L41 Steinweg, Benjamin
 1859 - 1940

Benjamin
Steinweg
1859 - 1940

 

aus: Gisela Möllenhoff / Rita Schlautmann-Overmeyer, Jüdische Familien in Münster 1918 – 1945. Teil I Biographisches Lexikon, Münster  ²2001

S. 439-441
STEINWEG
Benjamin  
 
13.2.1859 Wickede - 30.3.1940 MS
E: Levi Steinweg (1.4.1828 Wickede - 4.7.1905 MS) u. Amalie geb. Rosenthal (10.3.1827 Oestrich bei Iserlohn - 21.5.1914 MS)
G: Selig (* 2.2.1857 Wickede); Carl (25.6.1861 Wickede - 21.5.1914 MS); Salomon (13.1.1863/4 Wickede - 13.5. 1932 MS); Moses (* 10.12.1866 Wickede); Henriette ∞ Levy (6.6.1869 Wickede - 31.3.1928 MS); Jacob (20.4. 1871 Wickede - 13.5.1929 MS)
Anstreicher, Rohproduktenhändler. Zweiter Sohn eines aus Wickede stammenden Anstreichers. War vorübergehend 1879 in MS gemeldet, zog jedoch in seinen Geburtsort zurück und gründete dort eine Familie. 1889 kehrte er nach MS zurück, wohnte 1891 Schillerstr. 55 und von 1892 bis 1897 Brinkstr. 17. Er betrieb einen Rohproduktenhandel und erhielt von 1891 bis 1897 aus der "Freiherrlich Amschel Mayer von Rothschildschen Stiftung" einen Unterstützungsbeitrag von 3 Mark. Er erwarb 1895 ein Grundstück in Delstrup im ehemaligen Amt St. Mauritz und wohnte 1909 im Eigentum Wolbecker Str. 134. Nach der Eingemeindung im Jahre 1903 und dem Ausbau des "Herz-Jesu-Viertels" wurde am 30.7.1912 ein Ortstermin zur "Feststellung der Entschädigung für das zum Ausbau der Ewaldistraße in MS zu enteignende oder dauernd zu beschränkende Grundeigentum" von Benjamin St. einberaumt. Es handelte sich um eine Fläche von 1 a 70 qm, die im Dezember 1912 abgetreten wurden. Benjamin St. war es vergönnt, auch während der NS-Zeit bis zu seinem Tod im Jahre 1940 in seinem Eigentum, das zum "Judenhaus" erklärt wurde, bleiben zu können. Nachdem er mehr als zehn Jahre Witwer gewesen war, verstarb er im Alter von 81 Jahren im Clemenshospital und wurde auf dem jüd. Friedhof neben seiner Frau beigesetzt.

∞ 30.8.1881 MS
EHEFRAU
Dora geb. Levi (Levy)
28.5.1858 Darfeld/Coesfeld - 5.10.1929 MS
E: Isaac Levi, Handelsmann, u. Jette geb. Rosenthal
Wohnte 1881 in MS, Schillerstr. 53/54 bei ihren Eltern und verzog nach ihrer Heirat mit ihrem Ehemann nach Wickede. Dort wurden vier Kinder geboren, vier weitere nach ihrer um 1889 erfolgten Rückkehr in MS. Sie wohnte zuletzt Wolbecker Str. 134 im Eigentum. Dort verstarb sie 1929 mit 71 Jahren, ihr Grab befindet sich auf dem jüd. Friedhof in MS.

KINDER
Henriette (Jettchen) ∞ GRÜNEBERG, Wilhelm
28.11.1881 Wickede - 6.1.1935 MS

Helene
14.12.1882 Wickede - 31.3.1930 Essen
Wuchs zunächst in Wickede, ab dem siebten Lebensjahr in MS auf. Mit 24 Jahren heiratete sie am 28.9. 1907 in MS den Kellner und Büffetier Hugo Cussel (* 28.6.1883 Unna), Sohn des Handelsmannes Karl Cussel und dessen Ehefrau Sophie geb Rosenthal, den sie in ihrem Elternhaus Wolbecker Str. 134 kennengelernt hatte. Mit ihrem Ehemann wohnte sie Ottostr. 11. Ihr erstes Kind Walter (* 31.7.1908 MS) verstarb nach 14 Tagen. Drei weitere Kinder, Bertha (* 17.7.1909), Leo (* 8.6.1910) und Henny (* 26.7. 1911), wurden in MS geboren. Am 22.2.1912 erfolgte der Umzug nach Essen, wo die Kinder Gerda (* 6.11.1912), Walter (* 17.6. 1914), Erich-Sally (* 17.11.1915) und Erna (* 10.7. 1918) zur Welt kamen. Helene C. verstarb in Essen im Alter von 48 Jahren. Ihr Ehemann wurde von Berlin aus ins Ghetto Kowno/Kauen (Litauen) deportiert und am 3.9. 1957 für tot erklärt. Ihre Töchter Bertha Fleckenstein und Henny Bödecker, die beide während der NS-Zeit in MS wohnten, überlebten das Arbeitslager Kassel bzw. das Ghetto Theresienstadt. Ihre Tochter Erna Cussel, die 1939 vorübergehend in MS lebte, kam im Ghetto Riga ums Leben. Ihr Sohn Leo, von Beruf Möbelschreiner, emigrierte 1936 in die Niederlande, floh von dort nach Frankreich, wurde im Lager Vernet interniert und über das Sammellager Drancy bei Paris in das KZ Auschwitz deportiert, das er nicht überlebte. Walter C. wurde von Düsseldorf ins Ghetto Minsk verschleppt und für tot erklärt.

