L21 Davids, Alfons Aron
 20.03.1902 - 18.06.1972

פ''נ
אהרון ב''ר מאיר

[Hier ruht
Aaron, der Sohn des Herrn Meir.]

Alfons Aron Davids
20.3.1902 - 18.6.1972
Lieselotte Davids
geb. Lesser
7.6.1911 -19.8.1983
תנצב''ה

 

aus: Gisela Möllenhoff / Rita Schlautmann-Overmeyer, Jüdische Familien in Münster 1918 – 1945. Teil I Biographisches Lexikon, Münster  ²2001

S. 102-104
DAVIDS
Alfons    

20.3.1902 Hüls/Krefeld - 18.6.1972 Altenberge/Steinfurt
E: Max Davids, Anstreicher, (* 25.2.1866 Hüls) u. Therese geb. Kaufmann (17.8.1867 Eschweiler - 15.1.1941 MS)
G: Ella ∞ Bacharach, Essen, (* 3.6.1893 Hüls, emigrierte in die USA); Fritz, Essen, (4.6.1897 Hüls - 31.7.1945 England)
Kaufmann. Wohnte vom 1.6.1929 bis zum 22.3. 1933 als Verkäufer in Duisburg. War danach vermutlich als Vertreter in Essen tätig, wo seine Schwester verheiratet und sein Bruder Prokurist der Fa. "Bacharach & Co." war. Im Januar 1936 verzog er nach MS und heiratete im Juni 1936 Lieselotte Lesser, Verkäuferin im Korsettgeschäft "Helene Davids & Co.". Seine Tante Rosa Marcus war Inhaberin dieses Betriebes, er selbst zu 10 % daran beteiligt. Da seine berufliche Situation in Deutschland aussichtslos war, entschloß er sich im Mai 1938 zur Emigration nach Palästina und beantragte zu diesem Zweck 1.000 Palästina-Pfund als "Vorzeigegeld" ("Kapitalistenzertifikat"). Zum Ankauf der Devisen sollte u.a. der Geschäftsanteil an der Fa. "Helene Davids & Co." verkauft werden. Im Jahre 1938 wurde das Ehepaar Davids Eigentümer des Hausgrundstückes Friedensstr. 8, das allerdings zur Hälfte mit Hypotheken belastet war und im März 1939 zwangsweise verkauft werden mußte. Im Februar 1939 wurden Alfons D. und seine Ehefrau inhaftiert und wegen "Devisenvergehens" im Sinne der NS-Gesetzgebung angeklagt, begangen mit Hilfe eines niederländischen Mittelsmannes, der ebenfalls in Haft genommen wurde. Alfons D. wurde in Untersuchungshaft in Meppen festgesetzt und zu 3.000 RM Geldstrafe verurteilt. Nach seiner Entlassung zog er am 25.11.1939 ins "Judenhaus" Frie-Vendt-Str. 18, Eigentum von Jakob Mildenberg, wo seine Ehefrau bereits seit dem 7.8.1939 Unterkunft gefunden hatte. Von dort gelang am 23.12. 1939 ihre sechsmonatige Flucht über Wien und Preßburg per Schiff donauabwärts nach Haifa, wo die englische Mandatsregierung die Aufnahme der Flüchtlinge verweigerte und sie zur Insel Mauritius weiterleiten wollte. Da Alfons D. an Typhus erkrankt war, wurde er unter militärischer Bewachung im Hospital in Haifa aufgenommen. Seine Ehefrau, die zum Weitertransport bestimmt war, weigerte sich erfolgreich. Beide wurden am 17.5.1940 aus dem Deutschen Reich ausgebürgert. Nach der Genesung wurde das Ehepaar weitere sechs Monate im Internierungslager Atlit bei Haifa unter Bewachung englischer Soldaten gehalten, bis eine Genehmigung zum Aufenthalt im Lande erteilt wurde. In Tel Aviv baute er mit Hilfe seiner Frau nach dem Krieg eine Leihbibliothek für deutschsprachige Emigranten auf. Er kehrte erstmals für 18 Monate von November 1956 bis April 1958 nach MS zurück, lebte zwischenzeitlich jedoch in Israel. Sein Grab befindet sich auf dem jüd. Friedhof in MS.

