L104 Sternfeld, Friederike
 06.02.1837 - 25.08.1919

פ''נ
ה''ה פרומט בת לוי
תנצב''ה

[Hier ruht
die fromme Fromet, die Tochter des Levi.
Ihre Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens.]

Hier ruht
unsere liebe Mutter
Ww. Friederike Sternfeld
geb. Spiegel
geb. 06. Febr. 1837, gest. 25. Aug. 1919.

aus: Gisela Möllenhoff / Rita Schlautmann-Overmeyer, Jüdische Familien in Münster 1918 – 1945. Teil I Biographisches Lexikon, Münster  ²2001

[Aufgrund der zeitlichen Begrenzung des Lexikons ist kein eigener Lexikoneintrag vorhanden. Unter folgendem Eintrag ist die Person genannt:]

S. 208-209
HIRSCH
Karl    
12.1.1869 Burgsteinfurt - KZ Sobibor
Viehhändler. War von Burgsteinfurt um 1900 nach MS gezogen, wo er Achtermannstr. 25 (bis um 1913), Wolbecker Str. 10 (1926) sowie Maximilianstr. 38 (1935) wohnte. Die Viehhandlung wurde im Oktober 1938 abgemeldet, ein Einkommen hatte er in dem Jahr nicht mehr. Schon vor dem Pogrom wohnte er Hermannstr. 44 und beantragte am 12.12. 1938 die Mitnahme von Umzugsgut, für das er eine Abgabe von 200 RM zahlen mußte. Da sein Sohn bereits 1926 in die Niederlande ausgewandert war, konnte dieser am 8.2.1939 trotz Einreisebeschränkungen seine Eltern nach Amsterdam anfordern. Bei dem Überfall deutscher Truppen auf die Niederlande geriet das Ehepaar wiederum in den Machtbereich des NS-Regimes. Beide wurden in das Sammellager Westerbork gebracht und kamen mit dem Transport vom 10.3.1943 in das Vernichtungslager Sobibor, wo sie ermordet wurden.

∞ 03.05.1901
Emma geb. Sternfeld
14.4.1876 Dortmund - KZ Sobibor
E: Friederike Sternfeld geb. Spiegel (6.2.1837 Dorstfeld - 25.8.1919 MS)
G: Leopold (* 27.5.1866 Dortmund)
Nachdem ihre Mutter 1903 nach MS gezogen war, nahm sie diese zeitweise in ihren Haushalt auf. Ihr Bruder Leopold Sternfeld lebte von 1903 bis 1906 in MS. Emma H. teilte das Schicksal des Ehemannes bis zum gewaltsamen Ende.

KINDER
Werner
31.3.1903 MS - 5.3.1904 MS
Verstarb mit elf Monaten. Sein Grab befindet sich auf dem jüd. Friedhof in MS.

Heinz
* 22.3.1905, lebte 1939 in den Niederlanden
Schüler der Oberrealschule in MS. Abgang 1922 mit der Mittleren Reife. Wanderte 1926 in die Niederlande aus und ermöglichte dadurch seinen betagten Eltern die Flucht aus Deutschland auf Elternanforderung.

Ilse  
* 19.10.1908 MS
Verkäuferin. Zwillingsschwester von Lotte H.. Sie war 1918 in der Vorklasse des Ev. Lyzeums und 1921/22 Schülerin der Quinta. Ab Januar 1925 besuchte sie die Kaufmännische Fortbildungsschule, aus der sie am 30.9.1926 entlassen wurde. Engagierte sich 1931 für die Gründung eines Angestellten-Ausschusses der C.V.-Ortsgruppe MS. Mitte der 1930er Jahre arbeitete sie in Minden. Von dort ging sie am 3.9.1937 nach Bielefeld, wo sie bis zum 1.10.1938 blieb. Am 10.10.1938 wohnte sie in MS, Hermannstr. 44. In der Pogromnacht gingen dort Fenster zu Bruch und z.T. wurden Möbel von eindringenden SA-Männern demoliert. Obwohl ihr älterer Bruder Heinz bereits seit zwölf Jahren in den Niederlanden wohnte, gelang ihr die Ausreise nach dort nur unter Schwierigkeiten. Ihre Abmeldung von MS erfolgte bereits am 7.4.1939, doch bat sie noch am 2.6.1939 um die Genehmigung zur Mitnahme des Handgepäcks, so daß eine spätere Emigration wahrscheinlich ist.

Lotte
* 19.10.1908, lebte in den USA
Verkäuferin, Zwillingsschwester von Ilse H.. War 1918 in der Vorschule des Ev. Lyzeums, 1921/22 in der Sexta derselben Schule. Engagierte sich 1931 wie ihre Schwester für die Gründung eines Angestellten-Ausschusses der C.V.-Ortsgruppe MS. Anfang der 1930er Jahre war sie Verkäuferin in Beckum, wohnte bei der Familie Alex Falk und meldete sich am 9.4.1934 nach MS ab. Ende 1935/Anfang 1936 beteiligte sie sich an einer "Sammlung für die Eintopfspende", die von der "Jüdischen Winterhilfe" der "Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden" in MS veranstaltet wurde. Ende 1937 hielt sie sich in Essen auf, im März 1938 hatte sie eine Anstellung in Soest bei der Kosmetik- und Parfümeriefirma "Johann Maria Farina & Co." gefunden, deren Inhaber der Vater von Hans-Helmut Ruhstadt war. Kam am 10.10.1938 zurück nach MS, Hermannstr. 44, wo ihre Eltern wohnten. Als diese im Februar 1939 nach Amsterdam emigrieren konnten, wartete sie mit ihrer Zwillingsschwester noch auf die Einreisegenehmigung. Sie verließ MS am 7.4.1939 und emigrierte in die Niederlande. Lebte nach dem Krieg als Lotte Bank in New York und hatte einen Sohn.


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