L119 Stolzberg, Sartine
 30.01.1849 - 21.05.1913

פ''נ

Frau
Jakob Stolzberg
Sartine. geb. Reingenheim
geb. 30. Jan. 1849
gest. 21. Mai 1913.
Jakob Stolzberg
geb. 25. Jan. 1835
gest. 21. Nov. 1921.

 

aus: Gisela Möllenhoff / Rita Schlautmann-Overmeyer, Jüdische Familien in Münster 1918 – 1945. Teil I Biographisches Lexikon, Münster  ²2001

S. 459
STOLZBERG
Sartine geb. Reingenheim

30.1.1849 Westerkappeln - 21.5.1913 MS
E: Itzig Reingenheim (2.10.1817 Hopsten - 12.11.1876) u. Jettchen geb. Philipp/Marcus (7.4.1823 Westerkappeln - 26.3.1903)
Sie wohnte nach ihrer Heirat zunächst in Wolbeck, seit ca. 1877 in MS, Ludgeristr. 34, und war seit mindestens 1884 Mitglied im "Israelitischen Frauenverein". Die Mitgliedschaft wurde nach ihrem Tode von ihrem Ehemann "pietätvoll" fortgesetzt. Von ihren neun Kindern kehrte der älteste Sohn Siegfried als Kriegsinvalide aus dem 1. WK zurück, der jüngste Sohn Julius fiel in Frankreich, drei Kinder verstarben in Deutschland, drei Töchter konnten während der NS-Zeit mit ihren Familien nach Brasilien bzw. in die USA entkommen. Die Tochter Ida wurde ein Opfer der NS-Rassenideologie. Sartine St. verstarb mit 64 Jahren im Haus Goebenstr. 13, das als Stammhaus der Familie angesehen wurde, und fand ihre letzte Ruhestätte auf dem jüd. Friedhof in MS.

S. 458-460
STOLZBERG
Jacob    
25.1.1835 Wolbeck - 21.11.1921 MS
E: Philipp Stolzberg (Dezember 1787 Münzenberg/Giessen - 25.1.1877 MS) u. Caroline geb. Jacobsohn (Januar 1805 Oelde - 23.2.1881 MS)
G: Simon (4.4.1833 Wolbeck - 5.10.1906 MS)
Kaufmann, Rentner. Die Familie Stolzberg stammte aus Münzenberg/Hessen, wo der Großvater als Händler mit dem Familiennamen Simon bereits im 18. Jh. ansässig war. Der Vater Philipp, der lt. Kabinetts-Ordre vom 31.10.1845 den erblichen Familiennamen Stolzberg angenommen hatte, ließ sich um 1835 in Wolbeck nieder, während seine Söhne Simon und Jacob 1866 bzw. um 1877 nach MS übersiedelten. Jacob St. erwarb 1876 das Haus Ludgeristr. 34/Harsewinkelgasse 23 und führte dort einen Manufakturwarenhandel. Um 1901 zog er sich aus dem Geschäft zurück und verpachtete es 1909 mit Vorkaufsrecht für den Pächter. Er war von 1899 bis 1902 Repräsentant der Synagogengemeinde MS und unterstützte als Gönner und Wohltäter die jüd. Lehrerbildungsanstalt in MS (Marks-Haindorf-Stiftung). 1898 förderte er mit einem namhaften Betrag die Errichtung eines "Asyls für jüdische Kranke und Altersschwache in Westfalen", das 1904 in Unna gegründet wurde. Er verstarb 86jährig im Haus Goebenstr. 13, das er 1913 als Eigentum erworben hatte, und wurde auf dem jüd. Friedhof in MS begraben. Das Haus Ludgeristr. 34 wurde im April 1938 von der Erbengemeinschaft ein Drittel über Einheitswert verkauft. Die städt. Preisbildungskommission senkte nach einem Sachverständigengutachten den Verkaufspreis erst um 20, dann um 25%.

EHEFRAU
Sartine geb. Reingenheim
30.1.1849 Westerkappeln - 21.5.1913 MS
... [siehe Textzitat oben] ...

KINDER
Siegfried
15.4.1876 Wolbeck - 27.2.1937 Ibbenbüren

Jeanette ∞ ENGEL, Jeanette
28.12.1877 MS - 17.3.1947 USA

Ida
1.2.1880 MS - Ghetto Minsk
Die Eheschließung mit dem aus Reichensachsen gebürtigen Kaufmann Hermann (Hirsch) Heilbrunn (* 10.10.1866), der in Mülhausen/Thür. wohnte und Sohn eines dort ansässigen Pferdehändlers war, erfolgte am 28.5.1901 in MS. Die beiden Söhne Ernst (* 10.10.1902) und Alfred (* 24.2.1904) wurden in Leipzig geboren. Während die Eltern am 15.7.1942 von Hamburg aus nach Theresienstadt deportiert und in Minsk ermordet wurden, gelang es den Söhnen, in die USA zu entkommen.

