L27 Neuhaus, Sigmund
 24.07.1869 - 10.11.1931

Sigmund Neuhaus
geb. 24. Juli 1869
gest. 10. Nov. 1931

 

aus: Gisela Möllenhoff / Rita Schlautmann-Overmeyer, Jüdische Familien in Münster 1918 – 1945. Teil I Biographisches Lexikon, Münster  ²2001

S. 319-321
NEUHAUS
Sigmund  
 
24.7.1869 Scheidingen/Werl - 10.11.1931 MS
Kaufmann, Händler. Zog vor 1897 nach MS. Wohnte mit seiner Familie u.a. Buddenstr. 23 (1900), später Jüdefelderstr. 14 (Eigentum) (1910, 1931). Betrieb dort mindestens seit 1912 eine Antiquitäten-Althandlung, die seine Frau nach seinem Tod übernahm. Er verstarb im Alter von 62 Jahren und wurde auf dem jüd. Friedhof in MS beigesetzt.

EHEFRAU
Elise verw. Ringes geb. Neuhaus
3.12.1870 Herbern/Lüdinghausen - Ghetto Warschau
E: Hermann Neuhaus, Händler, (2.5.1829 Scheidingen/Werl - 19.7.1902 MS) u. Sara geb. Levi (20.8.1848 - 5.10.1922 MS)
G: Henriette ∞ Feuerherdt (*19.7.1868 Herbern, lebte 1899 in Ziesar/Magdeburg); Bernhard (3.2.1873 Herbern - 22.8.1940 MS); Mathilde (* 19.7.1875 Herbern); Max (16.3.1878 MS - 25.12.1934 Bochum); Hulda-Johanna  ∞ Steinweg (29.7.1880 MS - 10.1.1939 MS); Rika-Frieda  ∞ Thalmann (19.7.1883 MS - Ghetto Litzmannstadt/Lodz); Ella (2.6.1886 MS Ghetto/KZ Riga)
Kam von Herbern/Lüdinghausen mit den Eltern zwischen 1876 und 1878 nach MS. Wohnte Tasche 1/2 (1891), Aegidiistr. 21 (1897), Corduanenstr. 5 (1898) und in ihrem eigenen Haus Jüdefelderstr. 14 (1931, 1941). Sie war als Magd in Olfen und Kamen tätig, bevor sie am 21.4.1894 in erster Ehe den seit 1885 in MS wohnenden Arbeiter und Handelsmann Bernhard Ringes (* 7.11.1865 Wesel, kath.) heiratete. Aus dieser Ehe hatte sie einen Sohn Bernhard Ringes (* 30.10.1894). Sie übernahm nach dem Tod ihres zweiten Ehemannes Ende 1931 dessen Althandlung (Antiquitäten, Möbel), die sie vom 25.1. 1932 bis zum 30.9.1938 - ab 1935 mit Unterstützung ihres Sohnes aus erster Ehe - in der Jüdefelderstr. 14 führte. Nach dem Verkauf ihres Hauses am 23.12.1938 behielt sie, zusammen mit ihren drei Töchtern und ihren Schwestern Ella und Hulda Steinweg sowie deren Ehemann, bis zum 1.10.1939 Wohnrecht, das dann offensichtlich verlängert wurde (?). Ab 2.2.1942 bis zu ihrer Deportation war sie im letzten münsterischen "Judenhaus" Am Kanonengraben 4 untergebracht. Am 31.3.1942 wurde sie zusammen mit ihrer Tochter Hildegard nach Warschau deportiert. Dort verliert sich ihre Spur. Für tot erklärt wurde sie 1958.

KINDER
Hedwig
14.12.1897 MS - 19.5.1940 MS
Verstarb 1940 in ihrer Wohnung Jüdefelderstr. 14.

Irma (Irmgard)
11.10.1900 MS - 9.1.1941 (6.1.1940) Krefeld
Schneiderin, Verkäuferin. Besuchte vom sechsten bis zum 14. Lebensjahr die jüd. Volksschule in MS und machte anschließend eine dreijährige Schneiderlehre. Vom 15.11.1915 bis zum 31.5.1922 war sie im Damen-Modeatelier von Thea Rösgen beschäftigt, die ihr anschließend im Zeugnis herausragende Geschicklichkeit in der Anfertigung von kunstgewerblichen Arbeiten bescheinigte. Als Schneiderin hatte sie in der Zeit vom 1.5.1926 bis zum 1.7.1928 ein Gewerbe angemeldet. Danach war sie bis Juni 1933 als Verkäuferin in der Konfektion tätig, u.a. 1931 in Güstrow. Absolvierte in Berlin einen Zuschneide-Kurs. Am 18.10.1935 zog sie zurück nach MS. Von 1939 bis zum 12.2.1940 war sie Handarbeitslehrerin in der jüd. Schule in MS. Sie verzog 1940 nach Krefeld, wo sie kurze Zeit später 40jährig verstarb.

Walter
1.5.1902 MS - KZ Auschwitz
Kaufmann. Besuchte die jüd. Volksschule. Emigrierte am 4.10.1938 nach Frankreich. Wurde nach Einmarsch der Deutschen im Sammellager Gurs am 1.9.1942 inhaftiert und von dort über das Lager Drancy am 4.9.1942 u.a. zusammen mit Julius Auerbach, Julius Gumprich (* 1897), Max Heimbach und über 1.000 weiteren jüd. Männern, Frauen und Kindern nach Auschwitz verbracht. Ob er zu den 200 Männern gehörte, die für die Organisation Schmelt in Cosel zur Zwangsarbeit selektiert wurden, oder ob er mit den anderen Deportierten sofort in den Gaskammern ermordet wurde, ist nicht bekannt. Er wurde 1958 für tot erklärt.

Hildegard
7.5.1904 MS - Ghetto Warschau
Schülerin der jüd. Volksschule. Wohnte seit 28.9. 1938 wieder im Elternhaus Jüdefelderstr. 14 und mußte dann am 2.2.1942 ins "Judenhaus" Am Kanonengraben 4 ziehen. Am 31.3.1942 wurde sie zusammen mit ihrer Mutter von MS ins Ghetto Warschau deportiert. Sie wurde 1958 füt tot erklärt.

 


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