∞  29.5.1936 MS
EHEFRAU
Lieselotte geb. Lesser
7.6.1911 Beckum - 19.8.1983 Waldshut
E: Moritz Lesser (12.5.1880 Mlynitz/Kr. Thorn - 16.1. 1943 Ghetto Theresienstadt) u. Adele geb. Weinberg (27.4.1883 Rabber/Kr. Wittlage - 5.4.1934 MS, Freitod)
G: Herbert ( 6.1.1908 Beckum - Ghetto/KZ Riga)
Kaufmännische Angestellte. Kam 1915 während des 1. WK als Vierjährige von Beckum mit ihrer Mutter nach MS, wo diese ein Konfektionsgeschäft in der Hagedornstr. 2 aufbaute. Sie wuchs Hagedornstr. 20 (1921) und Friedensstr. 8 (vor 1929) auf. Nach dem Besuch der jüd. Volksschule von 1918 bis 1921 war sie bis zur Mittleren Reife 1927 Schülerin der Freiherr-vom-Stein-Schule. Danach folgte ein einjähriger hauswirtschaftlicher Lehrgang in der Frauenschule MS und 1928 eine gymnastische Vorbereitungsschulung in Wiesbaden bei einer diplomierten Gymnastiklehrerin. Lieselotte D. kehrte 1929 nach MS zurück, um ihre Ausbildung zur Gymnastiklehrerin fortzusetzen. Sie konnte diese aufgrund der weiteren Geschehnisse während der NS-Diktatur nicht mehr beenden. Der Boykott des elterlichen Herrenbekleidungshauses "Moritz Lesser", das im November 1932 mit erheblichen Investitionen vergrößert und von der Salzstr. 16 zum Prinzipalmarkt 38/39 verlegt worden war, traf die Kaufmannsfamilie im März/April 1933 hart. Lieselotte D. fand eine Anstellung als Verkäuferin und Kassiererin im Korsetthaus "Helene Davids & Co.", Prinzipalmarkt 37. Dort lernte sie ihren Mann kennen, der ein Neffe der Inhaberin Rosa Marcus war. Sie behielt diese Tätigkeit bis zur Demolierung und Zwangsschließung des Geschäftes nach dem Novemberpogrom 1938. Danach gab es keine Erwerbsmöglichkeit mehr. Am  15.12.1938 erfolgte der Verkauf des Hauses Friedensstr. 8, der im März 1939 genehmigt wurde. Ihr Konto wurde zur Sicherung der nach dem Novemberpogrom erhobenen NS-"Sühneabgabe" von 4.200 RM und für die im April zusätzlich aufgebürdete "Wertzuwachssteuer" gepfändet. Nach der Anklage wegen angeblichen "Devisenvergehens" erfolgte ihre Inhaftierung in Meppen von Anfang Februar bis August 1939. Sie wurde darüberhinaus mit einer Geldstrafe von 1.000 RM belegt. Nach ihrer Rückkehr wohnte sie seit dem 7.8.1939 im "Judenhaus" Frie-Vendt-Str. 18. Während ihrer Internierung im Lager Atlit bei Haifa wurde sie von Gerda Grabe, einer Freundin aus Münsteraner Tagen, die sich bereits seit 1934 in Palästina aufhielt und von ihrem Aufenthalt im Lager erfahren hatte, mit Lebensmitteln und Kleidung versorgt. Lieselotte D. arbeitete zunächst in einer Kleiderfabrik im Akkord, erwarb später eine eigene Nähmaschine und war als selbständige Schneiderin tätig. Sie war in den 1950er Jahren mehrmals zu Besuch und zu längeren Aufenthalten in MS, kam am 29.4.1958 von Israel zur Windthorststr. 19 und verzog im Februar 1960. Sie verstarb bei einem Erholungsaufenthalt im Schwarzwald und wurde im Familiengrab neben ihrem Ehemann und ihrer Mutter auf dem jüd. Friedhof in MS beigesetzt.


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