L26 Hirschfeld, Ernst
 08.07.1903 - 03.11.1931

Ernst Hirschfeld
geb. 8.7.1903 gest. 3.11.1931

 

aus: Gisela Möllenhoff / Rita Schlautmann-Overmeyer, Jüdische Familien in Münster 1918 – 1945. Teil I Biographisches Lexikon, Münster  ²2001

S. 210
HIRSCHFELD
Ernst

8.7.1903 MS - 3.11.1931 MS
Schüler im Städt. Gymnasium und Realgymnasium bis zum Abitur 1921. Anschließend erfolgte eine Ausbildung zum Kaufmann. Verstarb im Alter von 28 Jahren "nach langjährigem, mit größter Geduld ertragenem Leiden". Er wurde im Familiengrab auf dem jüd. Friedhof in MS beigesetzt.

S. 209-211
HIRSCHFELD
Nathan    
1.12.1871 Danzig - 14.11.1938 KZ Buchenwald
Kaufmann, Prokurist. Um 1900 nach MS zugezogen, wo er Zumbrockstr. (1903), Achtermannstr. 11 (1905) und Hermannstr. 44 (Eigentum) wohnte. Sein Ansehen in der Kaufmannschaft wurde 1912 mit dem Ehrenamt des Handelsrichters am Kaufmannsgericht belohnt. Er war Stadtverordneter und Vorstandsmitglied im "Verein für jüd. Geschichte und Literatur". Von 1917 bis mindestens 1926 und 1932 gehörte er dem Repräsentantenkollegium der Synagogengemeinde an. Als einer von drei jüd. Münsteranern wurde er, da er am 10.11.1938 seine Tochter in Erfurt besuchte, in das KZ Buchenwald verschleppt, wo er im Alter von 67 Jahren nach Aussagen von Rabbiner Dr. Fritz L. Steinthal "beim Appell in Buchenwald 24 Stunden stehen" mußte und, "da er in seinem Alter und Gesundheitszustand dieser unmenschlichen Strapaze nicht gewachsen war", tot umfiel. Seine Asche wurde seiner Witwe nach einiger Zeit zugeschickt. Am 7.12.1938 fand er auf dem jüd. Friedhof in MS neben seinem Sohn Ernst seine letzte Ruhe.

EHEFRAU
Gertrud geb. Eisenstaedt
20.5.1879 Danzig - KZ Belzec
G: Else ∞ Jacobsohn (* 21.4.1883 Danzig, lebte 1949 in der Schweiz); Jenny ∞ Liebling, Berlin, emigrierte in die USA; Betty ∞ Falkmann, Berlin, emigrierte nach Mexiko; Josef, Berlin, lebte 1950 in Argentinien
Seit ca. 1902 war sie in MS ansässig. Von ihren zwei Kindern verstarb der Sohn im Alter von 28 Jahren. Sie lebte nach dem gewaltsamen Tode ihres Mannes noch zwei Jahre in MS in ihrem Eigentum Hermannstr. 44, das zum "Judenhaus" bestimmt wurde. Silber- und Goldgegenstände mußten im Frühjahr 1939 an die Pfandleihanstalt Dortmund abgeliefert werden. Für 2.100 g Silber sowie 17,2 g Gold erhielt sie einen Gegenwert von 42 bzw. 28,20 RM. Auf ihrem Haus lastete eine "Sicherungshypothek" für die Reichsfluchtsteuer im Falle ihrer Auswanderung. Die Zahlung der beiden ersten Raten der "Judenvermögensabgabe" konnte sie aus ihrem Wertpapierdepot bestreiten, die übrigen drei Raten durfte sie in monatlichen Teilzahlungsbeträgen ableisten. Am 6.12.1940 verzog sie zu ihrer Tochter nach Erfurt. Sie wurde am 9.5.1942 ins Auffanglager Weimar und am 10.5.1942 mit einem geschlossenen Sammeltransport von ca. 600 Personen ins Vernichtungslager Belzec bei Lublin deportiert und ermordet. Von diesem Transport überlebte niemand. Sie wurde ausgebürgert und ihr Hausgrundstück in MS am 1.7.1942 einem Zwangsverwalter übergeben.

KINDER
Ernst
8.7.1903 MS - 3.11.1931 MS
Schüler im Städt. Gymnasium und Realgymnasium bis zum Abitur 1921. Anschließend erfolgte eine Ausbildung zum Kaufmann. Verstarb im Alter von 28 Jahren "nach langjährigem, mit größter Geduld ertragenem Leiden". Er wurde im Familiengrab auf dem jüd. Friedhof in MS beigesetzt.

Karla    
3.9.1905 MS - KZ Belzec
Kontoristin. Wuchs in der Hermannstr. 44 (später "Judenhaus") auf. Schülerin der Mittelschule. Von Ostern 1923 bis August 1923 besuchte sie die Handelsschule in MS. Engagierte sich 1931 für die Gründung eines Angestellten-Ausschusses der C.V.-Ortsgruppe MS und war Mitglied des nach dem Ausschluß von Juden aus anderen Vereinen gegründeten jüd. Tennisclubs. Sie verlobte sich am 11.11. 1937 mit dem Witwer Hugo Kahn (* 21.2.1894 Euskirchen). Die Heirat fand am 23.4.1938 in MS statt. Der Ehemann hatte aus seiner ersten Ehe mit Ilse Beate geb. Frank (5.3.1906 - 28.1.1936) eine Tochter Marion (* 20.1.1928 Erfurt). Karla und Hugo Kahn lebten in Erfurt, Nonnenrain 68, und mußten am 4.4.1941 zur Viktoriastr. 16, am 5.12. 1941 zur Kartäuserstr. 69 umziehen. Ihr Ehemann wurde zur Zwangsarbeit herangezogen. Mit ihrer Familie und ihrer Mutter wurde sie am 10.5.1942 in das KZ Belzec/Lublin deportiert und danach aus dem Deutschen Reich ausgebürgert. Für tot erklärt wurde sie am 19.10.1951 vom Amtsgericht Erfurt.

 


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