L117 Eichenwald, Camila
 05.12.1909 - 14.12.1960

פ''נ

Hier ruht unsere liebe
Camila Eichenwald
geb. Herzka
geb. 5.12.1909  verst. 14.12.1960

 

aus: Gisela Möllenhoff / Rita Schlautmann-Overmeyer, Jüdische Familien in Münster 1918 – 1945. Teil I Biographisches Lexikon, Münster  ²2001

[Aufgrund der zeitlichen Begrenzung des Lexikons ist kein eigener Lexikoneintrag vorhanden. Unter folgendem Eintrag ist die Person genannt:]

S.111
EICHENWALD
Fritz (Siegfried)
2.10.1899 Billerbeck - 1.12.1960 MS
E: Philipp Eichenwald (6.8.1863 Billerbeck - 28.2.1940 MS) u. Paula geb. Rosenberg (8.3.1867 MS - 12.11. 1937 MS)
G: Therese  Kaufmann (13.4.1897 Billerbeck - 25.12. 1944 KZ Stutt­hof); Berta  Cahn (* 6.11.1902 Biller­beck, lebte 1960 in Südafrika)
Vieh- und Pferdehändler, ,Tiefbauarbeiter". In Bil­ler­­beck betrieb Fritz E. eine Pferdehandlung und hatte gute Kontakte zu den Bauern der Umgebung. Nachdem der Grundbesitz in Billerbeck zwangs­verkauft war und Ernst E. sich mit Aus­wan­de­rungs­plänen trug, zog er 1937 mit seiner Familie und seinen Eltern nach MS in das Haus Hermannstr. 44, das später als ,Judenhaus" galt. Seine Schwiegermutter Jeanette Hertz folgte einige Zeit später. Er blieb, da er sich nicht in der Wohnung befand, in der Pogromnacht von einer Inhaftierung verschont und konnte einige Wochen bei Bauern in der Umgebung untertauchen. Wurde zur Zwangsarbeit beim Kanal­bau am Albersloher Weg herangezogen. Zunächst war die Auswanderung über die Niederlande geplant. Am 20.2.1940 erfolgte die Ausreise über Genua nach Bolivien. Sein Freund Bernhard Baer hatte der Familie ein Visum verschafft und die ,Allgemeine Treuhand-Stelle für die jüdische Auswanderung" in Berlin hatte einen Sondertransfer von 530 Dollar erwirkt. Die Kosten der Auswanderung trug sein Vater. Bei der Ankunft in Bolivien drei Wochen später (14.3.1940) besaß er nur noch wenig Geld, da in Italien das Gepäck beschlagnahmt worden war. Er erhielt zunächst Arbeit in einer Gold­mine, war dann in einem Hotel angestellt. Die Ge­sta­po MS beantragte beim Reichs­innenministerium am 6.8. 1941 die Aberkennung der deutschen Staatsangehörigkeit und beschlagnahmte die ,Lifts". Fritz E., der nach der Scheidung 1948/49 in Bolivien wiederge­heiratet hatte, kehrte mit seiner zweiten Frau Camilla geb. Herzka (* 5.12.1909 Mährisch-Ostrau) am 14.7. 1953 nach MS, Mühlenstr. 17, zurück und betrieb vom 1.5.1954 bis zum 31.12.1956 einen Viehhandel. Er erlag einem Herzinfarkt; sein Grab befindet sich auf dem jüd. Friedhof in MS. Seine zweite Ehefrau verstarb nur zwei Wochen nach ihm (14.12.1960 MS) und wurde ebenfalls auf dem jüd. Friedhof in MS be­graben­. ­

15.7.1928
EHEFRAU
Hilde geb. Hertz
30.9.1905 Beckum - 1991 Hamburg
E: Sally Hertz (4.5.1873 Ostenfelde - 18.4.1937 MS) u. Jeanette geb. Windmüller (13.8.1881 Beckum - Ghetto/KZ Riga)
G: Grete  Eichenwald (15.4.1904 Beckum - 1993 ? USA); Erna  Luchs (* 13.10.1907 Beckum, emigrierte n. Brasilien); Kurt (29.8.1909 Beckum - 28.9.1940 KZ Sach­senhausen); Robert (14.1.1915 Beckum - Ghetto/KZ Riga);
Als sie in der Pogromnacht 1938 die Jalousien in der Wohnung Hermannstr. 44 öffnete, wurde von der Straße hochgeschossen, und eine Kugel flog dicht an ihr vorbei. In der Wohnung wurden Ein­rich­tungs­gegen­stände zerstört, so daß die Familie einige Tage bei Ordensschwestern im Kolpinghaus unter­ge­bracht­ werden mußte. Hilde E. forcierte die Emigration, während ihr Mann wegen seines alten Vaters zunächst zögerte. Sie bestand darauf, daß die Kinder nicht mit einem Kinder­transport in die USA verschickt wurden, sondern die Familie gemeinsam Deutschland verließ. Sie fuhr im Februar 1940 mit ihren Kindern im Zug nach München, traf dort ihren Mann, und die Familie fuhr mit einem Dampfer von Italien nach Bolivien. Dort nahm sie eine Stelle an, um zum Lebensunterhalt beizutragen. Kehrte nach Deutschland zurück.

KINDER
Marion
* 22.5.1929 Billerbeck, lebte 1995 in Deutschland
War in Billerbeck in die Volksschule eingeschult worden, in der ihr die Lehrerin eine Ohrfeige gab, als sie zum ,Hitlergruß" den Arm heben wollte. Besuchte nach dem Umzug nach MS im Jahre 1937 die jüd. Schule. Sie emigrierte mit Eltern und Bruder am 27.2.1940 nach Bolivien. Dort setzte sie ihre Schulbildung in einer von italienischen Nonnen geleiteten Schule fort. Nach dem Tod ihres Vaters kehrte sie mit Ehemann und Tochter Ende 1961 nach Deutschland zurück.

Klaus
* 20.5.1933 MS
Emigrierte mit Eltern und Schwester am 27.2.1940 nach Bolivien.


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