L74 Gumprich, Sonja
 09.11.1928 - KZ

Levy Nathan                        Bella Nathan geb. Rosenberg
24.4.1863 -  4.2.1924           16.12.1862 - 18.10.1939

In den Konzentratinslagern kamen um
Albert Gumprich                Irma Gumprich geb. Nathan
geb. 19.4.1892                     geb. 1.5.1898

und ihre Kinder
Rudolf                    Marianne                 Sonja                    Uri
geb. 26.12.1923     geb. 12.8.1925         geb. 9.11.1928     geb. 4.3.1940

Dan geb. 4.3.1940 gest. 21.4.1940 in Münster

aus: Gisela Möllenhoff / Rita Schlautmann-Overmeyer, Jüdische Familien in Münster 1918 – 1945. Teil I Biographisches Lexikon, Münster  ²2001

S. 150
GUMPRICH
Sonja-Emma
9.11.1928 MS - 15.11.1943 KZ Auschwitz
Schülerin der jüd. Schule MS. Mit Eltern und Geschwistern wurde sie am 27.1.1942 nach Riga deportiert, bei Auflösung des Ghettos nach Auschwitz verfrachtet und ermordet. Als amtliches Todesdatum wurde der 15.11.1943 festgestellt.

S. 148-150
GUMPRICH
Albert
19.4.1892 Borghorst - 10.6.1942 Ghetto Riga
E: Gustav Gumprich (10.6.1861 Borghorst - vor 1937 Borghorst) u. Bertha geb. Kleeberg (12.5.1866 Castrop - 31.12. 1953 Uruguay)
G: Emil (* 9.1.1891 Borghorst, lebte 1952 in Argentinien); Sophie ∞ Terhoch (9.9.1893 Borghorst - 9.2.1976 Uruguay); Erna ∞ Simon (21.4.1895 Borghorst - 1950); Julius (28.11.1896 Borghorst - KZ Auschwitz); Gertrud ∞ Strauß (*13.1.1908, lebte 1965 in Uruguay)
Kam um 1920 nach MS und übernahm am 1.12.1920 die Pferde- und Viehhandlung seines späteren Schwiegervaters Levy Nathan, Wolbecker Str. A 3. Die Verlobung fand im Sommer 1921 statt, die Heirat 1922. Wohnte als Junggeselle Verspoel 18, mit seiner Ehefrau bis nach dem Novemberpogrom 1938 Kanalstr. 20. Durch Diskriminierungen seit Beginn der Naziherrschaft wurde ein starker Rückgang des Umsatzes hervorgerufen. Ende 1935/Anfang 1936 beteiligte er sich an einer "Sammlung für die Eintopfspende", die von der "Jüdischen Winterhilfe" der "Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden" in MS veranstaltet wurde. Die Einziehung des Wandergewerbescheins zum 30.9.1938 bedeutete den Verlust der Existenz. Ein Antrag auf Verlängerung des Gewerbes (24.9.1938) und die Sondierung von Auswanderungsmöglichkeiten zogen die Sperrung des Vermögens nach sich (25.10. 1938). Seine Einnahmen von 1938 zusammen mit denjenigen seines minderjährigen Sohnes Rudolf betrugen 1.050 RM. Wahrscheinlich erfolgte nach der Pogromnacht eine Inhaftierung im Polizeigefängnis, wie sie von ca. 60 männlichen Juden Münsters bezeugt ist. Auf Drängen gab er am 24.11.1938 Brasilien als Auswanderungsziel an, dessen Einwanderungshöchstzahl für Deutschland bei 4.770 Personen lag. Am 2.1.1939 erfolgte der Umzug zur Südstr. 44. Nach der Auswanderung des jüd. Hausbesitzers Paul Wolff fand die Familie Unterkunft im "Judenhaus" Hermannstr. 44. An Reinvermögen waren nach dem Verkauf von vier mit Hypotheken belasteten Grundstücken und Abzug der "Judenvermögensabgabe" am 3.11.1939 noch rund 5.000 RM zum Lebensunterhalt übrig, bei monatlichen Ausgaben von mindestens 395 RM für einen fünfköpfigen Haushalt (Miete und Lebensunterhalt). Albert G. war als Tiefbauarbeiter beschäftigt und wegen des Säuglings vom ersten Transport nach Riga (13.12.1941) zurückgestellt. Am 27.1.1942 wurde er über Gelsenkirchen (?) bei extrem strengem Frost in einem ungeheizten Zug "nach Riga evakuiert". Am 10.6.1942 verstarb er im Ghetto Riga an Unterernährung und Lungenentzündung.

