L115 Heimbach, Regina
 01.05.1824 - 14.07.1916

פ''נ

Frau
Regina Heimbach
geb. Miltenberg
geb. 1. Mai 1824,
gest. 14. Juli 1916.
Die auf den Herrn harren, fassen neue Kraft,
dass sie auffliegen wie die Adler. Jes. 40,31.

תנצב''ה

 

aus: Gisela Möllenhoff / Rita Schlautmann-Overmeyer, Jüdische Familien in Münster 1918 – 1945. Teil I Biographisches Lexikon, Münster  ²2001

[Aufgrund der zeitlichen Begrenzung des Lexikons ist kein eigener Lexikoneintrag vorhanden. Unter folgenden Einträgen ist die Person genannt:]

S. 175-176
HEIMBACH
Isidor (Isaack)
6.8.1851 Laer/Steinfurt - 16.3.1927 MS
E: Moses Heimbach, Metzger in Laer, (* 26.6.1814 Laer/Steinfurt) u. Regina geb. Miltenberg (1.5.1824 Amelsbüren - 14.7.1916 MS)
G: David (* 20.5.1850 Laer); Herz (* 1.1.1853 Laer); Nathan-Heinemann (* 20.11.1854 Laer - 25.9.1942 Ghetto Theresienstadt); Sigmund-Samuel (23.8.1856 Laer - 20.8.1942 Ghetto Theresienstadt); Johanna (* 22.11.1857 Laer); Ida ∞ Platz (* 2.12.1858 Laer); Emma (* 11.2.1861 Laer); Leonhard (25.11.1862 Laer - 11.10. 1942 Ghetto Theresienstadt); Jacob-Julius (* 4.12. 1864 Laer); Benjamin-Bernard (* 22.8.1866 Laer); Salomon gen. Louis (27.2.1869 Laer - 21.9.1942 Ghetto Theresienstadt)
Metzger, später Viehhändler. Zweites von zwölf Kindern des Fleischers Moses Heimbach in Laer. Er zog mit 23 Jahren am 19.1.1875 nach MS und erwarb nach Zahlung von 28,50 M 1879 das Bürgerrecht. Anfangs wohnte er zur Miete in der Buddenstr. 13, konnte jedoch bereits um 1877 das Haus Hollenbeckerstr. 10 erwerben. Infolge prosperierenden Handels wurde er 1910 ins Handelsregister eingetragen. Seine Söhne Louis und Max traten 1914 bzw. 1925 in das Geschäft ein. Isidor H. gehörte der "Abendgesellschaft des Zoologischen Gartens" an und war seit 1893/94 Mitglied im "Verein zur Abwehr des Antisemitismus". Von 1887 bis mindestens 1917 engagierte er sich als Repräsentant für die Belange der Synagogengemeinde. 1901 lebte seine verwitwete Mutter in der Familie und starb hochbetagt im Alter von 92 Jahren an Altersschwäche. Isidor H. verstarb mit 76 Jahren und wurde auf dem jüd. Friedhof in MS neben seiner Ehefrau begraben. Seine Kinder lebten zu dem Zeitpunkt u.a. in Hamburg, Düsseldorf, Köln, Hannover und Leipzig.
...[weiter siehe Grab L 108, Isidor Heimbach]

S. 178-179
HEIMBACH 
Leonhard
25.11.1862 Laer/Steinfurt - 11.10.1942 Ghetto The­resienstadt
E: Moses Heimbach, Metzger in Laer/Steinfurt, (* 26.6. 1814 Laer) u. Regina geb. Miltenberg (1.5.1824 Amels­büren - 14.7.1916 MS)
G: David (* 20.5.1850 Laer); Isidor (6.8.1851 Laer - 16.3.1927 MS); Herz (* 1.1.1853 Laer); Nathan-Heine­mann (20.11.1854 - 25.9.1942 Ghetto Theresienstadt); Sigmund-Samuel (23.8.1856 Laer - 20.8.1942 Ghetto Theresienstadt); Johanna (* 22.11.1857 Laer); Ida ∞ Platz (* 2.12.1858 Laer); Emma (* 11.2.1861 Laer); Jacob-Julius (* 4.12.1864 Laer); Benjamin-Bernard (* 22.8.1866 Laer); Salomon gen. Louis (27.2.1869 Laer - 21.9. 1942 Ghetto Theresienstadt)
Leonhard H. entstammte einer Familie, die während der napoleonischen Zeit 1812 in Laer/Steinfurt heimisch geworden war und eine Metzgerei sowie Vieh­­­handel betrieb. Er war das neunte von zwölf Kindern, von denen seine Brüder Isidor und Sig­mund-Samuel in MS ansässig wurden. Er selbst kam von Laer mit seiner Ehefrau am 26.6.1940 nach MS zur Salzstr. 3 (,Judenhaus"), zog jedoch am 23.8. 1940 wieder nach Laer zurück. Am 31.7.1942 wurde er mit der Transport-Nr. XI/1-787 ins Ghetto Theresienstadt deportiert und kam dort am 11.10. 1942 um.

