L159 Salm, Ludwig
 05.04.1879 - 13.04.1926

Ludwig Salm
geb. 5. April 1879,
gest. 13. April 1926.

 

aus: Gisela Möllenhoff / Rita Schlautmann-Overmeyer, Jüdische Familien in Münster 1918 – 1945. Teil I Biographisches Lexikon, Münster  ²2001

S. 375-376
SALM
Ludwig    

5.4.1879 Köln - 13.04.1926 MS
Kaufmann. Nach seiner Ausbildung zum Opernsänger (Tenor) trat er unter seinem Künstlernamen "Guiseppe Anselmi" in internationalen Inszenierungen von Verdi-Opern auf, die ihn u.a. nach Mailand und New York führten. Während seines Aufenthaltes in MS wohnte er im Hause der Schwiegereltern, Wolbecker Str. A 3. Er verstarb 47jährig im Clemenshospital an Kehlkopfkrebs. Sein Grab befindet sich auf dem jüd. Friedhof in MS.

EHEFRAU
Tony (Helene) geb. Nathan
27.10.1896 MS - 23.5.1958 Bad Neuenahr
E: Levy Nathan, Viehhändler, (24.4.1863 Billerbeck - 4.2.1924 MS) u. Bella geb. Rosenberg (18.10.1862 MS - 16.12.1939 MS)
G: Irma ∞ Gumprich (1.5.1898 MS - KZ Auschwitz); Johanna ∞ Rosenberg, Lünen (*10.12.1899, lebte 1950 in den USA)
Sie wuchs Wolbecker Str. A 3 (heute Schaumburgstraße) auf und wurde Schülerin des Ev. Lyzeums. Nach ihrer Heirat begleitete sie ihren Ehemann auf seinen Tourneen. 1926 wurde sie mit 29 Jahren Witwe. Bei ihrer zweiten Eheschließung 1929 konvertierte sie zum Katholizismus. Der Ehe entstammten drei Söhne. 1936 wurde ihrem Ehemann aufgrund seiner Gegnerschaft zu Hitler und ihrer Abstammung die Tätigkeit als Steuerberater verboten. Daraufhin verlegte er sich auf Grundstücks- und Hypothekenvermittlung, bis ihm auch diese Tätigkeit ab dem 1.12.1938 untersagt wurde. Auch Veröffentlichungen von Artikeln über Steuer- und Berufsfragen wurden wegen Nichtzugehörigkeit zur "Reichsschrifttumskammer" unmöglich. Nach einer Erkundungsreise mit Sondierung von Berufsmöglichkeiten in Kanada und in den USA wurden die Auswanderungspläne der Familie 1938 vorerst aufgegeben. Drei Koffer wurden für die spätere Emigration dennoch im Dominikanerkloster in Köln zur Aufbewahrung abgestellt und von den Mönchen später ins Kloster nach Venlo gebracht. Dort fielen sie nach der Okkupation des Landes der Gestapo bei einer Hausdurchsuchung in die Hände und wurden als deutsches Eigentum konfisziert. Nach der Bombenzerstörung des Hauses in MS wurden die Kinder in verschiedenen Heimen untergebracht, wo ihre Herkunft geheim blieb. Der Ehemann wurde 1943 von der Gestapo gesucht. Mittels gefälschter Ausweise und durch ständigen Wohnortwechsel in Süddeutschland entging er einer Verhaftung. Seit Anfang 1944 lebte Tony S. ohne Anmeldung in der Nähe von Delbrück. Nach polizeilicher Aufforderung meldete sie sich als Toni Helene geb. Valkan an und konnte bis Ende des Krieges drohender Zwangsarbeit bzw. Deportation durch Untertauchen auf Bauernhöfen entgehen.

 


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