R163 Oswald, Julius
 

Dem Gedächtnis
unserer Geschwister
Helene Wolfs-Oswald
Selma Markus-Oswald
Julius Oswald

 

aus: Gisela Möllenhoff / Rita Schlautmann-Overmeyer, Jüdische Familien in Münster 1918 – 1945. Teil I Biographisches Lexikon, Münster  ²2001

S. 328
OSWALD
Julius

* 27.4.1872 MS

S. 327-329
OSWALD
Levy (Louis)
19.12.1840 Ibbenbüren - 8.4.1926 MS
E: Isaak Oswald u. Bertha geb. Nathan
Handelsmann (1875), Metzger, Viehhändler (1883). Bevor Juden 1847 feste Familiennamen annehmen mußten, nannte sich sein Vater Isaak Leffmann. Levy O. hielt sich zwischen 1864 und 1870 in Hannover, Telgte und Vreden auf. Von dort zog er am 7.3.1870 nach MS. Wohnte Jüdefelderstr. 51 (Eigentum, 1873 bis mindestens 1910) und Windthorststr. 13 (1926). Er betrieb einen Viehhandel und nebenher (?) seit dem 1.5.1887 ein Schuhwarenhaus Jüdefelderstr. 57. Nachdem seine Frau jung verstorben war, blieb er mit sieben Kindern zurück. Er verstarb im Alter von 85 Jahren, sein Grab befindet sich neben demjenigen seiner 37 Jahre früher verstorbenen Frau auf dem jüd. Friedhof in MS.

EHEFRAU
Rosalie (Roosje) verw. Moy geb. Cantor
19.12.1842 Ootmarsum/NL - 25.7.1889 MS
E: Leopold Cantor, Steuereinnehmer, u. Jettchen geb. Heimann
Sie hatte 1860 in erster Ehe Joel Moy geheiratet, der 1862 als "Höker" in Vreden tätig war und vor 1870 dort verstarb. Aus dieser Ehe stammte eine Tochter, Therese ∞ Wolff (* 14.4.1863). In ihrer zweiten Ehe schenkte sie neun weiteren Kindern das Leben, von denen einige im Kleinkindalter verstarben. Sie verstarb fünf Jahre nach der Geburt ihres letzten Kindes und wurde auf dem jüd. Friedhof in MS begraben. Ihre Tochter aus 1. Ehe kam im Ghetto Theresienstadt ums Leben.

KINDER
Betty (Bertha)
15.10.1870 MS - 18.3.1958 Israel (?)
Lehrerin. Sie kehrte am 19.4.1917 nach MS zurück und wohnte bis zum 31.3.1938 Windthorststr. 13, dann bis zu ihrer Auswanderung Achtermannstr. 7 (Eigentum). Sie war vermutlich Mitinhaberin der Stepp- und Daunendeckenfabrik Grevenerstr. 167, die der Ehemann ihrer Halbschwester Louis Wolff in den 1920er Jahren betrieb. Am 10.12.1938 verkaufte sie das Haus Achtermannstr. 7 fast zwei Drittel über Einheitswert. Sie hielt sich mit einem Touristenvisum seit dem 26.12.1938 in Palästina auf, das im August 1939 legalisiert wurde. Daraufhin wurden zur Zahlung der "Judenvermögensabgabe" Geldbeträge auf ihrem Konto gepfändet. Ihre Wohnungseinrichtung hatte sie einer Speditionsfirma in MS zur Einlagerung und Expedition übergeben. Am 25.6. 1941 wurde diese von der Gestapo beschlagnahmt und anschließend versteigert; ihre Vermögenswerte wurden eingezogen. Der Käufer ihres Hauses hatte sich bereit erklärt, ihrem Schwager und ihrer Schwester Siegfried und Helene Wolffs, die Wohnung in ihrem verkauften Haus zu den bisherigen Bedingungen auf fünf Jahre zu belassen. Beide mußten dann aber nach Erlaß des NS-Mietgesetzes in ein "Judenhaus" umziehen. Am 16.2.1941 beantragte die Gestapo MS die Ausbürgerung von Betty O..

Julius
* 27.4.1872 MS

Ida
15.6.1873 MS - 18.3.1874 MS

Ludwig
2.3.1875 MS - USA
Viehhändler. Wohnte Jüdefelderstr. 51. Verzog am 7.6.1902 nach Bremen. Heiratete Saline geb. Ries und hatte fünf Kinder Hans, Ernst, Fritz, Manfred und eine Tochter Ruth ∞ Kaufmann, die 1936 nach Frankreich auswanderte. Er wurde in der Pogromnacht am 10.11.1938 in Bremen verhaftet und emigrierte am 7.3.1940 von Bremen in die USA.

Helene ∞ WOLFFS, Siegfried
29.3.1876 MS - KZ Treblinka

Selma
2.8.1877 MS - KZ Auschwitz
Wohnte im Elternhaus, Jüdefelderstr. 51. Sie verzog nach ihrer Heirat am 1.4.1902 in MS mit dem Schneidermeister Hermann Marcus (* 27.7.1874 Hannover) nach Hannover. Dort wurden ihre beiden Töchter, u.a. am 31.12.1908 Rose-Gertrud, die 1964 in den USA lebte, geboren. Bevor Selma M. am 4.11. 1939 nach Belgien emigrierte, weilte sie mit ihrem Mann zu einem kurzen Besuch in MS. Sie wurde vermutlich mit ihrem Ehemann von Belgien ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Das Amtsgericht Hannover erklärte sie und ihren Mann 1951 für tot.

Johanna
10.2.1879 MS - 25.3.1879 MS

Alfred
6.3.1882 MS - 20.3.1970 Schweiz
Kaufmann. Seit dem 21.8.1909 war er zusammen mit Louis Wolff, dem Ehemann seiner Halbschwester Therese, Teilhaber der Textilfirma "Wolff & Co." in MS. Er wohnte u.a. Windthorststr. 13 (1928). Betrieb ein Restelager (1909), eine Manufakturwarenhandlung (1912) Salzstr. 37, zusätzlich einen (Orient)Teppichverkauf (1927) Salzstr. 24, und eine Steppdeckenfabrik (1932) Grevenerstr. 165/167. Am 12.12.1933 wurde ein Konkursverfahren gegen die Fa. "Wolff & Co." eingeleitet und am 30.12.1935 wurde sie aus dem Handelsregister gelöscht. Alfred O. wanderte 1933/34 in die Niederlande aus und gelangte von dort nach Palästina. Lebte 1957 in Israel und ist vermutlich später in die Schweiz übergesiedelt, wo er in Zürich verstarb.

Jenny
28.7.1884 MS - 24.8.1885 MS 

 


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