EHEFRAU
Nettchen (Schönchen) geb. Rosenthal
* 13.5.1866 Ibbenbüren
Sie kam zwar zusammen mit ihrem Ehemann am 26.6.1940 nach MS, doch verblieb sie bis zum 29.10. 1940 im Hause Salzstr. 3. Kehrte dann nach Laer zu ihrem Ehemann zurück.

KINDER
Sophia Hildegard
25.9.1898 Laer - 30.12.1987 Mettmann

Frieda ∞ ROTHSCHILD, Emil
18.12.1900 Laer - 1944/45 KZ Stutthof

Werner
10.5.1903 Laer - KZ Auschwitz
Wuchs in Laer auf. Heiratete 1930 in Berlin-Schöne­berg und wurde von dort deportiert.

Emilie
2.12.1906 Laer - Ghetto/KZ Riga
Hausgehilfin, ,Arbeiterin", unverheiratet. Wuchs in Laer, Dorf 86 (heute Pohlstr. 14), auf. Verdiente sich ihren Lebensunterhalt durch Arbeit im Haushalt, die sie in den 1920er Jahren im rheinisch-westfälischen Raum u.a. in Dülken, Düsseldorf, Warendorf und Moers fand. Zwischen 1931 und 1935 hielt sie sich in Beckum und Berlin auf und war zur ,Hausdame" avanciert. Am 5.5.1939 kam sie von Laer nach MS und blieb bis zum 29.8.1940. Sie war zunächst bis zur Emigration der Familie Hausgehilfin im Hause von à Siegfried Gumprich, Grevener Str. 6, und arbeitete seit dem 30.8.1939 für ein Jahr in der Salzstr. 3 (,Judenhaus") bei einer der dort untergebrachten Familien. Sie kehrte nur vorübergehend nach Laer zurück und wurde, da die Arbeitsämter Anweisung erhielten, arbeitslose Juden in Arbeitsstellen zu vermitteln, nach Borghorst verwiesen, wo sie als ,Arbeiterin" in der Woortstr. 5 wohnte. Am 13.12.1941 wurde sie über MS nach Riga deportiert und kam dort ums Leben.

Hedwig   
9.4.1912 Laer - Ghetto/KZ Riga
Verkäuferin, Hausgehilfin. Wuchs als jüngstes von fünf Kindern in Laer auf. Kam in der Hoffnung auf Arbeit von Beckum am 3.11.1936 nach MS, wo sie nicht registriert war. Vermutlich verzog sie vor April 1938. Sie heiratete am 9.10.1939 in Laer Walter Perlstein (* 6.8.1903 Dorsten) und bekam eine Tochter Reha (* 27.10.40 Dorsten ?). Ihr Mann wurde zur Zwangsarbeit herangezogen. Das Ehepaar stand zunächst, vermutlich wegen des Kleinkindes, nur auf der Zusatzliste des Riga-Transportes vom 13.12. 1941. Dort war Hedwig P. nur mit dem Vornamen ,Sara" und mit dem Geburtsort ,Dorsten" aufgeführt. Sie wurde, da andere Leidensgenossen zurückgestellt wurden, doch mit dem ersten Transport von Laer aus nach Riga verschleppt. Die Tochter Reha war mit 13 Monaten das jüngste Kind der ersten Deportation aus MS und dem Münsterland. Von der Familie überlebte niemand.

