L30 Uhlmann, Gustav
 03.10.1874 - 18.07.1931

Gustav Uhlmann
geb. 3.10.1874 gest. 18.7.1931
Hedwig Uhlmann
geb. Rosenbaum
gest. im K. Z. Riga
Alice Uhlmann
geb. Alsberg
geb. 24.3.1901 gest. 9.4.1960

 

aus: Gisela Möllenhoff / Rita Schlautmann-Overmeyer, Jüdische Familien in Münster 1918 – 1945. Teil I Biographisches Lexikon, Münster  ²2001

S. 474-478
UHLMANN
Gustav    

3.10.1874 Hunteburg/Bohmte - 18.7.1931 MS
E: Meier Uhlmann (19.1.1844 Ovenhausen/Kr.Höxter - 3.5.1927 MS) u. Johanna geb. Katzenstein (18.1.1846 Hohenhausen/Lemgo - 2.11.1920 MS)
G: Lieschen ∞ Frankenberg, Wuppertal, (KZ verschollen); Jenny ∞ Abt (24.5.1877 Lemgo - KZ Auschwitz); Emil (1.5.1879 Lemgo - 7.11.1942 Ghetto Litzmannstadt/Lodz); Fritz-Siegfried (12.7.1881 Lemgo - ca. 1950 Israel); Greta ∞ Bach (?), Bad Oeynhausen, (KZ verschollen); Rudolf (22. 5.1892 Lemgo - 4.5.1972 Israel)
Getreidekaufmann. Zog als 35jähriger um 1910 nach MS, wo zwei seiner Brüder bereits einen Getreidehandel betrieben. Er wohnte 1910 zunächst Dodostr. 7, dann lange Jahre in der Herwarthstr. 11. Seit 1912 war er Mitinhaber der Getreide-, Lebensmittel- und Futtermittelgroßhandlung "Uhlmann Söhne", deren Kontor sich zwischen 1920 und 1935 in der Windthorststr. 13 und Bahnhofstr. 40 befand. Sein jüngerer Bruder Emil, Mitbegründer der Firma, schied 1926 aus dem Familienunternehmen aus. Nachdem Gustav U. 1931 im Alter von 57 Jahren verstorben war, nahm der 26jährige Sohn Fritz zeitweilig seine Stelle ein. Das Unternehmen wurde nach über 30jährigem Bestehen in MS am 27.12.1935 eingestellt. Von seinen sechs Geschwistern konnten sich nur zwei nach Palästina in Sicherheit bringen. Drei Schwestern und sein Bruder Emil kamen im KZ ums Leben.

EHEFRAU
Hedwig geb. Rosenbaum
22.10.1882 Immenhausen/Kassel - Ghetto/KZ Riga
E: Isaak Rosenbaum u. Johanna geb. Cohn
G: Franziska ∞ Alsberg (23.2.1877 Immenhausen - 1.8.1956 Israel); Erna ∞ Aronsohn, Berlin, (21.8.1881 Immenhausen - KZ Auschwitz)
Verkäuferin. Zog um 1910 mit Ehemann und zwei Söhnen nach MS, Herwarthstr. 11. Nachdem ihre Söhne kurz nach der "Machtergreifung" Hitlers nach Palästina emigriert waren, beantragte sie am 2.10. 1936 die Freigabe ihres Gesamtvermögens von 28.500 RM zum Transfer nach Palästina, um sich dort an einer Pension oder einem Geschäftsbetrieb ihrer Söhne zu beteiligen. Sie hatte sich vor diesem Zeitpunkt bereits mehrere Monate dort aufgehalten und besuchte ihre Söhne wiederum im Frühjahr 1937, kehrte jedoch abermals nach MS zurück. Nach dem Novemberpogrom 1938 mußte sie die "Buße" für einen Schaden zahlen, der den Juden durch die Inszenierung des "Volkszornes" zugefügt worden war. Ihr Konto unterlag 1939 der "Sicherungsanordnung", da die Devisenstelle den Verdacht hegte, sie würde zu ihren Söhnen nach Palästina auswandern und die Reichsfluchtsteuer unterschlagen. Von ihrem Sperrkonto erhielt sie 1939 eine monatliche Zuteilung von 200 RM zum Lebensunterhalt, ab 1940 150 RM, seit Oktober 1941 nur noch 100 RM. Nach dem NS-Mietgesetz vom 30.4.1939 mußte sie ihre Wohnung, in der sie fast 20 Jahre gelebt hatte, zwangsweise verlassen und wurde in das "Judenhaus" Hermannstr. 44 eingewiesen. Sie erhielt finanzielle Unterstützung durch Bekannte bzw. Verwandte. Ihre Auswanderungsbemühungen waren vergeblich. Am 13.12.1941 wurde sie ins Ghetto Riga deportiert, nachdem die letzten Wertsachen und die Wohnungsschlüssel der Gestapo übergeben worden waren. Für die Deportation hatte sie am 5.12. 1941 34 RM an "Transportkosten" eingezahlt. Ihr Restvermögen und ihre Möbel wurden zugunsten des Deutschen Reiches einbehalten. Als im Herbst 1943 das Ghetto in Riga aufgelöst und die "Arbeitsfähigen" in "Kasernierungen" gelangten, wurden die Alten und Kranken in Massenaktionen im Wald von Bikernieki ermordet. Hedwig U. wurde 1951 beim Amtsgericht MS für tot erklärt.

