R13 Feibes, Rosa
 01.05.1836 - 20.11.1873

Hier ruhen
unsere geliebten Eltern
Rosa Feibes geb. Ransohoff
geb. 1. Mai 1836, gest. 20. November 1873.
Michael Feibes
gest. 3. December 1826, gest. 26. Februar 1907.

 

aus: Gisela Möllenhoff / Rita Schlautmann-Overmeyer, Jüdische Familien in Münster 1918 – 1945. Teil I Biographisches Lexikon, Münster  ²2001

[Aufgrund der zeitlichen Begrenzung des Lexikons ist kein eigener Lexikoneintrag vorhanden. Unter folgendem Eintrag ist die Person genannt:]

S. 121-123
FEIBES
Gustav
14.11.1858 MS -  14.11.1941 USA
E: Michael Feibes (3.12.1826 Lengerich - 26.2.1907 MS) u. Rosa geb. Ransohoff (1.5.1836 Peckelsheim - 20.11. 1873 MS)
G: Julius (8.10.1856 MS - 8.1.1942 MS); Dr. med. Ernst-Jacob (9.12.1860 MS - 14.6.1911 Aachen); Louis (9.4.1864 MS - 15.11.1903 Freiburg); Otto (14.6.1871 MS - 1.12.1873)
Kaufmann, seit 1931/32 Rentner. Wohnte mit seiner Familie Hohenzollernring 47 bzw. Nr. 12 (1932, 1938). Er war Mitinhaber der "Fa. J.M. Feibes" (Textil-, Kurzwarengroßhandlung, Haushalts- und Spielwaren), die von 1854 bis 1938 in MS, Salzstr. 3/4, bestand. Er war über 50 Jahre Mitglied der Turngemeinde MS (1882 - 1932) und wurde zum Ehrenmitglied ernannt. 1893 engagierte er sich im "Verein zur Abwehr des Antisemitismus" und war Mitglied im "Allgemeinen Bürgerschützen-Corps". Er unterstützte 1898 das "Comité für Errichtung eines Asyls für jüdische Kranke und Altersschwache in Westfalen" (Grundsteinlegung 1904 in Unna). Am 6.4.1939 mußte er im Rahmen der "Edelmetallabgabe" Tafelsilber und Schmuck an die Pfandleihanstalt Dortmund abliefern. Am 10.4.1940 brachte die Krankenschwester Käthe Pelkmann, die das Ehepaar Feibes sowie andere jüd. Familien betreut hatte, ihn und seine Frau zum Schiff nach Genua/Italien. Er emigrierte in die USA und verstarb dort eineinhalb Jahre später. Sein Vermögen mußte auf einem Sperrkonto in Deutschland verbleiben. Am 16.2.1941 beantragte die Gestapo MS die Ausbürgerung der Eheleute und die Vermögensbeschlagnahme.

EHEFRAU
Hedwig geb. Abenheimer
15.6.1868 Vendenheim/Straßburg - 7.6.1944 USA
E: Heinrich (?) Abenheimer u. Henriette geb. Abenheimer (13.1.1842 Vendenheim - 4.2.1917 MS)
G: Johanna ∞ Feibes (3.3.1865 Mannheim - 30.1.1925 MS); Siegfried (?) (28.4.1872)
1901 war sie Mitglied im "Israelitischen Frauenverein" in MS. Ihre Mutter zog am 2.7.1915 nach MS und lebte bis zu ihrem Tod 1917 bei ihr. Am 28.10.1938 wurde durch "Sicherungsanordnung" ihr Vermögen gesperrt, d.h. ihr standen monatlich nur begrenzte Beträge zur Verfügung, ansonsten benötigte sie die Einwilligung der Devisenbehörde. Sie hatte am 9.12.1939 vergeblich beantragt, eine Darlehenshypothek von 10.000 Goldmark auf ihre Enkelin Annemarie, die "Halbarierin" und amerikanische Staatsbürgerin war, übertragen zu dürfen. Am 10.4. 1940 konnte sie mit ihrem Ehemann zu Sohn und Tochter in die USA auswandern.

