L133 Weinberg, Bertha
 29.09.1836 - 09.06.1910

Hier ruht
meine liebe Frau,
unsere gute Mutter
Bertha Weinberg
geb. Rosenbaum.
Geb. 29. Sept. 1836
zu Warstein
gest. 9. Juni 1910 zu Münster
Ruhe in Frieden!

 

aus: Gisela Möllenhoff / Rita Schlautmann-Overmeyer, Jüdische Familien in Münster 1918 – 1945. Teil I Biographisches Lexikon, Münster  ²2001

[Aufgrund der zeitlichen Begrenzung des Lexikons ist kein eigener Lexikoneintrag vorhanden. Unter folgendem Eintrag ist die Person genannt:]

S. 491-493
WEINBERG
Josef
22.11.1875 MS - 10.9.1944 Ghetto Theresienstadt
E: Jacob Weinberg (20.3.1843 Walstedde - 27.5.1911 MS) u. Bertha geb. Rosenbaum (15.11.1836 Warstein - 9.6.1910 MS)
G: Moritz (* 26.7.1867 Hamm); Johanna ∞ Küchler (*10.3.1871 Hamm, emigrierte in den 1920er Jahren in die USA); Julius (*22.8.1873 MS, emigrierte 1898 in die USA)

Er übernahm zum 1.9.1899 den Althandel seines Bruders Moritz Sonnenstr. 80, ab 1910 auch den seines Vaters mit Sortimentserweiterung: Gebrauchtkleidung, Schuhe, Uniformen, Waffen, Möbel und Öfen; An- und Verkauf von Gold- und Silberwaren. Ab 1914 betrieb er zusätzlich ein Verleih-Institut für Gehrockanzüge. Die Krankheit seiner Ehefrau seit Mitte der 1920er Jahre, die bis zur Invalidität führte, verursachte eine zunehmend schwierigere finanzielle Situation, so daß er 1929 zur Verpfändung von Goldwaren an die Sparkasse MS gezwungen war. Vor 1936 mußte er auch das Haus Sonnenstr. 80 verkaufen und war als Vertreter in Textil- und Schuhwaren tätig. Wohnte Gereonstr. 21 (1936), Am Haverkamp 42 (bis zum 30.9.1938) und kurzfristig Hammer Str. 264. Nach dem Novemberpogrom 1938 erfolgte der Umzug zur Marks-Haindorf-Stiftung (späteres "Judenhaus"), wo er bis zur Deportation am 31.7.1942 nach Theresienstadt verblieb. Im Ghetto Theresienstadt erlag er zwei Jahre später den Lagerbedingungen.

 ∞ 28.12.1909 Koblenz
EHEFRAU
Lisette geb. Siegmann
26.8.1884 Mogendorf/Unterwesterwald - 11.9.1942 Ghetto Theresienstadt
E: Isaak Siegmann u. Therese geb. Haas
Geschäftsinhaberin. Betrieb einen Handel mit ,Trödel und unedlen Metallen" Sonnenstr. 80, der von ihrem Ehemann Josef übernommen wurde. War seit Ende der 1920er Jahre krank und später ans Bett gefesselt. Am 31.7.1942 wurde sie nach Theresienstadt deportiert und verstarb dort bereits sechs Wochen nach ihrer Ankunft.

KINDER
Hedwig
* 14.10.1910 MS, lebte 1991 in den USA
War 1921/22 auf dem Ev. Lyzeum, dann auf der jüd. Volksschule. Zu Ostern 1925 war sie die einzige jüd. Schülerin (von 117) auf der Handelsschule, wurde jedoch im Sommer 1925 abgemeldet. 1938 war sie als Hausgehilfin tätig. Ca. 1940/41 mußte sie Zwangsarbeit in einer Fabrik (Trockenkartoffelfabrik Westbevern-Brock ?) leisten. Da ihre Mutter gelähmt war, wurde sie von der ersten Deportation, die die "arbeitsfähigen Juden" am 13.12.1941 in das Ghetto Riga brachte, zur Pflege der Mutter zurückgestellt. Am 31.7. 1942 gelangte sie mit den Eltern nach Theresienstadt (Transport-Nr. XI/1-895). Dort arbeitete sie in der Küche. Sie gehörte zu den 19.000 von ehemals 140.000 Juden, die von der Roten Armee am 8.5. 1945 befreit wurden. Mitte 1945 kehrte sie zunächst nach MS, Schubertstraße, zurück, in der Hoffnung, ihre nach Riga deportierten Geschwister wiederzufinden. Sie emigrierte 1946 zu den Geschwistern in die USA. Dort heiratete sie.

