R180 Goldenberg, Alfred
 29.05.1906 - 21.08.1970

פ''נ
Alfred
Goldenberg
29.5.1906
21.8.1970

 

aus: Gisela Möllenhoff / Rita Schlautmann-Overmeyer, Jüdische Familien in Münster 1918 – 1945. Teil I Biographisches Lexikon, Münster  ²2001

[Aufgrund der zeitlichen Begrenzung des Lexikons ist kein eigener Lexikoneintrag vorhanden. Unter folgendem Eintrag ist die Person genannt:]

S. 137-139
GOLDENBERG
Siegfried
12.8.1900 Oberhausen - 21.3.1980 MS
E: Joseph (Julius) Goldenberg u. Julie geb. Herrmanns (verstorben 10.11.1938)
G: Hermann (* ca. 1902 Oberhausen); Mali (* 14.11. 1903 Oberhausen); Alfred (?) (29.5.1906 Oberhausen - 21.8.1970) u.a.?
Metzger, "Tiefbauarbeiter". Legte 1924 vor der Handwerkskammer Dortmund die Meisterprüfung ab. Hatte in Bochum von 1925 bis zum 29.3.1933 ein Fleisch- und Wurstwarengeschäft betrieben. Nachdem das NS-Regime ihm verboten hatte, auf dem Wochenmarkt in Bochum seine Ware zu verkaufen, verzog er 1933 nach MS, Schulstr. 19, wo seine spätere Frau auch wohnte. In MS fand er für kurze Zeit eine Anstellung bei einem Metzger, bis ihm auch diese Tätigkeit untersagt wurde. Die Wohnung wurde in der Pogromnacht 1938 verwüstet. Da seine Mutter am 10.11.1938 verstorben war, wurde ihm trotz "Inhaftierungsaktion" erlaubt, zur Regelung der Hinterlassenschaft nach Bochum zu fahren. Nach diesen Ereignissen versuchte seine Schwester Mali, die seit 1928 in den Niederlanden lebte, vergeblich, für ihn mit seiner Familie und für seinen Bruder eine Einreisegenehmigung in die Niederlande zu erhalten. Eine Emigration nach Palästina erschien dem Ehepaar G. mit einem Kleinkind zu gefährlich zu sein. Am 4.10.1939 mußten sie mit Tochter in das "Judenhaus" Hermannstr. 44 umsiedeln. Siegfried G. leistete seit 1939 Zwangsarbeit beim Kanalbau in Hiltrup. Vor der Deportation am 13.12. 1941 nach Riga wurde die Familie von zwei Gestapobeamten, nachdem die Wohnräume verschlossen und ihre Habe zurücklassen worden war, aus ihrer Wohnung geholt und zur Sammelstelle in die Gaststätte "Gertrudenhof" gebracht. Vom Ghetto Riga wurde Siegfried G. über das KZ Kaiserwald-Meteor mit seiner Frau beim Vorrücken der sowjetischen Front 1944 per Schiff ins KZ Stutthof bei Danzig verbracht. Von dort wurde er einige Zeit später, am 16.8.1944, zusammen mit 500 Schicksalsgenossen, unter ihnen die Münsteraner Wilhelm Grüneberg, Rudolf Gumprich und Willi Mildenberg, ins KZ Buchenwald überstellt. Er befand sich dann im Außenlager Rehmsdorf. Die Häftlinge mußten in den Brabag-Werken (Braunkohle und synthetisches Benzin) Zwangsarbeit leisten. Von dort wurde er beim Herannahen der amerikanischen Truppen per Fußmarsch bzw. in Viehwaggons ins Ghetto Theresienstadt verschickt, wo er am 8.5.1945 von sowjetischen Truppen befreit wurde. Er kehrte nach dem Krieg nach MS zurück und engagierte sich beim Wiederaufbau einer neuen jüd. Gemeinde in MS. Bis zur Wiedererrichtung der Marks-Haindorf-Stiftung stellte er in seiner Wohnung einen Raum für den Gottesdienst zur Verfügung. Seit 1946 war er 30 Jahre lang Gemeinde-Vorsitzender. Nach der NS-Zeit wohnte er mit seiner Ehefrau Prinz-Eugen-Str. 39 und Am Kanonengraben 4. Er betrieb eine Fischhandlung. 1975 wurden ihm und seiner Frau für ihre Verdienste um den Wiederaufbau der münsterischen jüd. Gemeinde die Paulus-Plakette der Stadt MS verliehen. Sein Grab befindet sich auf dem jüd. Friedhof in MS.