Sally
19.10.1884 Wickede - 1.5.1944 KZ Riga-Kaiserwald

Adolf
8.1.1886 Wickede - ca. September 1944 KZ Riga

Wilhelm
22.4.1887 Wickede - Ghetto/KZ Riga
Kam als Kleinkind mit seinen Eltern nach MS, wohnte 1891 Schillerstr. 55, 1892 - 1897 Brinkstr. 17, schließlich Delstrup 173. Er wurde Stuckateur, heiratete Elise geb. Kaufmann (* 18.10.1887) aus Varste bei Olpe und hatte einen Sohn Leo (* 6.2. 1914), der in Dortmund geboren war. Von 1916 bis 1918 wohnte er in Rheine. Während des 1. WK hielt seine Frau sich mit dem Sohn zwischen dem 5.12. 1916 und dem 28.1.1918 bei den Schwiegereltern in MS, Wolbecker Str. 134, auf. Sie verbrachte ein weiteres Mal zwischen dem 7.3. und dem 15.6.1918 drei Monate in MS und kehrte dann nach Rheine zurück. Vermutlich war Wilhelm St. zu diesem Zeitpunkt zum Militär eingezogen. Ein "Wilhelm Steinweg" meldete am 1.1.1923 eine Schreibstube mit der Anfertigung schriftlicher Arbeiten für Salzstr. 30 an. Über die Identität bestehen Unklarheiten. Nach dem Tod seiner Ehefrau im Jahre 1940 heiratete er ein zweites Mal. Er wurde von Detmold aus in das Ghetto Riga deportiert und gilt als verschollen. Sein Sohn Leo, der vom Novemberpogrom bis zum 25.11.1938 inhaftiert war, wandte sich wegen einer vorübergehenden Aufenthaltserlaubnis an das jüd. Flüchtlingskomitee in Amsterdam. Er konnte mit seiner Frau Toni Soesmann, die er am 6.8.1938 in Detmold geheiratet hatte, im April 1939 nach Argentinien entkommen. Dort wurden die Kinder Miriam und Arnaldo geboren. Leo St. verstarb am 29.1.1982 in Buenos Aires. Seine Ehefrau lebte 1995 noch dort.

Louis (Ludwig)
9.9.1889 MS - Ghetto/KZ Riga
Maurer. Wohnte bis zum 30.5.1908 in MS, Wolbecker Str. 134, und verzog als 18jähriger nach Essen. War als wandernder Maurergeselle unterwegs und besuchte von nahegelegenen Orten wie Essen, Dortmund und Hamm jeweils für einige Wochen seine Eltern. Am 7.10.1915 heiratete er in Horstmar während eines Urlaubs vom Kriegseinsatz, den er in Trier ableistete, die Strickerin Rosa Cohen und wohnte nach dem Krieg in Horstmar. Von seinen acht Kindern, sechs Mädchen und zwei Jungen, wurden bis auf die beiden jüngsten alle in Horstmar geboren, dagegen Doris (* 1937) und Bilba (* 1939) in Krefeld. Das Ehepaar wurde mit vier Kindern in den Konzentrationslagern und "Kasernierungen" in Lettland in oder um Riga ermordet, alle gelten als "verschollen". Im Jahre 1959 erklärte sie das Amtsgericht Krefeld für tot. Die Kinder Paula (* 1913), Kurt (* 192?) und Walter (* 1926) lebten 1991 in den USA, Ruth (* 1924) in Israel.

Emma  
21.4.1891 MS - Durchgangslager Izbica
"Stütze". Wohnte mit ihren Eltern 1892 Brinkstr. 29, Ende des Jahrhunderts Wolbecker Str. 134, wo sie ihre Jugend im Herz-Jesu-Viertel verlebte. Sie schloß mit 21 Jahren am 11.1.1913 in MS die Ehe mit dem Bäcker Alfred Cussel (* 1.2.1886 Hamm), einem Bruder ihres Schwagers Hugo Cussel, und verzog mit ihm nach Essen, wo die Geburt der Zwillinge Siegfried und Leo (* 19.9.1913) erfolgte, während das zweite Zwillingspaar Erich und Walter am 21.3.1915 in MS geboren wurde. Die Familie war offensichtlich weiterhin in Essen ansässig, wo der Ehemann 1915 als Kellner beschäftigt war. Zur NS-Zeit war ihr Ehemann als Händler tätig und mußte schließlich Zwangsarbeit leisten. Die Familie wurde mit den vier Söhnen sowie der Ehefrau und dem Kind des Sohnes Erich am 22.4.1942 von Essen aus in das Durchgangslager Izbica deportiert.

Betty ∞ MARKUS, Isidor
3.5.1893 MS - 21.11.1934 MS

Julius (?)
5.9.1898 MS - 9.2.1921 MS
Metzger, ledig. Wohnte 1921 Wolbecker Str. 134 und verstarb mit 23 Jahren im Ev. Krankenhaus. Sein Grab befindet sich auf dem jüd. Friedhof in MS.

 


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