L121 Weinberg, Abraham
 02.06.1850 - 25.11.1913

פ''נ

Abraham Weinberg
geb. am 2. Juni 1850
gest. am 25. November 1913
Gott schenke Dir den ew´gen Frieden
Uns aber Trost für alle Zeit.

תנצב''ה

aus: Gisela Möllenhoff / Rita Schlautmann-Overmeyer, Jüdische Familien in Münster 1918 – 1945. Teil I Biographisches Lexikon, Münster  ²2001

S. 488-490
WEINBERG
Abraham    

2.6.1850 Wolbeck - 25.11.1913 MS
E: Levi Weinberg (ca. 1804 Telgte - 14.3.1886 MS) u. Sophie geb. Meyer (verstorben vor 1881 Wolbeck)
Handelsmann, Gastwirt (1887 - 1890). Zog von Wolbeck ca. 1882/83 nach MS. Am 26.6.1884 erwarb er für 28,50 M das Bürgerrecht der Stadt MS. Er betrieb zeitweise einen Viehhandel (ab 1885), einen Viktualienhandel (ab 1891) bzw. eine Gaststätte. 1899 war er Mitglied der "Abendgesellschaft des Zoologischen Gartens". Sein Grab befindet sich auf dem jüd. Friedhof in MS.

∞ 24.6.1879 Millingen
EHEFRAU
Karoline geb. Straus
17.4.1852 Millingen/Rees - 6.2.1940 MS
E: Israel Straus, Metzger, (21.12.1819 Millingen - 23.8. 1903 MS) u. Henriette geb. Marchand (3.6.1824 Sonsbeck - 29.1.1904 MS)
G: Bernhard (20.8.1850 Millingen - 17.5.1930 Millingen); Sophie  ∞ Bruckmann (12.1.1854 Millingen - 6.1. 1926 Krefeld); Jeanette  ∞ David (13.6.1856 Millingen - 24.2. 1893 Wesel); Bertha  ∞ Weinberg (9.10.1857 Millingen - 19.11.1898 Wolbeck); Jacob 15.10.1860 Millingen - Oktober 1936 Köln); Eva  ∞ Heidt (15.6.1863 Millingen - 27.12.1935 Elberfeld); Moritz (15.12.1864 Millingen - 7.7.1941 Dordrecht/NL); Rosa  ∞ Spier (26.10. 1866 Millingen - 3.8.1942 Ghetto Theresienstadt); Sabine (3.11. 1868 Millingen - 7.11.1942 Ghetto Theresienstadt)
Wuchs als zweitältestes von zehn Kindern in Millingen auf, zog nach ihrer Heirat 1879 nach Wolbeck und ca. drei Jahre später mit ihrem Ehemann und zwei Kindern nach MS, wo sie zunächst Mauritzstr. 5/6 (1883), Hörsterstr. 37 (1890) und dann im Eigentum Klosterstr. 21 wohnte. Ihre Eltern kamen Ende 1895 von Isselburg ebenfalls nach MS, wohnten in ihrem Haushalt und feierten ihre goldene Hochzeit im Kreis von 50 Enkelkindern. Karoline W. führte bis zum Ende des 1. WK eine bekannte koschere Pension mit Mittags- und Abendtisch, in der vorwiegend Studenten, Offiziere, Lehrer und Angestellte verkehrten. Im Jahre 1919 war sie Mitglied im "Israelitischen Frauenverein". Ihr 75. Geburtstag wurde 1927 mit der ganzen Familie gefeiert, zu ihrem 80. Geburtstag 1932 schrieb der "Münsterische Anzeiger": "Die alte Dame, die körperlich und geistig noch sehr rege ist, bringt den Ereignissen der heutigen Zeit noch großes Interesse entgegen und ist seit Jahrzehnten eine treue Leserin unseres Blattes". Im Jahre 1940 mußte sie ihre Wohnung zwangsweise räumen und wurde in das "Judenhaus" Am Kanonengraben 4 eingewiesen, wohin auch ihr Sohn Max mit seiner Frau umziehen mußte. Sie verstarb mit 87 Jahren und wurde auf dem jüd. Friedhof in MS in einer Familiengruft bestattet, in der bereits ihre Eltern und ihre Tochter Jenny beigesetzt worden waren.

