L33 Wolff, Therese
 14.04.1863 - 1942 KZ

Louis Wolff
geb. 4.11.1856
gest. 18.1.1930

Therese Wolff
geb. Moij
geb. 14.4.1863
gest. 1942
im KZ Theresienstadt

aus: Gisela Möllenhoff / Rita Schlautmann-Overmeyer, Jüdische Familien in Münster 1918 – 1945. Teil I Biographisches Lexikon, Münster  ²2001

S. 505
WOLFF
Therese geb. Moy

14.4.1863 Vreden - Ghetto Theresienstadt
E: Joel Moy (verstorben vor 1870 Vreden) u. Roosje/Rosalie geb. Cantor ∞ Oswald (19.12.1842 Ootmarsum/NL - 25.7.1889 MS)
Halbgeschwister: Betty Oswald (15.10.1870 MS - 18.3. 1958 Israel); Julius (* 27.4.1872 MS); Ida (15.6.1873 MS - 18.3. 1874 MS); Ludwig (2.3.1875 MS - USA); Helene ∞ Wolffs (29.3.1876 MS - KZ Treblinka); Selma  ∞ Marcus (2.8.1877 MS - KZ Auschwitz); Johanna (10.2.1879 MS - 25.3.1879 MS); Alfred (6.3.1882 MS - 20.3. 1970 Schweiz); Jenny (28.7.1884 MS - 24.8.1885 MS)
Sie wohnte vermutlich bereits vor 1876 in MS, wo ihre Mutter nach dem Tode des ersten Ehemannes (ihres Vaters) den Viehhändler Levy Oswald, Jüdefelderstraße, geheiratet hatte. Nachdem sie nach der Heirat nahezu 19 Jahre in Ascheberg verbracht hatte, zog sie am 4.2.1908 von Ascheberg nach MS, zunächst zur Scharnhorstr. 19, dann Südstr. 44. Im Jahre 1919 war sie Mitglied im "Israelitischen Frauenverein". Sie wurde nach dem Tod ihres Ehemannes Teilhaberin der Fa. "Wolff & Co." und Eigentümerin von drei Wohnhäusern in MS, die z.T. gleich zu Beginn der NS-Herrschaft im Verlauf des durch Boykottmaßnahmen und Machenschaften des Partners herbeigeführten Konkursverfahrens mitsamt dem persönlichen Eigentum verlorengingen. In der Pogromnacht wurde sie in der Wohnung Südstr. 44 durch einen Beilhieb verletzt und mit ihrer Schwiegertochter und dem Enkel im Badezimmer eingeschlossen, während in ihrem Haus der Mob alles kurz und klein schlug und ihrem Sohn Paul polizeiliche Hilfe verweigert wurde. Am 8.12.1938 wurde der Kaufvertrag getätigt, doch wurde der Verkauf des Hauses Scharnhorststr. 19 nicht genehmigt, da der Käufer kein Mitglied der NSDAP war. Der endgültige Verkauf erfolgte 1941. Sie hielt sich nach der Auswanderung ihres Sohnes entweder bei ihrer Halbschwester in der Achtermannstr. 7 oder bei ihrer Tochter Rosa in Berlin-Niederschönhausen, Platanenstr. 114, auf. Mit dem zweiten großen Alterstransport vom 14.9.1942 gelangte sie von Berlin nach Theresienstadt und kam dort um.

