R173 Steinberg, Sara
 01.01.1853 - 07.10.1900

Hier ruht
meine liebe Frau
unsere gute Mutter,
Sara
Steinberg
geb. Auerbach
geb. 1. Janr. 1853
gest. 7. Octbr. 1900.

aus: Gisela Möllenhoff / Rita Schlautmann-Overmeyer, Jüdische Familien in Münster 1918 – 1945. Teil I Biographisches Lexikon, Münster  ²2001

[Aufgrund der zeitlichen Begrenzung des Lexikons ist kein eigener Lexikoneintrag vorhanden. Unter folgenden Einträgen ist die Person genannt:]

S. 429-431
STEINBERG
Helene
22.5.1882 Sendenhorst - 3.11.1941 MS
E: Ephraim Steinberg (10.1.1841 Wolbeck - 24.8. 1915 MS) u. Sara geb. Auerbach (29.12.1853 Ahlen - 7.10. 1900 Bonn)
G: Julius (19.3.1874 Sendenhorst - 2.1.1935 MS); Siegfried (16.6.1875 Sendenhorst - 27.3.1944 Ghetto Theresienstadt); Hermann (8.1.1877 Sendenhorst - 26.11.1938 Paderborn); Hugo (22.4.1878 Sendenhorst - 1928 Berlin?); Selma (13.5.1880 Sendenhorst - 14.11.1918 MS); Dr. jur. Max (16.10.1883 Sendenhorst - 20.5.1922 Godesberg)
Sie kam mit drei Jahren nach MS und wuchs Königsstr. 33 auf, blieb unverheiratet und führte die Buchhaltung in der Fell- und Häutehandlung ihres Vaters Ephraim Steinberg. Seit ca. 1914 wohnte sie Hammer Str. 30, um 1938 Achtermannstr. 7, seit Februar 1940 in der Marks-Haindorf-Stiftung Am Kanonengraben 4 ("Judenhaus"). Am 3.11.1941, fünf Wochen vor der ersten Deportation aus MS, wurde sie in ihrem Zimmer tot aufgefunden. Als Todesursache wurde Vergiftung durch Kohlenmonoxyd festgestellt.  

S. 429-430
STEINBERG
Julius    
19.3.1874 Sendenhorst - 2.1.1935 MS
E: Ephraim Steinberg (10.1.1841 Wolbeck - 24.8.1915 MS) u. Sara geb. Auerbach (29.12.1853 Ahlen - 7.10. 1900 Bonn)
G: Siegfried (16.6.1875 Sendenhorst - 27.3.1944 Ghetto Theresienstadt); Hermann (8.1.1877 Sendenhorst - 26.11.1938 Paderborn); Hugo (22.4.1878 Sendenhorst - 1928 Berlin ?); Selma (13.5.1880 Sendenhorst - 14.11. 1918 MS); Helene (22.5.1882 Sendenhorst - 3.11. 1941 MS); Dr. jur. Max (16.10.1883 Sendenhorst - 20.5. 1922 Godesberg)
Kaufmann, Unteroffizier. Ältestes der sieben Kinder des Fellhändlers Ephraim Steinberg. Er kam als Elfjähriger am 3.6.1885 von Sendenhorst nach MS und wurde Schüler des Paulinums. Er wohnte im väterlichen Eigentum Königsstr. 33 (1885), nach der Heirat Hammer Str. 30 (1917) und Warendorfer Str. 18. 1894 absolvierte er eine Ausbildung in Rheda. Im gleichen Jahr wurde er zum Militär eingezogen. Er übernahm 1914 zusammen mit seinem jüngeren Bruder Siegfried die Metzgereibedarfsartikel-, Häute- und Fellhandlung des Vaters. Der Geschäftsbetrieb befand sich Königsstr. 33, das Lager Am Mittelhafen 38. 1917 heiratete er und verstarb Anfang 1935 nach kurzer Krankheit. Sein Grab befindet sich auf dem jüd. Friedhof in MS. Nach seinem Tode führte seine nichtjüd. Ehefrau zusammen mit seinem Bruder Siegfried den Betrieb weiter. Unter steigendem Druck nach Mitte 1935 wurde die Firma am 1.2.1936 auf ihren Namen überschrieben, am 8.8. 1938 abgemeldet und der Besitz verkauft.

S. 430
STEINBERG
Max, Dr. jur.   
16.10.1883 Sendenhorst - 20.5.1922 Godesberg, Freitod
E: Ephraim Steinberg (10.1.1841 Wolbeck - 24.8.1915 MS) u. Sara geb. Auerbach (29.12.1853 Ahlen - 7.10. 1900 Bonn)
G: Julius (19.3.1874 Sendenhorst - 2.1.1935 MS); Siegfried (16.6.1875 Sendenhorst - 27.3.1944 Ghetto Theresienstadt); Hermann (8.1.1877 Sendenhorst - 26.11.1938 Paderborn); Hugo (22.4.1878 Sendenhorst - 1928 Berlin ?); Selma (13.5.1880 Sendenhorst - 14.11.1918 MS); Helene (22.5.1882 Sendenhorst - 3.11.1941 MS)
Rechtsanwalt. Jüngstes der sieben Kinder des Fellhändlers Ephraim Steinberg. Er war zwei Jahre alt, als seine Eltern von Sendenhorst nach MS zogen. Seit Ostern 1893 besuchte er das Gymnasium Paulinum und bestand dort 1902 sein Abitur. Er zeigte eine überdurchschnittliche Begabung für Griechisch, Englisch und Mathematik. In Freiburg, München, Berlin und MS studierte er Jura. Am 21.5.1912 promovierte er an der Univ. Rostock zum Thema "Über das Anerkenntnisurteil. Ein Beitrag zur Urteilslehre". Blieb unverheiratet. 1912 war er bereits in MS als Rechtsanwalt niedergelassen, wohnte Königsstr. 33 und 1914 Hammer Straße. Er wurde Repräsentant der Synagogengemeinde MS. Am 19.5. 1922 schied er in Godesberg aus dem Leben. Im Nachruf wurden sein reiches Wissen und seine Tatkraft im Dienste der Gemeinde hervorgehoben. Er fand seine letzte Ruhestätte auf dem jüd. Friedhof in MS. Seine Geschwister richteten 1930 eine Jahrzeitstiftung ein. Gegen eine Spende wurde im Waisenhaus Paderborn jedes Jahr an seinem Todestag für ihn gebetet.

