R136 Flechtheim, Moses
 18.11.1814 - 04.06.1886

Hier ruht
mein theurer Gatte,
unser guter Vater,
Schwieger u. Grossvater
Moses Flechtheim
geb. 18. Novmb. 1814
gest. 4. Juni 1886.

 

aus: Gisela Möllenhoff / Rita Schlautmann-Overmeyer, Jüdische Familien in Münster 1918 – 1945. Teil I Biographisches Lexikon, Münster  ²2001

[Aufgrund der zeitlichen Begrenzung des Lexikons ist kein eigener Lexikoneintrag vorhanden. Unter folgendem Eintrag ist die Person genannt:]

S. 124-125
FLECHTHEIM
Hermann
1.2.1880 MS - 24.4.1960 Wolfratshausen
E: Emil Flechtheim (1.9.1850 Brakel - 14.5.1933 Düsseldorf) u. Emma geb. Heymann (25.12.1856 Dortmund - 3.11.1935 Düsseldorf)
G: Alfred (1.4.1878 MS - 9.3.1937 England); Erna ∞ Löwenstein (7.9.1883 MS - 25.6.1929 Düsseldorf)
Kaufmann. Sein Vater Emil F., Mitinhaber der Fa. "Moses Flechtheim", die 1845 gegründet worden und aus der seit 1795 in Brakel bestehenden Fa. "S. Flechtheim" hervorgegangen war, gilt als der Begründer des Getreidehandels in Westdeutschland und seiner Börsen in Dortmund, Duisburg und Essen. Sein Großvater Moses F. war 1893 erstes jüd. Mitglied in der Sektion MS des "Verbandes reisender Kaufleute Deutschlands" geworden [Diese Angabe kann nach heutigem Wissensstand nicht korrekt sein. Auf Nachfrage bei Frau Möllenhoff, könnte es sich um Alex oder Emil Flechtheim handeln.]. 1886 war die Fa. Flechtheim eines der bedeutendsten Getreidegeschäfte in MS und bis Kriegsbeginn (1914) eines der größten und wichtigsten Getreideeinfuhrhäuser in Deutschland mit einem Getreideausfuhrhaus in Südrußland. Von 1890 bis mindestens 1894/95 besuchte Hermann F. das Paulinum und wohnte mit seinen Eltern Ludgeriplatz 3a. Nachdem er eine Ausbildung zum Kaufmann erhalten hatte, war er zeitweise in Nikolajew/Ukraine ansässig. Von dort zog er mit seiner Familie am 19.5.1911 zurück nach MS, wo er u.a. Heisstr. 42 (1911) und Gutenbergstr. 2 (1913) wohnte. Er verzog am 16.4.1920 nach Düsseldorf. Als sich die Einstellung der NS-Behörden gegenüber Juden zuspitzte und Unternehmen mit jüd. Beteiligung über 25 % mit behördlichen Eingriffen zu rechnen hatten, sah Hermann F. sich gezwungen, im September 1938 als Kommanditist aus einer Firma auszuscheiden. Nachdem er die Überzeugung gewonnen hatte, "daß sein weiteres Verbleiben in Deutschland eine Gefahr für Leib und Leben" bedeutete, emigrierte er nach 1938 nach Guatemala, wo er 1952 noch lebte und als Buch- und Zeitschriftenhändler tätig war. 1959 wohnte er in Düsseldorf. Er verstarb 1960 bei einem Kuraufenthalt und wurde am 27.4.1960 auf dem jüd. Friedhof in München begraben.
∞  25.2.1908
EHEFRAU
Olga geb. Farber
17.4.1884 Moskau - 22.11.1964 Essen
E: Ossip Farber (verstorben vor 1917) u. Stachana geb. Schiff  (* 31.12.1842 Minsk)
Sie lebte mit ihrer Familie und ihrer Mutter von 1911 bis 1920 in MS und zog dann mit ihnen nach Düsseldorf. Nach dem Tod ihres Mannes ging sie in ein Altersheim nach Essen.

KIND
Ossip K., Prof. Dr. jur. Dr. phil.
* 3.3.1909 Nikolajew/Ukraine, lebte 1995 in Deutschland
Politikwissenschaftler. Als Zweijähriger kam er mit seiner Familie nach MS und zog als Elfjähriger wieder fort. Nach seinem Abitur 1927 in Düsseldorf (?) studierte er bis 1931 Rechtswissenschaften und Philosophie an den Universitäten Freiburg, Paris, Heidelberg, Berlin und Köln. Legte 1931 das Referendarexamen ab und war bis 1933 am OLG Düsseldorf tätig. Er promovierte 1934 zum Dr. jur. an der Univ. Köln. Er war 1927 - 1932 Mitglied der KPD und hielt sich 1931 in der Sowjetunion auf. 1933 wurde er wegen seiner jüd. Herkunft aufgrund des "Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" aus dem juristischen Dienst entlassen. Er war seit 1933 Mitglied der Miles-Widerstandsgruppe "Neu Beginnen", einer von dem Berliner Linkssozialisten Walter Loewenheim initiierten Leninistischen Organisation, die sich den "Kampf gegen den Faschismus" zum Ziel setzte. Er floh 1935, nachdem er 16 Tage inhaftiert gewesen war, zunächst nach Belgien, dann in die Schweiz. Dort war er drei Jahre als Assistent am "Institut des Hautes Etudes Internationales" in Genf tätig und betätigte sich auch politisch. Emigrierte 1939 in die USA, wo er an verschiedenen Universitäten (u.a. 1939-1940 am International Institute of Social Research, Atlanta) lehrte. Er heiratete 1942 Lili Faktor; dem Ehepaar wurde die Tochter Marion-Ruth geboren. Kehrte 1946 als Sektionschef der US-Untersuchungsbehörde für die Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse nach Berlin zurück. Promovierte 1947 in Philosophie an der Univ. Heidelberg. Von 1947 bis 1951 lehrte er in den USA. Wurde 1952 (bis 1959) an die Berliner Hochschule für Politk berufen, die Habilitation erfolgte 1957. Anschließend war er bis zu seiner Emeritierung 1974 Prof. für politische Wissenschaften am "Otto Suhr Institut" der FU Berlin.

 


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