∞  8.7.1922 MS
EHEFRAU
Irma Gumprich geb. Nathan
1.5.1898 MS - 15.11.1943 KZ Auschwitz
E: Levy Nathan, Pferdehändler, (4.4.1863 Billerbeck - 24.2. 1924 MS) u. Bella geb. Rosenberg (18.10.1862 MS - 16.12. 1939 MS)
G: Tony ∞ Salm (27.10.1896 MS - 23.5.1958 Bad Neuenahr); Johanna ∞ Rosenberg, Lünen (*10.12.1899 MS, emigrierte in die USA)
Am 24.9.1938 erklärte sie auf behördliche Befragung bzgl. ihrer Auswanderungsabsicht, daß sie mit ihrer Familie auswandern wolle, wenn es eine Möglichkeit gebe. Daraufhin wurde eine "Sicherungsanordnung" erlassen und der Verkauf ihres Erbteils,  Ackerland in Gievenbeck, von der Erlaubnis der Devisenstelle abhängig gemacht. Dieses mußte auf Anordnung der Oberfinanzdirektion nach dem Novemberpogrom am 24.11.1938 zum "Siedlungswert" verkauft werden. Sie wurde mit Ehemann und vier Kindern mit der zweiten Deportation nach Riga (27.1.1942) verbracht. Trotz Schreibverbots in Riga gelang 1942/43 mehrmals eine Nachrichtenübermittlung, u.a. über den Tod des Ehemannes, an ihre Schwester Tony Salm. Bei Auflösung des Ghettos Riga (2.11.1943) wurde sie mit drei Kindern nach Auschwitz deportiert und ermordet.

KINDER
Rudolf (Rudi)
26.12.1923 MS - 8.3.1945 KZ Buchenwald
Er war bis 1938 Schüler der jüd. Volksschule und war Mitglied im "Bund Deutsch-Jüdischer Jugend" (1934). Im Jahre 1939 erzielte er mit seiner Arbeit einen höheren Verdienst als sein Vater. Sein zu versteuerndes Jahreseinkommen lag bei 900 RM. Er verzog am 27.2. 1940 nach Köln, um in einem Handwerk ausgebildet zu werden und erlernte das Schweißen. Am 25.2.1941 erlitt er beim Sturz von einer Brücke schwere Verletzungen und kam in ein Krankenhaus in Köln. Vom 9.5. bis zum 14.6.1941 hielt er sich vorübergehend in MS bei den Eltern, Hermannstr. 44, auf, ging aber nach einem Monat wieder nach Köln. Am 5.10. 1941 kehrte er endgültig nach MS zurück. Er war ursprünglich für die erste Deportation am 13.12.1941 vorgesehen, wurde dann jedoch bis zur nächsten zurückgestellt. Zusammen mit Eltern und Geschwistern wurde er am 27.1.1942 nach Riga deportiert. Bei Heranrücken der russischen Front wurde er am 10.8.1944 per Frachtschiff in das KZ Stutthof bei Danzig verlegt. Er trug dort die Häftlingsnummer 59.880. Nach sechstägigem Aufenthalt in Stutthof wurde er zusammen mit den Münsteranern Siegfried Goldenberg, Willi Mildenberg und Wilhelm Grüneberg am 16.8.1944 dem KZ Buchenwald überstellt und als Häftling Nr. 82.486 von dort in ein Außenlager nach Bochum verschickt. Er mußte dort in der Rüstungsindustrie (Eisen- u. Hüttenwerke oder Verein Gußstahl) arbeiten. Am 3.3.1945 gelangte er zurück nach Buchenwald in den "Krankenbau"- Todesblock (Block 64). Er verstarb am 8.3.1945, vier Wochen vor der Befreiung am 11.4.1945, nach angeblich komplizierter Fraktur des Oberarms ("im Block aus dem Bett heruntergefallen") und eingetretener Sepsis.

Ruth-Marianne
12.8.1925 MS - 15.11.1943 KZ Auschwitz
Schülerin der jüd. Schule und Mitglied im "Bund Deutsch-Jüdischer Jugend". Sie wurde wegen ihrer schönen Sütterlinschrift bewundert und schrieb einer emigrierenden Freundin am 29.3.1939 ins Poesiealbum: "Der Mensch ist frei, und würde er in Ketten geboren" (Schiller). Mit Eltern und Geschwistern wurde sie am 27.1.1942 ins Ghetto Riga deportiert. Bei Liquidierung des Ghettos wurde sie am 2.11.1943 nach Auschwitz verfrachtet und dort ermordet. Als amtliches Todesdatum wurde der 15.11. 1943 festgestellt.

Sonja-Emma
9.11.1928 MS - 15.11.1943 KZ Auschwitz
... [siehe Textzitat oben] ...

Uri
4.3.1940 - 15.11.1943 KZ Auschwitz
Zwilling. Geboren im Franziskus-Hospital. Mit seinen Eltern und Geschwistern wurde er am 27.1.1942 nach Riga deportiert und am 15.11.1943 mit dreieinhalb Jahren in Auschwitz ermordet.

Dan
4.3.1940 MS - 21.4.1940 MS
Zwilling. Geboren und mit rund sieben Wochen im Franziskus-Hospital verstorben. Ihm wurde noch der Zusatzname "Israel" verordnet, obwohl er bereits einen "jüd. Namen" trug.


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