L53 Rosenberg, Adolf Dr.
 06.08.1877 - 04.04.1928

Dr. med. Adolf Rosenberg
geb. 6.8.1877 gest. 4.4.1928
Hedwig Rosenberg
geb. Rosenberg
geb. 11.2.1882 in Dortmund
umgekommen in einem K.-Z.

 

aus: Gisela Möllenhoff / Rita Schlautmann-Overmeyer, Jüdische Familien in Münster 1918 – 1945. Teil I Biographisches Lexikon, Münster  ²2001

S. 359-360
ROSENBERG
Adolph, Dr. med.
   
6.8.1877 MS - 4.4.1928 MS
E: Simon Rosenberg, Kaufmann, (10.6.1831 Lübbecke - 1.7.1915 MS) u. Sara geb. Melchior (7.12.1837 Bork/Kr. Lüdinghausen - 13.6.1923 MS)
G: Bertha ∞ Rosenberg (*16.6.1861 Lünen); Bella ∞ Nathan (16.12.1862 MS - 18.10.1939 MS); Elise ∞ Huth (11.7.1864 MS - 5.3.1939 MS); Paula ∞ Eichenwald (8.3.1867 MS - 12.11.1937 MS); Nikolaus (12.6. 1868 MS - 7.11.1942 Ghetto Theresienstadt); Sigismund (25.7.1872 MS - 24.9.1876 MS)
Arzt. Besuchte von 1887 bis zum Abitur 1897 das Paulinum. Er beendete sein Medizinstudium, das er in Freiburg, München und Berlin absolvierte, 1902 an der Univ. München mit der Promotion zum Thema "Über Tabes dorsalis mit Hemiplegie. Ein Beitrag zur Syphilis-Tabesfrage". Wohnte und praktizierte Voßgasse 12. Nahm am 1. WK teil und hielt während seines Heimaturlaubes Sprechstunden in MS ab. Er war Mitglied des "Vereins für Jüdische Geschichte und Literatur" und von 1915 bis 1919 nachweislich als Schriftführer bzw. Kassierer im Vorstand. Als "Alter Herr" engagierte er sich in der jüd. Studentenverbindung "Rheno Bavaria" in MS, die zu Beginn der 1920er Jahre nur eine kurze Zeit in MS existierte. Adolph R. verstarb mit 51 Jahren; sein Grab befindet sich auf dem jüd. Friedhof in MS.

∞ 7.1.1905 Dortmund
EHEFRAU
Hedwig geb. Rosenberg
11.2.1882 Dortmund - 1.3.1943 KZ Auschwitz
E: Hermann Rosenberg (28.9.1847 Lünen - 22.2.1928 MS)
G: (?) Ella ∞ Guttenberg (11.2.1880 - KZ Auschwitz); Paul (KZ verschollen)
Zog nach ihrer Heirat 1905 nach MS und wohnte nach dem Tod ihres Mannes Dahlweg 62 (1938). Nach Erlaß des NS-Mietgesetzes verzog sie in ihr Eigentum Meppener Str. 27 ("Judenhaus") und nach den ersten münsterischen Deportationen zum 3.2. 1942 in das letzte "Judenhaus" in MS, Am Kanonengraben 4. Die Häuser Hamburger Str. 42 und Hamburger Str. 44 mußte sie am 8.11.1938 bzw. am 21.11.1938 zwangsverkaufen und die "Judenvermögensabgabe" zahlen. Die "Edelmetallabgabe" erfolgte am 3.4.1939 an die Pfandleihanstalt in Dortmund. Mit einer "Sicherungsanordnung" vom 3.11. 1939 wurde ihr Vermögen gepfändet und ein Freibetrag festgesetzt, mit dem sie ihren Lebensunterhalt bestreiten mußte. Sie lebte 1939 zusammen mit ihrer Tochter Charlotte Porak und den Enkelinnen nach deren Umzug nach MS und unterstützte hilfsbedürftige Juden. Die im März 1940 beabsichtigte Auswanderung in die USA schlug fehl. Am 31.7. 1942 wurde sie mit dem letzten großen Transport von MS nach Theresienstadt deportiert, nachdem sie am 25.7.1942 für 9.000 RM einen "Heimeinkaufsvertrag" abgeschlossen hatte. Vom Ghetto Theresienstadt wurde sie ins Vernichtungslager Auschwitz verbracht und dort ermordet. Das Finanzamt MS verfügte am 11.8.1942, ihre Wertpapiere zu veräußern und den Gegenwert an die Finanzkasse MS zu zahlen, da "die Jüdin Hedwig Rosenberg am 31.7.1942 zwangsweise ins Ausland abgeschoben" worden war. Ihr Eigentum, das Haus Meppener Str. 27, wurde drei Monate nach ihrer Deportation als "unbewegliches Vermögen von Reichsfeinden" vom Deutschen Reich beschlagnahmt. 1946 wurde Hedwig R. vom Amtsgericht MS für tot erklärt.

KIND
Charlotte ∞ PORAK
4.5.1906 MS, lebte 1994 in den USA

 


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