L20 Weiß, Hermann
 31.12.1875 - 25.05.1934

פ''נ
Hermann Weiß
geb. 31. Dez. 1875
gest. 25. Mai 1934
תנצב''ה

 

aus: Gisela Möllenhoff / Rita Schlautmann-Overmeyer, Jüdische Familien in Münster 1918 – 1945. Teil I Biographisches Lexikon, Münster  ²2001

S. 494-495
WEISS
Hermann 
   
31.12.1875 Berlin - 25.5.1934 MS
Wohnte bis 1921 in Bromberg in der ehemaligen preußischen Provinz Posen, die nach dem großpolnischen Aufstand (27.12.1918) erobert und im Versailler Vertrag ohne Abstimmung an Polen fiel. 1921 bis 1923 hielt er sich deshalb mit seiner Familie in den Flüchtlingslagern in Frankfurt/O., Guben/Niederlausitz und Zossen bei Berlin auf, ehe er 1923 in MS als Gemeindediener eine Anstellung fand. Er wohnte in einer Dienstwohnung der Marks-Haindorf-Stiftung Am Kanonengraben 4, verstarb 1934 in MS im Alter von 58 Jahren und liegt auf dem jüd. Friedhof begraben.

EHEFRAU
Berta geb. Hirschfeld
25.6.1875 Bromberg/Posen - 17.4.1944 Ghetto Theresienstadt
Sie wohnte seit 1923 in MS, Am Kanonengraben 4, wo ihr Schwiegersohn Ludwig Goldberg die Nachfolge ihres Mannes als Gemeindediener antrat. Bei der Volkszählung im Mai 1939 war sie im Haushalt der Tochter Henriette gemeldet. Nach der Deportation ihrer Tochter mit Ehemann und drei Kindern nach Riga am 13.12.1941 bewohnte sie seit Februar 1942 mit der Arztwitwe Hedwig Rosenberg ein gemeinsames Zimmerchen im mittlerweile zum "Judenhaus" bestimmten Gebäude Am Kanonengraben 4. Alle Bewohner des Hauses bis auf die Familie von Dr. Erich Simons wurden am 31.7. 1942 nach Theresienstadt deportiert. Bertha W. hatte die Transport-Nr. XI/1-898. Sie erlag am 17.4. 1944 den Lagerbedingungen.

KINDER
Frieda (Friedel)
4.10.1900 Bromberg/Posen - KZ Auschwitz
Wohnte bei ihren Eltern Am Kanonengraben 4. War am Stadttheater Sängerin und sang an den Feiertagen Soli im Synagogengottesdienst. 1939 war sie bereits aus MS verzogen. Sie wurde von Köln deportiert und in Auschwitz ermordet.

Henriette (Betty) ∞ GOLDBERG, Ludwig
27.3.1902 Schwedenhöhe - Ghetto/KZ Riga

Hans
15.7.1911 Bromberg/Posen - nach 1967 Israel (?)
Lehrer. Kam 1923 als Zwölfjähriger mit seinen Eltern nach MS und wohnte mit diesen in der Marks-Haindorf-Stiftung. Er war Mitglied des Synagogenchores und fungierte bereits als 13jähriger an den Festtagen als Hilfskantor unter Oberkantor Daniel Holzapfel. Rabbiner Dr. Fritz L. Steinthal vermittelte den 18jährigen 1929 an die "Israelitische Lehrerbildungsanstalt" nach Würzburg, der einige Jahre später einzigen jüd. Lehrerbildungsanstalt im Deutschen Reich. Dort erhielt er eine Ausbildung zum Lehrer für jüd. Volksschulen und zum Vorbeter; das Examen bestand er 1932. Anschließend war er als Lehrer, Kantor und Prediger in verschiedenen Gemeinden tätig, u.a. 1936 - 1939 in Bingen. Nach dem Novemberpogrom wurde er sechs Wochen im KZ Buchenwald inhaftiert und konnte, nachdem er mit der Absichtserklärung, auswandern zu wollen, freigekommen war, in die chinesische, von Japanern besetzte Hafenstadt Shanghai flüchten. Da dort kein Visum erforderlich war und die Japaner eine projüdische Politik betrieben, wurde Shanghai Zufluchtsort für Flüchtlinge aus Deutschland, Österreich und Polen. In den 1960er Jahren war er Musiklehrer an israelischen Volksschulen und Kantor an hohen Feiertagen. Er bemühte sich 1967 um eine eventuelle Rückkehr nach MS.

 


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