KINDER
Gertrud
23.6.1895 - 1896 Mannheim

Heinrich, Dr. med. (Henry)
* 31.8.1891 MS, lebte 1957 in den USA
Arzt. Nachdem er das Paulinum von 1901 bis zum Abitur 1910 besucht hatte, studierte er Medizin an den Universitäten MS, München und Berlin. Er bestand die ärztliche Vorprüfung an der Univ. MS im Sommersemester 1912, das Staatsexamen im August 1915 an der Univ. München, wo er 1916 zum Thema "Untersuchungen über Muskelkraft" promovierte. Als Feldunterarzt (im Februar 1917 wurde er zum Assistenzarzt der Reserve befördert) nahm er im Reservelazarett MS bzw. im Reservelazarett Bedburg-Hau bei Kleve am 1. WK teil. Er war 1933 bereits in die USA ausgewandert und hatte u.a. eine Tochter namens Annemarie.

Curt
10.11.1892 MS - 28.9.1893 MS

Else
9.5.1897 MS - 9.3.1991 USA
Nach dem Abitur am Realgymnasium studierte sie einige Semester (1918/1919 und 1921) Rechts- und Staatswissenschaften an der Univ. MS. Ihr Wegzug nach Düsseldorf erfolgte vermutlich nach ihrer Heirat am 5.8.1922 in MS mit dem Rechtsanwalt Siegfried Loeb (* 23.10.1886 Scherfede bei Warburg). Sie hatte drei Söhne (Werner * 24.6.1923, Ulrich * 8.7. 1926 und Frank). Die Familie konnte im November 1933 über die Niederlande in die USA emigrieren. Gegen das Ehepaar wurde 1935 wegen angeblicher "Steuerflucht" eine Geld- und Gefängnisstrafe verhängt.

FEIBES
Julius (Simon)
8.10.1856 MS - 8.1.1942 MS
E: Michael Feibes (3.12.1826 Lengerich - 26.2.1907 MS) u. Rosa geb. Ransohoff (1.5.1836 Peckelsheim - 20.11. 1873 MS)
G: Gustav (14.11.1858 MS - 14.11.1941 USA); Dr. med. Ernst-Jacob (9.12.1860 MS - 14.6.1911 Aachen); Louis (9.4. 1864 MS - 15.11.1903 Freiburg); Otto (14.6.1871 MS - 1.12. 1873)
Kaufmann. Er wohnte zunächst Ludgeriplatz 2 (1888 - 1892), danach Salzstr. 3/4 (Eigentum). Mit seinem Sohn Fritz war er Mitinhaber der Fa. "J.M. Feibes" (Textil- Kurzwarengroßhandlung, und Haushalts- u. Spielwaren), die seit dem 1.1.1854 in MS angesiedelt war und fast 90 Jahre bis zur "Arisierung" 1938, Salzstr. 3/4, bestand. 1893 war er Mitglied des ,Vereins zur Abwehr des Antisemitismus". Außerdem war er von 1898 bis 1906 Mitglied des "Comités für Errichtung eines Asyls für jüdische Kranke und Altersschwache in Westfalen" (Grundsteinlegung 1904 in Unna) und 1899 Mitglied der ,Abendgesellschaft des Zoologischen Gartens". 1908 zählte er zum Repräsentantenkollegium der Synagogengemeinde MS. Im Jahre 1923 gehörte er dem "Verein der Kaufmannschaft" an und war 1927 einer von zwölf Beisitzern aus dem Stande der Kaufleute im Kaufmannsgericht. Aufgrund der NS-Maßnahmen war das Geschäft vor 1938 erheblich zurückgegangen, und ein Teil der Geschäftsräume mußte vermietet werden. Am 24.1.1941 wurde die Firma aufgrund der "Verordnung über den Einsatz des jüdischen Vermögens" 7,5 % unter dem "festgestellten mäßigen Verkehrswert" verkauft. Sein Vermögen wurde per "Sicherungsanordnung" am 28.10. 1938 gepfändet, so daß er nur einen begrenzten Zugriff auf das durch "Arisierung" der Firma erlangte Geld hatte. Er wurde unterstützungsbedürftig. Mit 85 Jahren verstarb er, sein Grab befindet sich auf dem jüd. Friedhof in MS.

