R125 Steilberg, Leonhard
 14.12.1803 - 21.05.1885

Hier ruht
mein teurer Gatte,
unser inniggeliebter Vater
Leonhard
Steilberg
geb. am 14. Decbr. 1803,
gest. am 21. Mai 1885.

aus: Gisela Möllenhoff / Rita Schlautmann-Overmeyer, Jüdische Familien in Münster 1918 – 1945. Teil I Biographisches Lexikon, Münster  ²2001

[Aufgrund der zeitlichen Begrenzung des Lexikons ist kein eigener Lexikoneintrag vorhanden. Unter folgendem Eintrag ist die Person genannt:]

S. 418-420
STEILBERG
Isidor (Leonard)
8.3.1842 MS - 31.8.1928 MS
E: Leonard Steilberg (14.12.1803 Steele - 21.5.1885 MS) u. Lisette geb. Cahn (28.10.1809 Essen - 28.10.1905 MS)
G: Julie (* 23.5.1833 Essen); Auguste (* 14.11.1835 MS); Ida (* 19.12.1837 MS); Emma (* 28.2.1840 MS); Richard (* 6.3.1851 MS)
Kaufmann. Die Familie Steilberg gehörte zu den am längsten in MS ansässigen jüd. Familien. Bereits 1814 hatte der zum Katholizismus übergetretene Marcus Johann Steilberg aus Steele in MS eine Schnürenfabrikation eröffnet. Seinem Bruder Leonhard, der der jüd. Tradition verhaftet blieb, gewährte die Stadt MS jedoch erst nach fünfjährigen Verhandlungen im Jahre 1833 die Aufenthaltsgenehmigung als Teilhaber. Von seinen sechs Kindern wurde nach der Geburt von vier Mädchen traditionsgemäß der älteste Sohn Isidor Erbe des Geschäftes. Isidor St. besuchte 1852/53 das Paulinum. Nach seinem Eintritt in den väterlichen Betrieb gestaltete er diesen in den folgenden Jahrzehnten gemäß den Erfordernissen der Zeit zu einer Uniform- und um 1910 zur Maßschneiderei um. Die Familie wohnte anfangs in der Königsstr. 18 (1877), seit ca. 1882 im Eigentum Rothenburg 51. Von 1893 bis 1905 gehörte Isidor St. dem Vorstand der jüd. Kultusgemeinde an. Er war Mitglied der Sektion MS des "Allgemeinen deutschen Arbeitgeberverbandes für das Schneidergewerbe" und Mitbegründer der 1872 ins Leben gerufenen "Freiwilligen Feuerwehr", wo er sein großes technisches Wissen auf dem Gebiet des Feuerlöschwesens in den Dienst der Allgemeinheit stellte. Sein Lebensprinzip war der Einsatz für den Nächsten (Nachruf). Er war in leitenden Stellungen tätig u.a. als Brandmeister des 1. Löschzuges und langjähriges Vorstandsmitglied der Freiwilligen Feuerwehr und wurde 1922 zum 50jährigen Bestehen zum Ehrenbrandmeister ernannt. Außerdem gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Synagogenchores und war ein Wohltäter der jüd. Lehrerbildungsanstalt in MS (Marks-Haindorf-Stiftung). Anläßlich des 100jährigen Firmenjubiläums 1914 dankte er Stadt und Mitbürgern für das "stets erwiesene Wohlwollen" durch eine Armenstiftung. Mit 86 Jahren verstarb er in MS an Altersschwäche; er wurde feuerbestattet.

EHEFRAU
Karoline (Lina) geb. Gottschalk
21.4.1854 Sterkrade - 18.1.1937 MS
Sie war mindestens von 1905 bis 1917 Vorsitzende des "Israelitischen Frauenvereins", dessen Hauptaufgabe die Unterstützung hilfsbedürftiger jüd. Familien war. In dem von ihr verfaßten Rechenschaftsbericht von 1908 betonte sie besonders die finanzielle Unterstützung, die dem jüd. Frauenverein auch durch andere Konfessionen zuteil wurde. Seit 1917 gehörte der Verein der Gesamtorganisation "Jüdischer Frauenbund" an. Nach dem 1. WK übernahm Gertrud Steinthal den Vorsitz des Frauenvereins.