Bertha
* 20.12.1912 MS, emigrierte in die USA
War 1921/22 Schülerin auf dem Ev. Lyzeum. Sie lebte vor April 1939 außerhalb Münsters, zog dann zu ihren Eltern in die Zweizimmerwohnung Am Kanonengraben 4 und konnte am 21.1.1940 in die USA entkommen.

Irmgard (Irma)
* 10.10.1914 MS, lebte 1994 in den USA
Verkäuferin. War von ca. 1921/22 bis 1929 Schülerin der Freiherr-vom-Stein-Schule bis zur Untertertia, und besuchte dann die Verkäuferinnenfachschule (Handelslehranstalten). Diesen Beruf übte sie anschließend aus. Als sie im Februar 1938 eine Emigrationsmöglichkeit suchte, fand sich ihre vor Jahrzehnten emigrierte Tante Johanna Küchler bereit, ihr ein "Affidavit" als Haustochter zu besorgen. Sie heiratete im September 1941 in Brooklyn Rudy Heilbrunn.

Alfred
24.9.1915 - 22.10.1915

Walter
17.4.1917 MS - gefallen 1944 Frankreich
Wanderte 1937 mit Hilfe von Verwandten des Vaters in die USA aus. Arbeitete bei "Macy's" in New York und heiratete im September 1941 in einer Doppelhochzeit mit seiner Schwester Irma in Brooklyn Lillian Bermann. Seit 1941 diente er in der amerikanischen Armee. Er fiel 1944 im Kampf gegen NS-Deutschland in Frankreich. Sein Andenken wird auf der Gedenktafel der gefallenen Angestellten des Kaufhauses "Macy´s" in New York gewahrt.

Ruth
* 22.9.1918 MS, lebte 1994 in den USA
Hausgehilfin, "Arbeiterin" (1941). Nach dem Novemberpogrom war sie vom 10.12.1938 bis zum 6.1.1939 in Osnabrück gemeldet und fand, nachdem sie zwischenzeitlich in die elterliche Wohnung nach MS zurückgekehrt war, für zweieinhalb Monate eine Arbeit als Hausangestellte in Bielefeld (31.7. - 17.10.1939). Danach verblieb sie in MS und wurde zur Arbeit zwangsverpflichtet. Mit ihrem Bruder Siegfried gelangte sie mit der ersten münsterischen Deportation am 13.12.1941 ins Ghetto Riga und wurde dort bei Auflösung des Ghettos in der "Kasernierung" Lenta, einer ehemaligen Textilfabrik, zur Arbeit unter NS-Bewachung verpflichtet. Als auch dieses Lager wegen des Vorrückens der russischen Truppen aufgelöst wurde (29.7.1944), erfolgte am 1.10.1944 per Schiff ihr Transport in das KZ Stutthof bei Danzig, wo sie mit der Nummer 94.178 registriert wurde. Am 14.7.1945 gelangte sie zurück nach MS, fand ihre Schwester Hedwig und wohnte mit dieser bis zur gemeinsamen (?) Auswanderung am 10.5.1946 in die USA in der Schubertstr. 3. Ein früherer Nachbar hatte die Familienfotos aufbewahrt. Über ihre Erlebnisse während der KZ-Haft sprach sie auch mit den Geschwistern nicht. Sie lebte 1994 als Ruth Radin in den USA.

