L15 Katz, Eli
 03.02.1852 - 31.01.1935

פ''נ

Eli Katz
geb. 3.2.1852
gest. 31.1.1935

אליעזר בן נתן הכהן
נולד י''ב שבט תרי''ב לפ''ק
נפטר כ''ז שבט תרצ''ה לפ''ק
תנצב''ה

[Elieser, der Sohn des Nathan HaCohen,
geboren am 12. Schevat 612 nach kleiner Zählung,
verstorben am 23. Schevat 695 nach kleiner Zählung.
Seine Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens.]

 

aus: Gisela Möllenhoff / Rita Schlautmann-Overmeyer, Jüdische Familien in Münster 1918 – 1945. Teil I Biographisches Lexikon, Münster  ²2001

S. 227-229
KATZ
Eli

3.2.1852 Verne/Salzkotten - 31.1.1935 MS
G: Minna ∞ Elsberg (9.7.1853 Verne - 26.7.1925 MS)
Metzger. Er diente von 1871 bis 1875 bei den "Sechzehnern" in Köln und trat nach seiner Entlassung im Juli 1876 dem "Krieger- und Landwehr-Verein" in Lippstadt (gegr. 1868) bei, der dem preußischen Landes-Krieger-Verband angehörte. Nachdem er nach MS übergesiedelt war, wechselte er in die dortige Vereinigung. Für seine 50jährige Mitgliedschaft wurde er 1926 geehrt. Er zog 1887, nachdem seine erste Frau 1883 verstorben war, von Lippstadt mit seiner zweiten Frau und seinen zwei Töchtern nach MS. Ihm wurde am 25.5.1888 das Bürgerrecht der Stadt MS verliehen. Mit seiner Familie wohnte er Münzstr. 37 (1888) und seit ca. 1892 Bernhardstr. 12, Eigentum seit ca. 1909. In MS war er Mitglied im "Neustädter Schützenverein" und gehörte 1899 der "Abendgesellschaft des Zoologischen Gartens" an. Er unterstützte den C.V. sowie 1893 den drei Jahre zuvor in Berlin gegründeten "Verein zur Abwehr des Antisemitismus". Vom 1.4.1887 bis zum 31.7.1925 betrieb er eine koschere Metzgerei ("Ochsen-, Kalb- und Hammelmetzgerei"), zuerst Münzstr. 37, dann Bernhardstr. 12, deren Hauptkundschaft sich aus der christl. Bevölkerung rekrutierte. Später war zeitweise Willy Steinmann, Osterwick, Inhaber des Geschäftes. 1904 verstarb auch seine zweite Frau, und Eli K. blieb zwei Jahre lang mit seinen drei, z.T. schon erwachsenen, Kindern allein, bevor er ein drittes Mal (die Schwester seines späteren Schwiegersohnes) heiratete. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor. Bevor er starb, war er lange Jahre gelähmt und bettlägerig. Sein Grab befindet sich auf dem jüd. Friedhof in MS.

EHEFRAU (1. Ehe)
Fanni geb. Grünewald
verstorben 28.4.1883 Lippstadt

EHEFRAU (2. Ehe)
Adolfine geb. Stern
8.4.1857 Melle - 28.1.1904 MS
E: Julius Stern u. Minna geb. Kemper
Sie zog mit Ehemann und zwei Kindern 1887 von Lippstadt nach MS. Sieben Jahre später wurde ihr drittes Kind geboren. 1898 war sie Mitglied des "Israelitischen Frauenvereins" in MS. Sie verstarb mit 46 Jahren. Ihr Grab befindet sich auf dem jüd. Friedhof in MS.

