L113 Guthmann, Max
 05.03.1866 - 17.01.1939

Max
Guthmann
geb. 5. März 1866
gest. 17. Januar 1939

 

aus: Gisela Möllenhoff / Rita Schlautmann-Overmeyer, Jüdische Familien in Münster 1918 – 1945. Teil I Biographisches Lexikon, Münster  ²2001

S. 166-167
GUTHMANN
Max    

5.3.1865 Letmathe - 17.1.1939 MS
E: Marcus Guthmann u. Sophie geb. Hirschfeld
Kaufmann. Vom 25.10.1882 bis zum 18.10.1884 war er in Duisburg tätig und zog dann nach MS. Vom 25.9.1895 bis zum 1.12.1936 war er zusammen mit Emil Löwenstein aus Düsseldorf Teilhaber der Getreidehandlung "Flechtheim & Co.", Südstr. 5. Er wohnte u.a. Achtermannstr. 25a (1895) und Südstr. 5 (1912, Eigentum, 1890 erbaut). Er war 1899 Mitglied der "Abendgesellschaft des Zoologischen Gartens" sowie 1917 Mitglied (Handelsrichter ?) der Industrie- und Handelskammer im Regierungsbezirk MS. Er gehörte von 1905 bis mindestens 1926 dem Vorstand der jüd. Gemeinde an und 1932 dem Kulturausschuß der Synagogengemeinde. 1911 war er Mitglied in dem zwei Jahre zuvor gegründeten "Luftschiffahrtverein MS-Münsterland". Nach einer Erhebung des Deutschen Handelstages bzgl. der "Beteiligung des Handels an der kriegswirtschaftlichen Organisation des Verkehrs mit Brotgetreide, Gerste, Hafer und Hülsenfrüchten" von 1919, lag die Handelstätigkeit der Fa. Flechtheim im letzten Geschäftsjahr vor dem 1. WK im Vergleich zu neun weiteren Firmen in MS (darunter sechs jüd.) an erster Stelle. Am 19.5.1917 bescheinigte die Handelskammer MS der Fa. Flechtheim, daß sie "die bedeutendste Getreidegrosshandlung unseres Bezirks ist und als zuverlässig und finanziell leistungsfähig zu betrachten ist". Max G. war im April 1919 zusammen mit Carl Zeiller Gesellschafter der "Westfälischen Futtermittel-Vertriebsgesellschaft". Er war 1931 als Vertreter der Kaufmannschaft Mitglied der "Hafenkommission", am 2.1.1934 wurde sein Name aus dem "Verein der Hafeninteressenten" gestrichen. Den Getreidespeicher der Firma Am Mittelhafen 8 verkaufte er am 22.9.1936. Am 13.10. 1938 wurde die Firma aus dem Handelsregister gelöscht. Über sein Vermögen, das zur Sicherstellung eventuell anfallender Reichsfluchtsteuern gepfändet worden war, durfte er ab Oktober 1938 nur mit Genehmigung der Devisenstelle verfügen. Zur Finanzierung der geplanten Auswanderung in die USA Anfang Februar 1939 mußte er die Freigabe seines eigenen Geldes bei der Oberfinanzdirektion MS beantragen. Er konnte die diskriminierenden Maßnahmen des NS-Regimes nicht länger ertragen und setzte 1939 im Aasee seinem Leben ein Ende.
∞ 30.6.1894 MS
EHEFRAU
Eva geb. Leffmann
22.7.1872 MS - 31.8.1953 Schweiz
E: Moses (Salomon) Leffmann, Möbelhändler, (28.2. 1825 MS - 23.11.1900 MS) u. Sophie geb. Jordan (27.8. 1825 Hüsten - 18.1.1889 MS)
G: Sara ∞ Baehr (* 4.4.1856 MS); Leeser-Leo (6.12.1857 MS - ca. 1903 Köln?); Benni (23.3.1861 MS - 24.8.1938 MS); Abraham-Arthur (* 4.1.1863 MS); Levi-Ludwig (4.12. 1864 MS - 1944 Wiesbaden)
Im Jahre 1912 war sie Rendantin des "Israelitischen Frauenvereins" in MS. Von 1936 bis 1939 wurde sie von à Trude Funk im Haushalt unterstützt. Deren Eltern, Sally und Laura Heumann, wohnten seit Ende 1936 auch im Haus. Sie emigrierte nach der Zahlung von Reichsfluchtsteuer (78.000 RM) und "Judenvermögensabgabe" (90.000 RM) am 20.2. 1939, vier Wochen nach dem Tod ihres Mannes, in die Schweiz, wo sich ihre Tochter aufhielt. Das Haus Südstr. 5 wurde am 17.4.1939 von ihrem Bevollmächtigten Dr. Max Meyer unter Einheitswert verkauft. Dieser mußte auch im Mai 1939 für sie ihr zurückgelassenes Silberbesteck gegen einen geringen Gegenwert an die Pfandleihanstalt Dortmund abliefern. Im November 1940 hatte Eva G. ihrem Bruder Ludwig, den sie mit monatlichen Beträgen unterstützte, eine größere Geldsumme geschenkt. Ihr Vermögen wurde 1941 "auf Grund der Verordnung des Herrn Reichspräsidenten zum Schutze von Volk und Staat vom 28.2.1933" beschlagnahmt, so daß sie lediglich 6 % ihres Besitzes in die Schweiz transferieren konnte. Am 24.11.1941 war ihre Ausbürgerung aus dem Deutschen Reich beantragt. Sie mußte von Verwandten in den USA finanziell unterstützt werden, da sie erhebliche Kosten für die Unterbringung ihrer Tochter aufzubringen hatte. Während der letzten Monate ihres Lebens erhielt sie eine Zuwendung vom deutschen Generalkonsulat.

KIND
Lotte (Sophia Charlotte)
16.3.1895 MS- 17.11.1962 Schweiz
Sie verzog nach ihrer Heirat am 26.11.1920 in MS mit dem Direktor der Deutschen Bank Hugo Heinemann (29.11.1884 Ilten/Kr. Burgdorf - 1.6.1937 Hannover) nach Hannover, wo ihr Sohn Werner 1922 geboren wurde. Emigrierte, nachdem ihr Mann 1937 an den Folgen einer Operation verstorben war, am 20.2.1939 in die Schweiz, von wo aus sie ihrem Sohn in die USA folgen wollte. Sie kehrte jedoch, kaum daß sie amerikanischen Boden betreten hatte, nach Europa zurück. Sie litt an einer Geisteskrankheit und verbrachte den Rest ihres Lebens in einer Schweizer Heilanstalt. Am 16.10. 1941 wurde sie aus dem Deutschen Reich ausgebürgert. Ihr Sohn Werner lebte 1995 in den USA.

 


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