Siegfried
19.10.1919 MS - September 1994 USA
Schüler der jüd. Volksschule und des Städt. und Realgymnasiums (1930/32). Mitglied im "Bund Deutsch-Jüdischer Jugend". Er fand nach einem zweimonatigen Krankenhausaufenthalt 1934 im NS-Staat keine Ausbildungsmöglichkeit und hielt sich bei seinen Eltern auf. Von Mai 1937 bis zum 12.10. 1938 arbeitete er in Frankfurt/M. gegen 15 RM Monatslohn in einer Seifenfabrik. Er nahm an einem Sportschulungskurs des RjF "Der Schild" teil und gehörte der Schachabteilung an. Kehrte nach MS zurück und wurde nach dem Novemberpogrom für ca. eine Woche im Polizeigefängnis inhaftiert. Ab Mitte 1939 war er zu Zwangsarbeit im Tiefbau am Dortmund-Ems-Kanal und an der Schleuse verpflichtet. Er plante eine Emigration in die USA und war mit einer hohen Nummer beim amerikanischen Konsulat registriert. Aufgrund der Aussichtslosigkeit bereitete er gleichzeitig eine Emigration nach England vor, war aber aufgrund fehlender Mittel auf Unterstützung von Verwandten angewiesen. Das Reisegeld erreichte ihn an dem Tag, als der deutsche Überfall auf Polen den 2. WK auslöste (1.9.1939). Ein Versuch, mit dem Zug über die niederländische Grenze zu gelangen, scheiterte am 3.9.1939, so daß er nach MS zurückkehrte. Am 13.12.1941 wurde er nach Riga deportiert und neun Tage später zum Aufbau des KZ Salaspils abkommandiert. Am 20.5. 1942 kam er nach Sauls-Darzo (Sonnengarten), einem Außenlager des KZ Riga-Kaiserwald. Dort wurde er zum Tode verurteilt, in Riga ins Ghettogefängnis gesteckt, zu Stockhieben begnadigt und nach Sauls-Darzo zurückverlegt. Seit dem 1.3.1943 befand er sich in der "Kasernierung" Lenta zur Arbeit in der Autoreparaturwerkstatt des SD. Als sich im Sommer 1944 russische Truppen Lettland näherten, wurde er in Riga dem aus Letten bestehenden Arbeitskommando "SS-Abbruch" zugeteilt, weil einer der jüd. Arbeiter ausgefallen war. Mit seinen fünf Kameraden gelang ihm am 13.7.1944 die Flucht. Drei Monate hielten sie sich auf dem Dachboden eines Möbellagers versteckt. Nachts organisierten sie Nahrungsmittel aus der Küche, bis sie durch eine Bedienstete entdeckt und mit deren Hilfe versorgt wurden. Am 13.10.1944 wurden sie zwar durch die Rote Armee befreit, doch war die Freiheit nur von vorübergehender Dauer. Im Internierungslager wurde Siegfried W. am 4.1.1945 einem Verhör unterzogen und für dreieinhalb Jahre in Murmansk und Swerdlowsk ohne Anklage bei Zwangsarbeit inhaftiert. Ihm wurden Kontakte zur amerikanischen Botschaft in Moskau, die er zwecks Ausreise zu seinen Geschwistern aufgenommen hatte, vorgeworfen. Im Juli 1948 hielt er sich in einem Entlassungslager auf, wo er gute Verpflegung erhielt. Wurde im August 1948 nach MS entlassen und erhielt eine Unterkunft in der Heerdestr. 27. Ein Jahr später, am 22.9.1949, emigrierte er zu seinen Geschwistern in die USA. Dort betätigte er sich aktiv in der "Society of Survivors of the Riga Ghetto". Er war mit einer Amerikanerin verheiratet und hatte zwei Kinder. Vor der Veröffentlichung seiner Lebenserinnerungen verstarb er 1994 plötzlich.

Rudolf
24.11.1922 MS - USA
Kaufmännischer Lehrling. Schüler der jüd. Volksschule und Mitglied im "Bund Deutsch-Jüdischer Jugend". Am 10.12.1938 emigrierte er in die USA. 

 


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