 ∞  28.2.1930 Essen
EHEFRAU
Else geb. Wertheim
30.8.1903 Nottuln - 15.10.1979 MS
E: David Wertheim (1864 Borken - 5.2.1908 Nottuln) u. Rosalie geb. Rose (13.10.1870 Haaren/Büren - 16.1. 1935 MS)
G: Margarethe ∞ Marcus (27.6.1900 Nottuln - KZ Auschwitz); Hans (* 30.7.1902 Nottuln, emigrierte n. Palästina); Friederike ∞ Jaeckel (*1.8.1905 Nottuln, lebte 1995 in Deutschland); Anna ∞ Levy (*22.10.1907 Nottuln, emigrierte nach Palästina)

Verkäuferin, Korsettnäherin, Geschäftsführerin. Sie absolvierte eine dreijährige Lehre in einem Textil- und Kürschnereibetrieb in Meschede. Anschließend erfolgte eine Weiterbildung in der Korsett- und Bandagenanfertigung. Sie lebte seit dem 1.1.1928 in MS und arbeitete als Geschäftsleiterin im Korsettgeschäft "Helene Davids & Co." (Inh. u.a. Rosa Marcus), Prinzipalmarkt 37; sie war am Umsatz beteiligt. Die in Aussicht gestellte Einsetzung als Teilhaberin kam aufgrund der Demolierung und des Zwangsverkaufs des Betriebes nach der Pogromnacht 1938 nicht mehr zustande. Mit Tochter und Ehemann wurde sie am 13.12.1941 von MS nach Riga deportiert und kam später ins KZ Kaiserwald-Meteor. Als sie eines Tages von der Arbeit zurückkehrte, war ihre Tochter mit allen anderen Kindern abtransportiert worden. Daraufhin wollte sie nicht mehr weiterleben, verweigerte die Nahrung und wurde strafversetzt. Am 9.8.1944 wurde sie ins KZ Stutthof bei Danzig verbracht, wo sie vermutlich im Außenlager Lauenburg/Hinterpommern untergebracht war und Zwangsarbeit leisten mußte, während ihr Mann ins KZ Buchenwald überstellt wurde. Sie verblieb bis zu ihrer Befreiung durch sowjetische Truppen im KZ Stutthof. Nachdem sie sich nach Ende des Hitler-Regimes in Bochum wiedergetroffen hatten, kehrte sie mit ihrem Mann nach MS zurück. Auch dann gab sie die Hoffnung noch nicht auf, ihre Tochter wiederzufinden und suchte in vielen KZ nach ihren Spuren. Sie half ihrem Ehemann beim Aufbau der neuen jüd. Gemeinde in MS und erhielt 1975 für ihre Verdienste die Paulus-Plakette der Stadt MS. Beigesetzt wurde sie auf dem jüd. Friedhof in MS.

KIND  
Mirjam
11.4.1937 - 1944 KZ Auschwitz
Zusammen mit den Eltern wurde sie als Vierjährige am 13.12.1941 ins Ghetto Riga deportiert. Im November 1943, bei Auflösung des Ghettos, wurden die Häftlinge in verschiedene KZ-Lager verbracht. Lt. Kindersuchakte wurde sie am 21.4.1944 von einem der Außenlager Rigas vermutlich nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. 1956 wurde sie vom Amtsgericht MS für tot erklärt. Ihr Andenken wird auf dem Grabstein ihrer Eltern auf dem jüd. Friedhof in MS gewahrt.


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