Caroline (Karola)
16.4.1882 MS - 24.2.1940 Wuppertal-Barmen
Nach ihrer Heirat mit Simon Marcks (* 3.3.1877 Köln) am 7.10.1904 in MS verzog sie nach Barmen, wo am 29.12.1905 der einzige Sohn Willi geboren wurde. Da zum 1.1.1939 "jüdische Vornamen" per Gesetz zusätzlich angenommen werden mußten, kamen die Eheleute Marcks dieser Maßnahme zuvor und beantragten am 25.11.1938 die Vornamen "Billa" und "Simson", die vom Polizeipräsidenten in Wuppertal genehmigt wurden. Karola M. verstarb 1940, ihr Ehemann wurde im Herbst 1942 deportiert und in Minsk ermordet. Der Sohn flüchtete nach Süd-Rhodesien und verstarb 1979 in San Diego/USA.

Sophie ∞ SCHWARZ, Otto
5.12.1883 MS - 20.6.1946 Brasilien

Paul
11.7.1885 MS - 2.2.1942 Köln
Kaufmann. Er wuchs im Elternhaus Ludgeristr. 34 und Goebenstr. 13 auf. Während seiner Ausbildung zum Kaufmann hielt er sich u.a. in Frankfurt/M. und 1909 in Paris auf. Von Juli 1909 bis Frühjahr 1914 ließ er sich in Köln nieder, kehrte dann nach MS zurück und eröffnete eine Handelsagentur im Elternhaus, bis er im Februar 1915 ins Feld rückte und erst nach dem Waffenstillstand am 18.11.1918 nach MS zurückkehrte. Im April 1919 verzog er wieder nach Köln, wo er die Nichtjüdin Charlotte Förster (* 27.3.1893) heiratete. Er verstarb am 2.2.1942 in Köln, seine Ehefrau am 15.9.1945 in der Tschechoslowakei. Die am 1.8.1926 geborene Tochter lebte 1949 als Gisela Schmitz in Bonn, 1983 in den USA.

Rosa
17.3.1887 MS - 16.8.1963 USA
Sie heiratete am 26.8.1910 in MS den Kaufmann Max (Meyer) Rosenberg (* 18.12.1883 Großen-Buseck/Gießen), Sohn des Handelsmannes Gottschalk Rosenberg und dessen Frau Betty geb. Mayer. Von MS, Ludgeristr. 34, verzog sie im Oktober 1910 nach Hamburg, Kolonaden 47. Dort wurden ihre beiden Kinder Hans (* 1912) und Lottie (* 1924) geboren. Am 14.1.1939 wurde ihr der Zusatzname "Sara" aufgezwungen. Mit Ehemann und Kindern konnte sie rechtzeitig in die USA flüchten. Sie überlebte ihren Ehemann, der am 13.10.1948 in New York verstarb, um 15 Jahre.

Julius, Dr. jur.
26.11.1888 MS - gefallen 29.8.1914 Finstingen/Elsaß
Gerichtsreferendar. Er wuchs im Elternhaus Ludgeristr. 34 und Goebenstr. 13 auf, besuchte das Städt. Gymnasium und legte 1908 die Reifeprüfung ab. Anschließend studierte er Jura in Freiburg (1908), München und MS und bestand sein Referendarexamen am 3.7.1911. In Heidelberg wurde er am 16.1.1914 zum Thema "Die rechtliche Natur des Spendungsgeschäftes bei einem durch öffentliche Sammlung für einen vorübergehenden Zweck zusammengebrachten Vermögen" promoviert. Gleich nach Kriegsausbruch meldete er sich am 6.8.1914 als Freiwilliger und diente bei den Ulanen. Er fiel bereits drei Wochen nach Kriegsausbruch am 29.8. 1914 als Unteroffizier des 2. Bayrischen Reserve Infanterie-Regiments in Finstingen/Elsaß. Dort befindet sich sein Soldatengrab.

Else ∞ WERTHEIM, Albert
14.1.1891 MS - 1.5.1937 MS   

aus:  Korrigenda- und Ergänzungsliste zum Biographischen Lexikon, August 2001

S. 18
STOLZBERG
EHEFRAU
Sartine geb. Reingenheim

G: Reha ∞ Neter (*20.1.1851); Ida (*2.2.1855); Sophie ∞ Windmüller (20.4.1857 - 16.3.1921 Beckum); Fanny (*8.5.1859); Markus (10.10.1861 - 21.7.1921); Levy (*24.10.1862)


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