S. 182-183
HEIMBACH
Sigmund-Samuel 
23.8.1856 Laer/Steinfurt - 20.8.1942 Ghetto There­sienstadt
E: Moses Heimbach, Metzger in Laer, (* 26.6.1814 Laer) u. Regina geb. Miltenberg (1.5.1824 Amelsbüren - 14.7.1916 MS)
G: David (* 20.5.1850 Laer); Isidor (6.8.1851 Laer - 16.3.1927 MS); Herz (* 1.1.1853 Laer); Nathan-Heine­mann (20.11.1854 - 25.9.1942 Ghetto Theresienstadt); Johanna (* 22.11.1857 Laer); Ida ∞ Platz (* 2.12.1858 Laer); Emma (* 11.2.1861 Laer); Leonhard (25.11.1862 Laer - 11.10.1942 Ghetto Theresienstadt); Jacob-Julius (* 4.12.1864 Laer); Benjamin-Bernard (* 22.8.1866 Laer); Salomon gen. Louis (27.2.1869 Laer - 21.9. 1942 Ghetto Theresienstadt)
Viehhändler. Aufgewachsen in Laer/Steinfurt als fünftes von zwölf Kindern des Fleischers Moses Heimbach. Mit der Gründung seiner eigenen Familie 1889 gehörte er zu einer von fünf ,Heimbach-Familien" in Laer. Er wohnte Dorf Nr. 51 (heute: Bachstr. 2). Von Laer verzog er mit seiner Ehefrau am 5.7.1889 nach Nottuln. Seine Kinder wurden jedoch in Laer geboren. Seit Oktober 1901 war er in MS als ,Agent" (Geschäftsreisender) und Händler tätig. Wohnte Dortmunder Str. 17 (1903), Graelstr. 40 (1905/07), Gallitzinstr. 19 (1910/12) und Hansa­ring 5 (1919 - 1939). Er betätigte sich nach dem 1. WK als Viehhändler und galt seit 1929 als Privatier. Seit Ende der 1930er Jahre war er bettlägerig, zum Schluß gelähmt. Er wohnte nach Kündigung der Wohnung seit dem 2.1.1939 Südstr. 5, von dort mußte er am 16.8.1939 zur Hermannstr. 44 (,Juden­haus"), schließlich am 3.2.1942 in das letzte münste­rische ,Judenhaus" Am Kanonengraben 4 zwangs­weise umziehen. Er wohnte dort mit seiner Tochter und dem Ehepaar Waldeck in einem Raum. Auf einer Bahre wurde er am 31.7.1942 zum Depor­ta­tionszug nach Theresienstadt getragen, der am Güterbahnhof MS bereitgestellt wurde. Er verstarb drei Wochen nach seiner Ankunft.

∞ 11.2.1889 MS
EHEFRAU
Babette geb. Sturmwald
26.4.1861 Forth/Mittelfranken - 16.2.1930 MS
E: Michael Sturmwald, Produktenhändler, u. Fanny geb. Elkan, wohnten 1889 in Forth/Mittelfranken
Von ihren vier Töchtern wanderten zwei als 17- bzw. 18jährige nach Amerika aus. Die jüngste verstarb mit wenigen Monaten.

KINDER
Ida
* 15.10.1890 Laer
Verkäuferin. Mit den Eltern am 14.10.1901 von Laer nach MS, Graelstr. 40 (1901) zugezogen, wohnte 1907 Hansaring 10. Sie wanderte am 15.12.1908 nach New York aus.

Frieda
* 29.3.1892 Laer
Mit den Eltern am 14.10.1901 von Laer nach MS zugezogen. War für Gallitzinstr. 19 gemeldet und wanderte am 6.10.1909 nach New York aus.

Sophie
1.7.1895 Laer - KZ Auschwitz
Modistin. Sie kam mit sechs Jahren nach MS und besuchte vermutlich die jüd. Volksschule in der Marks-Haindorf-Stiftung. Im Anschluß daran machte sie eine Lehre im Hutgeschäft ,August Schme­des", Salzstr. 36, und erhielt dort 1929 (?) für ihre 20jährige Treue eine Uhr mit Initialen. Blieb unver­heiratet und wohnte bei den Eltern Hansaring 5 (1919 - 1939). Die ,Deutsche Arbeitsfront" (DAF) erzwang durch Druck auf den Firmeninhaber ihre Entlassung. So betrieb sie seit Dezember 1935 einen selbständigen Putzmachereibetrieb in der Privat­wohnung. Mit der Fa. Schmedes wurde vereinbart, daß sie nach Geschäftsschluß mit Material und Aufträgen versorgt wurde. Dies mußte heimlich geschehen, da Mitglieder der DAF in den Betrieb einge­schleust worden waren. Couragierte Kunden fanden sich zu Anproben in ihrer Privatwohnung Hansaring 5 ein. Nach dem Novemberpogrom wurde sie zur Aufgabe ihrer Heimarbeit (31.12.1938) und zum Wohnungswechsel zur Südstr. 5 (2.1.1939) gezwungen. Von dort gelangte sie über das ,Judenhaus" Hermannstr. 44 (16.8.1939) zur letzten münste­ri­schen Gemeinschaftsunterkunft Am Kanonen­gra­ben 4 (seit 3.2.1942), wo sie mit ihrem gelähmten Vater und dem Ehepaar à Waldeck ein Zimmer teilte. Sie wurde am 31.7.1942 nach Theresienstadt deportiert, nachdem sie sich brieflich von ihrem ehemaligen Chef mit den Worten: "Vielen Dank für alles alles Gute. Donnerstag treten wir unsere Erho­lungs­reise an" verabschiedet hatte. Um Herrn Schme­des zu schützen, war der Brief anonym abgefaßt und wurde heimlich unter der Tür durch­ge­schoben. Ihr Vater verstarb kurz nach der Ankunft im Ghetto. Für sie wurde Theresienstadt zum Durchgangslager, da sie am 28.10.1944 nach Auschwitz deportiert und nach der "Selektion" am 30.10.1944 zusammen mit 1.689 Deportierten in der Gaskam­mer ermordet wurde.

Bertha
8.3.1898 Laer - 31.8.1898 Laer

 


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