S. 431
STEINBERG
Siegfried (Salomon)
16.6.1875 Sendenhorst - 27.3.1944 Ghetto Theresienstadt
E: Ephraim Steinberg (10.1.1841 Wolbeck - 24.8.1915 MS) u. Sara geb. Auerbach (29.12.1853 Ahlen - 7.10. 1900 Bonn)
G: Julius (19.3.1874 Sendenhorst - 2.1.1935 MS); Hermann (8.1.1877 Sendenhorst - 26.11.1938 Paderborn); Hugo (22.4.1878 Sendenhorst - 1928 Berlin ?); Selma (13.5.1880 Sendenhorst - 14.11.1918 MS) Helene (22.5. 1882 Sendenhorst - 3.11.1941 MS); Dr. jur. Max (16.10. 1883 Sendenhorst - 20.5.1922 Godesberg)
Kaufmann, Rentner. Wurde in Sendenhorst geboren und kam mit seinen Eltern als Zehnjähriger nach MS, wo er Schüler des Paulinums wurde. Mit seinem älteren Bruder Julius war er Teilhaber der väterlichen Firma für Metzgereibedarfsartikel, Häute und Felle in MS, Königsstr. 33. Er wohnte bis 1936 Engelstr. 47. Um die Firma während der NS-Zeit im Familienbesitz halten zu können, wurde sie am 1.2.1936 auf die nichtjüd. Ehefrau seines 1935 verstorbenen Bruders Julius überschrieben. Er war lt. Testament des Vaters verpflichtet, seiner Schwester Helene, die alleinstehend war, lebenslänglichen Unterhalt zu zahlen. Als er am 30.4.1936 nach Palästina auswandern wollte, stellte er den Antrag zum Erwerb von 1.000 Palästina-Pfund, was einem Gegenwert von 27.000 RM entsprach. Er wollte dort eine neue Existenz in der Landwirtschaft aufbauen. Da er zu diesem Zeitpunkt bereits 62 Jahre alt war, kam die Bereitstellung des Vorzeigegeldes nicht mehr in Betracht, und die Devisenstelle gab ihm den Rat, die Einzahlung auf dem Wege eines durch das "Haavara-Abkommen" genehmigten Eigentransfers abzuwickeln. Einen "verbindlichen Vorbescheid" der Übertragung des Geldes nach Palästina erhielt er am 1.8.1936. Vom 24.8.1936 bis zum 8.10.1936 befand er sich zur Vorbereitung der Auswanderung auf einer Informationsreise in Palästina, doch konnte eine Emigration nicht verwirklicht werden. Bis zum 1.2. 1939 wohnte er zur Untermiete im Haus des Rechtsanwalts Ludwig Kaufmann Mauritz-Lindenweg 29, mit dem er befreundet war. Dort erlebte er, wie SA-Leute im Novemberpogrom 1938 die Wohnung verwüsteten. Auch nach seinem Umzug am 1.2.1939 zur Meppener Str. 27 war er regelmäßiger Gast bei der Familie Kaufmann. Seine unterhaltsame Art bedeutete eine Ablenkung von den Alltagssorgen, wie dies aus den Briefen von Lucie Kaufmann hervorgeht. 1939 war Siegfried St. stellvertretender Vorsitzender der jüd. Kultusgemeinde. Am 17.9. 1941, zwei Tage nach der Verordnung zum Tragen des "Judensterns", mußte er auch die Wohnung in der Meppener Str. 27 räumen und in die Marks-Haindorf-Stiftung Am Kanonengraben 4 ("Judenhaus"), wo bereits seine Schwester Helene eine Unterkunft gefunden hatte, umziehen. Am 31.7. 1942 wurde er mit dem letzten Transport unter der Nr. XI/1-876 in das Altersghetto Theresienstadt deportiert, wo er am 27.3.1944 umkam. Am 28.8. 1942 verfügte die Devisenstelle in einem Schreiben an die Deutsche Bank: "Da das Vermögen des Steinberg nach seiner Abwanderung dem Reich verfallen ist, dürfen Auszahlungen zu Lasten seines beschränkt verfügbaren Sicherungskontos nicht mehr erfolgen". Am 24.11.1942 gelangte sein verbliebenes Vermögen in den Besitz des Deutschen Reiches. Er wurde durch das Amtsgericht MS am 12.8.1950 für tot erklärt. 


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