte ihn finanziell nach der zwangsweisen Aufgabe seines Handels. Das Angebot seines Sohnes, ihn Anfang 1938 nach Argentinien zu holen, lehnte er mit der Begründung ab: "Einen alten Baum verpflanzt man nicht". Nach der Pogromnacht 1938 änderte er zwar seine Meinung, war aber schon zu krank um zu emigrieren. Da er sich zum Zeitpunkt der Anordnung vom 21.2.1939 "Alle Juden _ haben die in ihrem Eigentum befindlichen Gegenstände aus Gold, Platin oder Silber sowie Edelsteine und Perlen binnen zwei Wochen an die vom Reich eingerichteten öffentlichen Ankaufstellen abzuliefern", im Franziskus-Hospital befand und diese Frist nicht einhalten konnte, teilte sein Vermieter Carl Waldeck dieses unter Beifügung einer Bescheinigung des Krankenhauses dem Leihhaus in Osnabrück mit. Ihm wurde geantwortet, daß eine vorläufige Befreiung von der Abgabepflicht nicht möglich sei und: "Wir sind für die Erfüllung der gesetzl. Bestimmungen nicht verantwortlich, sondern Herr May selbst". Willi M. wurde bis November 1939 im Franziskus-Hospital MS behandelt, dann wurden jüd. Patienten entlassen, um Platz für Kriegsverwundete zu schaffen. Seit dem 17.11.1939 befand er sich im "Israelitischen Krankenhaus" in Hannover, wo er verstarb. Die Unterbringungskosten hatte seine Schwiegermutter getragen. Begraben wurde er neben seiner Frau auf dem jüd. Friedhof in MS.

EHEFRAU
Käthe geb. Lenzberg
30.10.1888 Lemgo - 5.7.1929 MS
E: Max Lenzberg, Bankier, (1.2.1860 Lemgo - 30.11. 1936 Lemgo), u. Mathilde geb. Hagemann (3.6.1867 Soest - 17.4.1943 Ghetto Theresienstadt)
G: Walter (10.12.1893 Lemgo - 20.8.1980 USA)
Sie stammte, im Gegensatz zu ihrem Ehemann, aus einer vollkommen assimilierten Familie in Lemgo, die dem "Verband nationaldeutscher Juden" (1920 von Max Naumann gegründet) nahestand. Ihr Vater war 25 Jahre lang Stadtverordneter, zeitweise Stadtratsvorsitzender in Lemgo und Mitglied der Industrie- und Handelskammer für Lippe. Käthe M. zog mit Mann und Sohn am 9.10.1926 von Warburg nach MS und wohnte u.a. Goebenstr. 36 (1929). Sie verstarb in der Universitätsklinik. Ihr Grab befindet sich auf dem jüd. Friedhof in MS.

KIND
Kurt
* 28.9.1914 Warburg, lebte 1995 in Deutschland
Kam am 9.10.1926 mit den Eltern von Warburg, wo er bereits in den 1920er Jahren mit dem Antisemitismus konfrontiert worden war, nach MS. Dort wohnte er u.a. Goebenstr. 36 (1929) und Hafenstr. 29. Sein Abitur bestand er 1933 auf dem Städt. Gymnasium und Realgymnasium MS. Er war Mitglied der C.V.-Ortsgruppe MS und eines jüdischen Jugendvereins. Aufgrund des "Gesetzes gegen die Überfüllung der deutschen Hochschulen" war es ihm nicht mehr möglich, in Köln Jura zu studieren. Trotz guter Beziehungen des Großvaters konnte auch keine angemessene kaufmännische Lehrstelle für ihn gefunden werden. Er ging am 1.5.1933 zunächst in die Schweiz, um in Lausanne ein Semester Französisch zu studieren. Absolvierte danach bis März 1934 ein Studium an der Handelshochschule "Ecole des Hautes Etudes Commerciales" in Paris. Ein Volontariat in einer Großmühle (Grands Moulins) in Marseille schloß sich von Juli 1934 bis Oktober 1935 an. Da eine Rückkehr nach Deutschland ausgeschlossen war und er in Frankreich ein argentinisches Visum erhalten hatte, wanderte er im Mai 1936 von Lissabon nach Argentinien aus. Seine Ersparnisse wurden mit einem Transferverlust von 90 % nach Argentinien transferiert. Zunächst fand er in Argentinien eine Anstellung in einer chemischen Fabrik(?). Im Juni 1936 meldete er sich "zur Erfüllung der aktiven Dienstpflicht" beim deutschen Konsulat in Buenos Aires und wurde bis zum 31.3.1938 zurückgestellt. Ein Jahr später erhielt er die Nachricht, daß er lt. Musterungsentscheid "weiterhin als überzählig zurückgestellt" sei. Nach Abendkursen in Spanisch und Stenographie erhielt er 1938 eine Stelle in einem Handels- und Industrieunternehmen, die er bis 1960 behielt, zuletzt als Geschäftsführer. Danach war er als selbständiger Vertreter für Haushaltswaren und Plastikartikel tätig. Nach seiner Auswanderung verfiel gemäß § 3 der 11. Verordnung zum "Reichsbürgergesetz" vom 25.11.1941 sein zurückgelassenes Vermögen zugunsten des Deutschen Reiches. Heiratete 1946 Edith geb. Holdheim, sein Sohn Claudio wurde am 10.4.1949 geboren. Er kehrte 1983 mit seiner Frau nach Deutschland zurück, da sich dort sein Sohn mit Familie aus beruflichen Gründen niedergelassen hatte.

aus:  Korrigenda- und Ergänzungsliste zum Biographischen Lexikon, August 2001

S. 12
MAY
Willi
KIND
Kurt
28.9.1914 Warburg - 18.7.2000 Bad Neuenahr

 


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