∞  9.5.1887 Mannheim
EHEFRAU
Johanna geb. Abenheimer
3.3.1865 Mannheim - 30.1.1925 MS
E: Heinrich (?) Abenheimer u. Henriette geb. Abenheimer (13.1.1842 Vendenheim -  4.2.1917 MS)
G: Hedwig ∞ Feibes (15.6.1868 Vendenheim - 7.6.1944 USA); Siegfried (?) (* 28.4.1872)
Ihre Mutter verstarb 1917 bei einem Besuch in MS. Johanna F. war 1906 Mitglied des "Israelitischen Frauenvereins" in MS. Auf dem jüd. Friedhof in MS ist ihr Grab erhalten geblieben.

KINDER
Rosa
8.4. 1888 MS - 10.7.1972 Australien
Sie besuchte das Realgymnasium und studierte vom Sommersemester 1912 bis 1914 an der Philosophischen Fakultät der Univ. MS als einzige Jüdin unter 196 Frauen und 1.965 Männern (davon 13 jüdische). Heiratete am 2.8.1914 in MS den in Karlsruhe ansässigen Dozenten Dr. phil. Fritz Thies (* 7.9.1889 Laaken/Schwelm) und hatte drei Kinder (Wolfgang/Artur ? * 10.11.1918, Hans * 13.9.1921 und Beate * 17.3.1927). Vor ihrer Auswanderung lebte sie in Aachen. Emigrierte mit ihrer Familie nach Australien, wo sich später auch ihr Bruder Fritz niederließ.

Erich, Dr. med.   
* 7.8.1890 MS, lebte 1950 in den USA
Kinderarzt. Legte 1910 auf dem Paulinum, das er seit dem Jahr 1900 besucht hatte, sein Abitur ab. Seit dem Wintersemester 1911 studierte er Medizin an den Universitäten in Freiburg, München, MS und Berlin. Seine Approbation erhielt er am 2.3.1916 und verzog nach Dortmund. Am 21.6.1921 promovierte er an der Univ. Marburg zum Thema "Über Osteomyelose und Unfall". Er heiratete Gertrud geb. Herz (* 24.6.1901 Aachen) und hatte zwei Söhne (Walter * 26.1.1928 und Werner * 15.11.1929). Er praktizierte in Aachen und wurde dort während des Novemberpogroms verhaftet und ins KZ Buchenwald verbracht. Nachdem er mit seiner Familie in die USA emigriert war, wurde  er am 24.7.1940 aus dem Deutschen Reich ausgebürgert.

Fritz (Heinrich)
10.5.1892 MS - 27.8.1970 Australien

aus:  Korrigenda- und Ergänzungsliste zum Biographischen Lexikon, August 2001

S. 5-6
FEIBES
Julius (Simon)
Mit seinem Sohn Fritz war er Mitinhaber der Fa. "J.M. Feibes" (Textil-, Kurzwarengroßhandlung und Haushalts- und Spielwaren), die seit 1849 in MS angesiedelt war und fast 90 Jahre bis zur "Arisierung" 1938, Salzstr. 3/4 bestand.
KINDER (u.a.)
Erich Dr. med.
7.8.1890 MS - 11.4.1981 USA
Er heiratete am 6.12.1925 Gertrud Herz. Der Sohn Walter war Professor für Mathematik, der Sohn Werner Architekt in den USA.

 


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