R152 Leffmann, Benni
 23.03.1861 - 24.08.1938

Benni Leffmann
geb. 23.3.1861
gest. 24.8.1938

aus: Gisela Möllenhoff / Rita Schlautmann-Overmeyer, Jüdische Familien in Münster 1918 – 1945. Teil I Biographisches Lexikon, Münster  ²2001

S. 251-253
LEFFMANN
Benni

23.3.1861 MS - 24.8.1938 MS
E: Moses (Salomon) Leffmann, Möbelhändler, (28.2. 1825 MS - 23.11.1900 MS) u. Sophie geb. Jordan (27.8.1825 Hüsten - 18.1.1889 MS)
G: Sara ∞ Baehr (*4.4.1856 MS); Leeser-Leo (6.12.1857 MS - ca. 1903 Köln?); Abraham-Arthur (*4.1.1863 MS); Levi-Ludwig (4.12.1864 MS - 1944 Wiesbaden?); Eva ∞ Guthmann (22.7.1872 MS - 31.8. 1953 Schweiz)
Kaufmann, Textil-Einzelhändler. Seit 1846 führte sein Vater den Familiennamen Leffmann. Benni L. verzog am 26.10.1876 vermutlich zu Ausbildungszwecken nach Lüdenscheid. Am 5.5.1886 erwarb er für 28,50 M das Bürgerrecht der Stadt MS. Er wohnte im Elternhaus Ludgeristr. 75, das seinem Vater bereits 1873 gehörte. Im Jahre 1883 gründete Benni L. ein Wäsche- und Weißwarengeschäft im Familienstammhaus Ludgeristr. 75, das seit dem 10.10. 1889 im Handelsregister eingetragen war. Seit der Zeit vor 1910 bis zum 1.4.1927 betrieb er eine Filiale in Düsseldorf. 1893 war er Mitglied des "Vereins zur Abwehr des Antisemitismus" und 1901 im "Verband der Synagogengemeinden Westfalens". Außerdem engagierte er sich im "Comité für Errichtung eines Asyls für jüdische Kranke und Altersschwache in Westfalen". Betätigte sich seit 1896 über 40 Jahre lang im Repräsentantenkollegium für die Belange der jüd. Gemeinde MS, zeitweise als Vorsitzender der Repräsentanten und war Mitbegründer des Synagogenchores. Gehörte 1899 der "Abendgesellschaft des Zoologischen Gartens" an. 1911 war er Mitglied in dem zwei Jahre zuvor gegründeten "Luftschiffahrtsverein MS-Münsterland". Im Jahre 1938 war Toni Soesmann einige Monate in seinem Haushalt tätig. Benni L. verstarb 1938 in der Universitätsklinik MS und wurde neben seiner Frau auf dem jüd. Friedhof in MS beigesetzt. Nach seinem Tod wurden seine Kinder Inhaber des Geschäftes, das am 31.12.1938 "arisiert" wurde.

∞ 18.6.1899 Gütersloh
EHEFRAU
Sophie geb. Langbein
25.4.1868 Gütersloh - 13.6.1932 MS
E: Samuel Langbein, Kaufmann, (25.12.1829 Gütersloh - 19.9.1897 Gütersloh) u. Helene geb. Lohn (12.8.1834 MS - 9.4.1918 MS)
G: Johanna (8.6.1864 Gütersloh - 16.4.1940 Hannover); Hermann (28.3.1871 Gütersloh - 13.10.1929 MS)
Bevor ihre Tochter Anni zur Welt kam, hatte sie 1901 ein Kind geboren, das kurz nach der Geburt verstarb. Im Jahre 1901 war sie Mitglied im "Israelitischen Frauenverein" MS. Sie verstarb mit 64 Jahren im Clemenshospital und wurde auf dem jüd. Friedhof in MS begraben.

KINDER
Anni
* 6.3.1902 MS, lebte 1995 in Schottland
Wäscheschneiderin. Besuchte drei Jahre lang die jüd. Schule in MS, dann bis zum 15.3.1918 das Kath. Lyzeum/Realgymnasiale Studienanstalt. Erlernte vom 2.4.1918 bis zum 2.4.1920 im elterlichen Geschäft die Weißnäherei, bestand am 10.11. 1921 die Gesellenprüfung an der Handwerkskammer MS, die Meisterprüfung erfolgte am 5.3.1925. In Hannover erlernte sie das Zuschneiden. Seit dem 2.4.1920 war sie als Ein- und Verkäuferin sowie als Zuschneiderin und vom 1.11.1935 bis zur "Arisierung" im November 1938 als Mitinhaberin (mit ihren Geschwistern) im elterlichen Wäsche- und Korsettgeschäft (mit Anfertigung) tätig. Die Geschwister L. mußten auf ihre Kosten die während des Pogroms zerschlagenen Schaufensterscheiben ersetzen lassen. Auch die Wohnungseinrichtung war in der Pogromnacht beschädigt worden. Das Geschäftshaus Ludgeristr. 75 wurde am 18.11.1938 zu einem Verkaufspreis, der ein Drittel über dem Einheitswert lag, verkauft. Durch eine zehn Tage später (28.11.1938) erlassene "Sicherungsanordnung" gegen die drei Geschwister wurde der Erlös zur Sicherung der Reichsfluchtsteuer auf ein Sperrkonto eingezahlt, so daß sie nur mit Erlaubnis der Devisenbehörde über ihr Vermögen verfügen konnten. Eine Auswanderung zusammen mit ihrem Bruder Max nach Trinidad, wo sie eine Wäscheschneiderei gründen wollten, schlug im Mai 1939 fehl, obwohl sie seit dem 3.12.1938 im Besitz einer Aufenthaltserlaubnis für Trinidad als "permanent resident" war und für die Mitnahme des Umzugsgutes einen Betrag an die Golddiskontbank gezahlt hatte. Anni L. emigrierte am 29.6.1939 mit einem "domestic permit" nach England. Arbeitete dort als Hausangestellte und später als Schneiderin. Siedelte um 1942 nach Schottland über, um dort in der Nähe ihrer Schwester Louise Gumprich zu sein und um Schutz vor den Bomben zu finden. War zeitweise selbständig tätig und später für eine große Firma. War auch mit 90 Jahren noch in dem Geschäft "What Every Woman Wants" in Glasgow tätig.

Louise ∞ GUMPRICH, Siegfried
19.10.1903 MS - 22.11.1987 Kanada

Max
5.2.1906 MS - 1945 auf dem Todesmarsch"
Hermann
9.2.1911 MS - 12.2.1911 MS

 


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