KINDER
Salomon
2(3)5.8.1880 Wolbeck - 17.10.1931 Bremerhaven
Kaufmann, Verkäufer. Verzog am 13.11.1902 nach Dessau. Später war er bei der Fa. Karstadt in Potsdam Verkäufer in der Teppichabteilung. Er heuerte 1912 von Bremerhaven aus für einige Monate als Steward auf einem Schiff an und fuhr u.a. nach Shanghai, Japan und Australien. Anschließend ließ er sich in Bremerhaven nieder und stieg vermutlich in das Kolonialwarengeschäft seiner zukünftigen Frau ein. Während des 1.WK heiratete er am 11.11.1915 in Bremerhaven die nichtjüd. Auguste Leopold (* 5.7. 1883 Wagenfeld/Hasslingen). Am 16.11.1915 wurde sein Sohn Edmund geboren. Von Januar 1915 bis November 1918 war Salomon W. Soldat im 1. WK. Er konvertierte am 8.11.1925 in Wesermünde zum ev. Glauben. Im Oktober 1931 verstarb er mit 51 Jahren in Bremerhaven, seine Frau überlebte ihn um 32 Jahre (verstorben am 6.6.1963). Sein Sohn Edmund wurde am 7.6.1944 als "deutsch-jüdischer Mischling 1. Grades" von der gleichgeschalteten "Reichsvereinigung der Juden in Deutschland" aufgefordert, "auf Weisung der Aufsichtsbehörde" die Frage "umgehend" zu beantworten, ob er verheiratet sei und Kinder habe und welcher Tätigkeit er nachgehe. Er wurde daraufhin zu Zwangsarbeit im Außenkommando Farge des KZ Neuengamme herangezogen, wo er am größten Bunkerbau-Projekt des 2. WK, bei dem die Werft gegen Luftangriffe gesichert werden sollte, mitarbeiten mußte. Anschließend befand er sich im Arbeitslager Duingen bei Hildesheim, wo er von amerikanischen Truppen im April 1945 befreit wurde. 1995 lebte er in Deutschland.

Selma ∞ KESSLER, Siegfried
15.8.1881 Wolbeck - KZ Auschwitz

Ida
20.6.1883 MS - Ghetto/KZ Riga
Betrieb seit dem 1.9.1917 in der Klosterstr. 21 ein Putzgeschäft. Heiratete am 25.11.1921 in MS den Viehhändler Leo Freund (* 23.9.1891 Schwanenberg/Erkelenz) und zog mit ihm nach Schwanenberg (?), später nach Rheydt. Ihr Ehemann kam am 12.12. 1939 im KZ Sachsenhausen ums Leben. Ida F. wurde am 11.12.1941 zusammen mit ihrem Sohn Heinz (* 8.10.1922) von Rheydt über Düsseldorf ins Ghetto Riga deportiert, wo beide umkamen. 1964 wurde sie für tot erklärt.

Siegfried
20.8.1884 MS - gefallen 5.5.1915
Schneider. Verzog am 20.2.1904 nach Hannover und fiel als Gefreiter im 1. WK einige Monate, nachdem er eingezogen worden war. Sein Andenken wird durch die Inschrift auf einem Gedenkstein gewahrt, der sich in der Synagoge in MS befindet.

Louis
14.5.1886 MS - 4.3.1888 MS

Max-Moritz 30.9.1887 MS - 2.11.1943 Ghetto Riga

Frieda ∞ GIRDISKY, Samuel
4.2.1889 MS - 15.1.1980 Südafrika

Jenny (Henny)
1.8.1890 MS - 16.9.1908 Recklinghausen
Putzmacherin. Sie verzog am 29.4.1905 nach Recklinghausen und war dort als Verkäuferin bei der Fa. "H. Melchior" tätig. Stürzte als 18jährige aus einem Fenster zu Tode. Sie wurde auf dem jüd. Friedhof in MS in der Familiengruft neben ihren Großeltern begraben.

Hermann
15.11.1891 MS - 31.1.1941 Düsseldorf
Kaufmann, Kellner. Zwillingsbruder von Vera Goldschmidt. Von 1914 bis 1918 nahm er am 1. WK teil und wurde mit dem EK II ausgezeichnet. Er verzog am 20.11.1919 nach Gottesberg/Schlesien, wo er seine Ehefrau Ramona Werner (* 11.3.1892 Posen) kennenlernte. Das Ehepaar hatte 1934 ein Geschäft in Ahlen. Im August 1934 bewarb sich Hermann W. vergeblich mit 54 weiteren Bewerbern um die von der Synagogengemeinde MS ausgeschriebene Stelle eines Schammes (Gemeindediener). Er erklärte sich bereit, eine Prüfung als Schächter abzulegen und gab an, daß er bereits ,seit Jahren" privat Geflügel schlachte. Später lebte er dann in Düsseldorf. Er war vom 17.11.1938 bis zum 15.12.1938 im KZ Dachau inhaftiert und verstarb drei Jahre später in Düsseldorf. Die Spur seiner Frau verliert sich im Ghetto Minsk.

Vera (Verona) ∞ GOLDSCHMIDT, Julius
15.11.1891 MS - 3.9.1959 MS

 


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