KINDER
Fritz
* 13.12.1906 Lemgo, lebte 1958 in Israel

[es gibt einen eigenen Eintrag zu Fritz, der hier im Folgenden zitiert wird:
S. 473
UHLMANN
Fritz
E: Gustav Uhlmann (3.10.1874 Hunteburg/Bohmte - 18.7.1931 MS) u. Hedwig geb. Rosenbaum (22.10.1882 Immenhausen/Kassel - Ghetto/KZ Riga)
G: Otto (ca. 1909 Lemgo - ca. 1985 Israel)
Kaufmann im Getreidehandel. War seit ca. 1910 in MS und wuchs Herwarthstr. 11 auf. Er hielt sich während seiner Ausbildungszeit vermutlich u.a. in Atlanta/USA auf. Wurde 1931 nach dem Tode seines Vaters Mitinhaber der Fa. ,Getreide- und Futter­mittel-Großhandel Uhlmann Söhne", bemühte sich jedoch bereits am 11.5.1933, über das britische Konsulat in Köln sowie die Auswandererberatungsstelle MS um die Emigration nach Palästina. Da er in seiner Branche dort kaum eine Zukunft hatte, hatte er sich schon in die Lederfabrikation praktisch wie kaufmännisch eingearbeitet, um gegebenenfalls dort einen Schuhhandel aufbauen und deutsche Artikel dorthin exportieren zu können. Die beabsichtigte schnellstmögliche Übersiedlung wurde durch den Ansturm von Ausreisewilligen nach dem April­boy­kott verzögert. Aus dem Getreidegeschäft schied er am 10.6.1933 aus. Im August 1933 wohnte er in Duisburg, Werrastr. 12, und emigrierte im November 1933 vermutlich von Duisburg aus nach Palästina. 1958 wohnte er in Rechovot/Israel.
∞ 12.8.1932 Duisburg
EHEFRAU
Liesel geb. Auerbach
* 19.5.1910 Duisburg
E: Karl Auerbach (8.9.1878 Duisburg - 6.9.1947 England) u. Helene geb. Kaiser (* 8.12.1887 Bad Wildungen)
Wuchs als Einzelkind in Duisburg, Werrastr. 12, auf. Ihr Vater war bis 1931 Teilhaber der Kolonial­waren­großhandlung ,Auerbach & Co.", schied dann aus und eröffnete einen Lebensmittelfeinkosthandel. Vermutlich verzog Liesel U. nach ihrer Heirat nach MS zum Antoniuskirchplatz 6. Ihr erster Sohn Hans wurde 1933 in MS geboren, doch war ihr Ehemann zu diesem Zeitpunkt in Duisburg gemeldet. Sie emigrierte mit ihrem Ehemann und dem Säugling im November 1933 nach Palästina.
KINDER
Hans (Ery)
* 17.8.1933 MS
Yehuda
* Palästina
hier endet der eingefügte Eintrag zu Fritz Uhlmann]
 

Otto
ca. 1909 Lemgo - ca. 1985 Israel
Wohnte 1933 in MS, Herwarthstr. 11, bei seiner Mutter und bemühte sich am 3.7.1933 wie sein Bruder Fritz um eine Emigration nach Palästina mit dem Ziel, dort einen Lederwarengroßhandel oder eine -fabrikation als Existenzgrundlage aufzubauen. Für die Auswanderung auf "Kapitalistenzertifikat" war ein Kapital von 1.000 Palästina-Pfund erforderlich, was einem damaligen Gegenwert von ca. 15.000 RM entsprach. Er konnte vermutlich um 1934 emigrieren.

 

aus:  Korrigenda- und Ergänzungsliste zum Biographischen Lexikon, August 2001

 

S. 18
UHLMANN
Gustav

KINDER (u. a.)
Otto
15.10.1908 Lemgo - ca. 1985 Israel
Da sowohl er wie sein Bruder Fritz bereits 1933 emigriert waren, unterstellte ihnen die Gestapo "Greuelmärchen" über Deutschland zu verbreiten.

 


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