KINDER
Paul
4.10.1877 MS - Ghetto Litzmannstadt/Lodz
Oberingenieur. Er besuchte zehn Jahre lang bis zum Abitur 1897 das Gymnasium Paulinum. Sein Berufsziel war ein Studium der Elektrotechnik, das er vermutlich in Aachen absolvierte. Er hatte künstlerische Fähigkeiten und fertigte als Hobbykünstler Scherenschnitte an u.a. von Annette von Droste-Hülshoff, die er mit "Peeste" (P.St.) signierte. Er blieb unverheiratet, wohnte mit seiner Mutter im Elternhaus Rothenburg 51 und führte ein Bohemienleben zwischen Paris und MS. Zu Beginn der Naziherrschaft wurde er wegen angeblicher "Orgien" für kurze Zeit inhaftiert. In den 1930er Jahren war er nicht mehr berufstätig, erteilte jedoch denjenigen in MS, die eine Auswanderung anstrebten, kostenlosen Privatunterricht in der Herstellung von Lampen, um ihnen damit in der Emigration den Neubeginn zu erleichtern. Nach dem Tod seiner Mutter verzog er im Frühjahr 1938 nach Düsseldorf, wo zwei Schwestern verheiratet waren. Das Haus Rothenburg 51 wurde von der Erbengemeinschaft Steilberg am 16.9. bzw. 23.9.1939 ca. ein Fünftel über Einheitswert verkauft. Paul St. wurde ins Ghetto Litzmannstadt deportiert und kam dort ums Leben.

Walter, Dr. jur. (ev.)
* 8.3.1879 MS
Schüler des Paulinums. Er legte 1897 zusammen mit seinem Bruder Paul das Abitur ab und studierte 1897 in Freiburg Rechtswissenschaften. Als er von Mai 1902 bis Oktober 1903 wieder nach MS zurückkehrte, war er bereits Gerichtsreferendar und promoviert. Die Stationen seiner weiteren Ausbildung waren Berlin, MS und Hamm, bis er im Februar 1907 nach Castrop verzog.

Else
* 1.1.1882 MS, lebte 1954 in Düsseldorf
Sie verbrachte Kindheit und Jugend bis zu ihrer Heirat in ihrem Elternhaus in MS, Rothenburg 51, abgesehen von einem einmonatigen Aufenthalt in Hamburg. Am 28.12.1907 heiratete sie in MS den aus Hörde gebürtigen Kaufmann Arnold Sondheim (* 15.11.1881) und verzog nach Düsseldorf. Dort wurden die Söhne Werner (* 27.11.1910) und Günter (* 3.11.1916) geboren. Im Januar 1939 beantragte sie gemäß NS-Gesetz den Zusatznamen "Sara". Sie flüchtete mit ihrem Ehemann am 11.4.1939 von Düsseldorf nach England. Ihr älterer Sohn Werner lebte bereits seit dem 12.9.1938 in London, während dem jüngeren Sohn Günter am 4.4.1938 die Emigration in die Schweiz geglückt war. Else St. kehrte nach dem Krieg nach Deutschland zurück und lebte 1954 in Düsseldorf.

Margarethe
22.2.1886 MS - 4.2.1960 Düsseldorf
Kindheit und Jugend verbrachte sie in MS im Elternhaus Rothenburg 51. Sie heiratete Clemens Pietsch und verzog am 2.1.1917 von MS nach Düsseldorf, wo ihre Schwester ansässig war. Im März 1938 war sie als Hausdame in der Nähe von Paderborn tätig. Am 13.2.1939 ließ sie zwangsweise den Zusatznamen "Sara" in die Geburtsurkunde eintragen.

 


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