∞ 5.6.1906 Ibbenbüren
EHEFRAU (3. Ehe)
Nanny geb. Löwenstein
2.5.1870 Ibbenbüren - Oktober 1942 KZ Treblinka
E: Isaac Löwenstein (24.5.1834 Ibbenbüren - 10.11. 1915 Ibbenbüren) u. Sophie geb. Meyerbach (23.11.1835 - 10.3.1920 Ibbenbüren)
G: Selig-Sally (* 24.5.1865); Meyer (9.10.1866 Ibbenbüren - 30.9.1942 Ghetto Theresienstadt); Bertha (* 23.3.1872); Leopold (?) (* 3.6.1874 Ibbenbüren); Mathilde (* 1.5.1879)
War seit ihrer Heirat 1906 in MS ansässig. Der Zuzug erfolgte von Ibbenbüren, wo die Familie ihres Vaters mindestens seit 1778 lebte. Sie wohnte mehr als 30 Jahre lang Bernhardstr. 12. Nach dem Zwangsverkauf ihres Hauses am 27.4.1939, dessen Erlös auf ein Sperrkonto eingezahlt werden mußte, wurde sie am 15.8.1939 ins Judenhaus" Hermannstr. 44 eingewiesen. Dort bewohnte sie für 10 RM Miete einen Dachgeschoßraum. Per "Sicherungsanordnung" von November 1939 wurde ihr Konto zur Sicherstellung der Reichsfluchtsteuer gepfändet, und ihr stand monatlich lediglich ein festgesetzter Betrag zur Verfügung, der im Laufe der Zeit immer weiter heruntergesetzt wurde. 1939 wurden ihr im Rahmen der "Edelmetallabgabe" Besteck und Schmuck entzogen. Am 3.2.1942 mußte sie in das "Judenhaus" Am Kanonengraben 4 ziehen und teilte dort einen Raum mit drei weiteren Frauen. Sie hatte ihre Auswanderung bereits vorbereitet, aber der Versuch ihrer beiden Kinder, für sie eine Einreisegenehmigung nach Palästina zu bekommen, blieb angesichts der restriktiven Zuwanderungspolitik der britischen Mandatsmacht vergeblich. In wöchentlichen Briefen berichtete sie ihrem Sohn Walter in Palästina über die Ereignisse in MS, über ihre Auswanderungsvorbereitungen und schilderte den Verkauf ihrer Möbel, die sie bei ihrem Umzug in die "Judenhäuser" nicht mitnehmen konnte. Eine Woche vor ihrer Deportation schloß sie für 1.000 RM einen "Heimeinkaufsvertrag" ab, der sie in dem Glauben ließ, sich in ein Altersheim eingekauft zu haben. Sie wurde am 31.7.1942 mit der Transport-Nr. XI/1-798 ins Ghetto Theresienstadt deportiert und von dort zwei Monate später am 29.9.1942 ins KZ Treblinka verbracht (Bs-1435). 1950 wurde sie vom Amtsgericht MS für tot erklärt.

KINDER
Renate (2. Ehe) ∞ MILTENBERG, Julius
6.4.1885 Lippstadt - 2.11.1943 Ghetto/KZ Riga
Grete (2. Ehe)
* 14.6.1886 Lippstadt
Kam 1887 mit Eltern und Schwester von Lippstadt nach MS. Zog nach der Heirat am 18.11.1910 in MS mit dem Rechtsanwalt Leopold Löwenstein (* 3.6. 1874 Ibbenbüren, Bruder der Stiefmutter) nach Oberhausen. Sie hatte drei Kinder (Joachim * 17.7. 1917, Fritz und Ada Lea Rose). Ihre Söhne emigrierten nach Palästina, ihre Tochter, die 1940 in Berlin geheiratet hatte, gilt als verschollen.
Julius (2. Ehe)
24.6.1893 - KZ Auschwitz
Walter (3. Ehe)
27.5.1907 MS - 1989 Israel
Emmy (3. Ehe)
* 13.8.1910 MS, lebte 1995 in Israel
Verkäuferin. Besuchte einen kath. Kindergarten und dann drei Jahre lang die jüd. Volksschule in MS. Anschließend war sie von 1920 bis 1924 Schülerin des Ev. Lyzeums und von 1926 bis 1927 der Kunstgewerbeschule in MS. Diese Ausbildung mußte sie wegen Krankheit und Pflege der Mutter abbrechen. Von Februar 1928 bis Januar 1931 war sie dann als Verkäuferin in der Kunstgewerbeabteilung der Fa. Althoff in MS tätig. Anschließend half sie ihrem Bruder Walter bis 1933 in dessen Leihbücherei. Machte danach eine Ausbildung als Diätköchin in Den Haag/NL. Nachdem sie 1936 ein Jahr zur Emigrationsvorbereitung ("Hachschara") in der Nähe von Bamberg gewesen war, wanderte sie im April 1937 nach Palästina aus. Ihren Mann, den sie 1940 heiratete, hatte sie während des Auswanderungsvorbereitungskurses kennengelernt. Zuerst lebten sie in einem Kibbuz. Beide Eheleute wollten ihre Mütter nach Palästina holen und hatten bereits das mühsam ersparte Geld dafür eingezahlt. Das Vorhaben kam wegen des Krieges nicht zustande; beide Mütter wurden von den Nationalsozialisten umgebracht.

 


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