S. 504-505
WOLFF
Louis
4.11.1856 Ascheberg - 18.1.1930 MS
E: Samson Wolff u. Rika geb. Blumenthal
Kaufmann. Betrieb in Ascheberg Ackerbau, Viehzucht und einen kleinen Landhandel. Er kam nach dem Tod des ältesten Sohnes Fritz, der als Gymnasiast in Rheine an einer nicht erkannten Blinddarmentzündung starb, zur besseren medizinischen Vorsorge im Februar 1908 von Ascheberg nach MS und wohnte Mecklenbecker Str. 17 (heute Scharnhorststr.) Er betrieb seit September 1909 zusammen mit dem Halbbruder seiner Frau Alfred Oswald in der Salzstr. 37 die Fa. "Wolff & Co.". Von einem Restelager an Manufakturwaren vergrößerte sich die Firma in 24 Jahren zu einem führenden Textilunternehmen in MS. Seit Februar 1920 wurde der Im- und Export von Textilien von einem Kölner Büro aus getätigt. Die "Weissen Wochen" und Sommer- wie Winterschlußverkäufe waren Kundenmagneten, die auch das gesamte Umland anzogen, so daß häufig das Geschäft wegen Überfüllung geschlossen werden mußte. Nach dem 1. WK traten neben das Wäsche- und Stoffgeschäft eine Stepp- und Daunendeckenfabrik, Grevener Str. 167 (1923) und ein Gardinen- und Dekorationsgeschäft mit Teppichabteilung, Salzstr. 24 (1926), hinzu. Die Engrosabteilung belieferte u.a. Behörden, Krankenhäuser und Hotels. Er war Eigentümer der Häuser Brunnenstr. 15, Scharnhorststr. 19 und Südstr. 44. Sein Grab befindet sich auf dem jüd. Friedhof in MS.

∞ 30.4.1889 MS
EHEFRAU
Therese geb. Moy
14.4.1863 Vreden - Ghetto Theresienstadt
... [siehe Textzitat oben] ...

KINDER  
Fritz
ca. 1890/91 Ascheberg - vor 1908 Rheine
Besuchte in Rheine das Gymnasium und wohnte bei Verwandten. Verstarb an einer nicht erkannten Blinddarmentzündung.

Erika
15.4.1892 Ascheberg - 4.9.1953 USA
Lebte seit dem 14. Lebensjahr in MS, Scharnhorststr. 19. Sie heiratete in MS am 7.2.1918 den Rechtsanwalt Dr. Julius Winter (* 1.9.1887 Gelsenkirchen), Sohn des Kaufmanns Siegmund Winter und dessen Frau Wilhelmine geb. Bonn. Ihr Mann hatte in München, Berlin und MS (1909/10) studiert und war 1912 an der Univ. Erlangen promoviert worden. Erika W. zog drei Monate nach der Geburt ihres ersten Sohnes Paul (* 7.3.1919 MS) mit ihrem Ehemann nach Düsseldorf (3.6.1919), wo sie Humboldtstr. 50 wohnte (1936). Dort wurde der Sohn Rolf geboren (* 30.6.1928). Sie verzichtete 1936 zugunsten ihrer Mutter auf ihren Anteil am Gesamterbe des Vaters (drei Grundstücke, die alle belastet waren). Sie konnte mit ihrer Familie von Düsseldorf in die USA emigrieren.

Rosa
8.10./12.1895 Ascheberg - 1942 Ghetto/KZ Riga
Wuchs Mecklenbecker Str. 17 (heute Scharnhorststr.) auf, heiratete am 7.11.1920 in MS den Fabrikanten und Ingenieur Georg Herrmann (* 18.10. 1886 Rawitsch) und verzog mit ihm nach Berlin-Niederschönhausen, Platanenstr. 114. Während ihr Sohn Gangolf zunächst nach England, dann nach Kanada emigrieren konnte, gelang ihr die Flucht aus Deutschland mit ihrem Ehemann und der Tochter Ruth (* 27.10.1922 Berlin) nicht mehr. Sie wurde am 19.10.1942 mit dem 21. Osttransport von Berlin deportiert. Für tot erklärt wurde sie am 4.7.1952 vom Amtsgericht Berlin-Potsdam mit Todeszeitpunkt vom 31.12.1942.

Paul
21.7.1898 Ascheberg - 27.1.1976 MS

aus:  Korrigenda- und Ergänzungsliste zum Biographischen Lexikon, August 2001

S. 19
WOLFF
Louis
E: Samson Wolff (verstorben 18.10.1897 Ascheberg) u. Rika geb. Blumenthal (verstorben 5.10.1873 Ascheberg)
G: Nettges (*10.12.1854 Ascheberg); David Levy (*10.5.1858 Ascheberg); Bertha Levy Wolff (*19.5.1860 Ascheberg); Wilhelm Wolff (*27.8.1862 Ascheberg)

 


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